Gruol/Hechingen Missionar aus tiefster Leidenschaft

Der aus Gruol stammende Pater Dionys Siedler starb im Alter von 92 Jahren.
Der aus Gruol stammende Pater Dionys Siedler starb im Alter von 92 Jahren. © Foto: Selinka
Gruol/Hechingen / Von Wilfried Selinka 13.10.2018

Der Weiße Vater Pater Dionys Siedler hat in dieser Woche mit 92 Jahren sein Leben in die Hand seines Schöpfers zurückgegeben. Er war ein Afrikamissionar aus tiefer Überzeugung und aus großer Leidenschaft. Mit den Patres im Hechinger Marienheim trauern in Gruol zwei noch lebende Schwestern, deren Familien und viele Bekannte um den Verstorbenen. Seiner Heimatgemeinde war er stets verbunden geblieben.

In der acht Kinder zählenden Familie des Gipsermeisters August Siedler und seiner Frau Katharina, geborene Pfister, hatte der am 22. Juni 1926 geborene Dionys Siedler seine christlichen Wurzeln. Bereits als Schuljunge spürte er großes Interesse für das Wirken der Weißen Väter in Afrika.

Deshalb entschloss er sich 1939 ins Missionshaus der Afrikamissionare in Haigerloch einzutreten. Aber so einfach war der Weg nicht, wie der junge Dionys in seiner jugendlichen Begeisterung glaubte. Die Schließung der  Missionsschule in Haigerloch und die Zweckentfremdung unter der Naziherrschaft erforderten den Wechsel an das Uhland-Gymnasium nach Tübingen. Durchkreuzt wurde sein weiterer Ausbildungsweg durch die Einberufung zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht. Am Schluss des Krieges geriet Dionys Siedler in französische Gefangenschaft. Sein Ziel verfolgte er weiter. Nun führte sein Weg zu den Weißen Vätern nach Bonelle (bei Paris) und ins Kriegsgefangenen-Theologen-Seminar Chartres. 1947 winkte ihm die Heimkehr nach Deutschland.

Dem Abitur in Großkrotzenburg am 20. Mai 1948 folgten die theologischen und philosophischen Studien in Trier, im Maison Carrée bei Algier und in Thibar/Tunesien. Nach dem Diakonat in Karthago erhielt der junge Pater Dionys am 10. April 1955 die Priesterweihe mit nachfolgender festlicher Primiz in seiner Heimatgemeinde Gruol. Das war am 26. Juni 1955 – und ein großer Festtag für die ganze Gemeinde.

Wenig später betrat der frisch geweihte Priester 1955 zum zweiten Mal afrikanischen Boden. Seine Ordensoberen hatten ihn als ersten deutschen Missionar nach Französisch-Westafrika, ins heutige Burkina Faso, geschickt. Mit ganzem Herzen und hohem Sendungsbewusstsein leitete er als Pfarrer und Direktor die Katechetenschule, aus der unter seiner Leitung über 400 Katecheten hervorgingen. Sie waren dann ihrerseits zur missionarischen Bewusstseinsbildung befähigt und trugen den Glauben weiter.

Dem Verstorbenen wurden zudem überdiözesonale Aufgaben in der Diözese Kouduogou übertragen. Seine Überzeugung und seine Beziehungsfähigkeit zu den afrikanischen Menschen bildeten die Basis für einen fruchtbaren Einsatz für die katholische Kirche.

Pater Dionys Siedler lebte nach seinem Wahlspruch: „Der allmächtige Gott braucht Helfer, um schon auf Erden sein Reich zu verwirklichen, das durch einen lebendigen Glauben und christliches Leben geprägt ist“.

Ein Hüftgelenkleiden zwang den Weißen Vater im Jahr 1988 nach 34 Jahren Tätigkeit in Afrika zurück nach Deutschland. Hier war er in der deutschen Ordensprovinz als Superior in Trier tätig und auch in Frankfurt, wo er die Aufgabe eines Gefängnisseelsorgers übernahm.

Seit 2003 verbrachte Pater Siedler seinen Lebensabend im Missionshaus der Weißen Väter in Haigerloch, nach dem Umzug im Januar dieses Jahres lebte er mit seinen Mitbrüdern im Marienheim in Hechingen. 2005 feierte er sein Goldenes Priesterjubiläum, dem 2015 das Diamantene nach 60 Jahren als Priester folgte.

Solange es die Gesundheit erlaubte, war der Gottesdiener in den katholischen Gemeinden der Seelsorgeeinheit Eyachtal-Haigerloch St. Anna und darüber hinaus tätig. Sein missionarischer Eifer, sein überzeugender Lebensmut und seine Gelassenheit haben vielen Christen, die dem leutseligen Pater und Priester begegneten, gut getan.

Der Seelenrosenkranz ist am Montag, 15. Oktober, um 18.30 Uhr, in der Pfarrkirche Gruol. Die Beerdigung findet am Dienstag, 16. Oktober, um 13.30 Uhr, auf dem Friedhof in Haigerloch statt. Das Seelenamt in der Pfarrkirche schließt sich an.

In Sitten und Kleidung angepasst

Gründung Der Orden der Weißen Väter, eigentlich „Gesellschaft der Missionare von Afrika“ wurde 1868 vom damaligen Erzbischof von Algier und späteren Kardinal Charles Martial Lavigerie für die Afrikamission gegründet. Die Mitglieder sollten sich in Sprache und Kleidung den Menschen anpassen, ihre Kultur respektieren und eine bodenständige Kirche aufbauen. Ihr Name leitet sich von ihrem weißen Ordensgewand ab – nicht von der Hautfarbe! Zu Beginn des Jahrzehnts arbeiten die Weißen Väter in 20 Ländern Afrikas. Ordenshäuser gibt es in mehreren Staaten Europas, so in Belgien, Deutschland, Italien oder der Schweiz; aber auch in Mexiko, USA und auf den Philippinen. Damals gehörten der Gemeinschaft 1495 Patres und Fratres an.

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