Maria und Josef, Ochs und Esel, die Heiligen Drei Könige – und in der Mitte, von allen behütet und bestaunt, das Jesuskind. Ob mit Engeln und Stern oder Hirten und Schafen: Wie genau eine Krippe aussieht, darf jeder selbst bestimmen, der in der Weihnachtszeit dem Brauch folgt und eine kleine Nachbildung des Stalls zu Hause aufstellt. Wie frei von Kitsch und Glitzer, wie reduziert und winzig klein eine Weihnachtskrippe ausfallen kann, zeigte die Haigerlocher Galerie „Schwarze Treppe“ in ihrer zweiten Miniatur-Krippen-Ausstellung.

Für Hermann-Joseph Speier war die Ausstellung etwas Außergewöhnliches, nahm er doch in einer Doppelrolle an dieser teil: Zum einen wie üblich als Galerist, zum andern auch als Aussteller. In seiner Jugend habe er jedes Jahr eine neue Krippe zum Weihnachtsfest gebastelt, erzählte er. Nach jahrzehntelanger Pause sei es eine Ausstellung vor drei Jahren in Empfingen gewesen, die das Feuer wieder entfacht habe. „Ich hatte schon immer ein Faible für Miniaturen, deshalb habe ich begonnen, mich auf besonders kleine Krippen zu spezialisieren.“

Gemeinsam mit den Künstlern Hermann Schlaich aus Geislingen und Carola Schmidt aus Weildorf sei dann die Premiere im vergangenen Jahr zustande gekommen. „Wir wollten etwas Besonderes hier schaffen, keine Konkurrenz zu anderen Krippenausstellungen.“

Speiers eigene Exponate überzeugen durch ihre Schlichtheit. Strandgut vom Atlantik, arrangiert mit Holz und Rinde aus Korsika oder Muscheln und Schneckenhäusern – immerhin war auch Jesu Geburtsstätte der Geschichte nach einfach und naturnah

Auch die anderen Künstler bedienten sich der Gaben der Natur. Schlaich, wie gesagt schon zum zweiten Male dabei, baut seit etwa vier Jahren Krippen und Kruzifixe. Früher auch als Schnitzer, unter anderem von Geislinger Fasnetsmasken, aktiv, hat er sich mittlerweile spezialisiert. Die Basis seiner Exemplare sind naturbelassene Holzstücke, die er beim Spazieren im Wald findet.

Ein anderes Naturmaterial nutzt Carola Schmidt in ihrem Künstlerschaffen. Sie filzt mit Schafwolle. Seitdem ihre Kinder vor vielen Jahren diese Art der Bearbeitung im Kindergarten kennengelernt haben, ist sie begeistert von deren Möglichkeiten. Abseits der Weihnachtsdekoration und Filzschmuck hat sie allerlei Wesen aus Mythen und Märchen in den Mittelpunkt gestellt. „Ich will Feen, Elfen, Nixen und viele mehr in unsere techniküberladene Zeit retten“, sagte sie.

Bestens bekannt ist Pernille Jörgensen seit 20 Jahren für vielseitige Kunst aus Draht sowie aufwändige Quiltdecken. Dies durfte selbstverständlich in der „Schwarzen Treppe“ nicht fehlen. Eine einzigartige neue Idee der Haigerlocherin waren hingegen die wohl äußerst zerbrechlichen Krippen aus gerollten, trockenen Blättern. Dazu gesellten sich Baumpilze und Holzscheite.

Amanda Schwarz war nun nicht die einzige, die Rinde und Holz als Grundlage für einige ihrer Stücke genommen hatte. „Man sammelt immer“, meinte die Bechtoldsweilerin, „und irgendwann hat man dann die Idee, was man damit macht.“ Speziell bei ihr waren kleine Laternen, die sie zu Krippen umgestaltet hatte. Sofort ins Auge fielen zudem die sehr bescheidenen, deutlich größeren Werke aus Kokosblättern und mit lediglich einer Schnitzfigur und Ästen gestaltet. „Ich habe festgestellt, dass ich sie umso mehr mochte, je reduzierter sie wurden“, so Schwarz. Angesichts der nicht selten überladenen, vor Glitzer und Kitsch strotzenden Weihnachtsdekoration ist das sicher eine angenehme Erfahrung.