Haigerloch Millionengrab liegt unter der Erde

Historisch wertvoll, ja von regionaler Bedeutung: Haigerloch muss auch den Schlösslekanal für 80 000 Euro sanieren, sagen die Denkmalschützer. Dabei muss die Stadt schon für die „normalen“ Kanäle im Stadtgebiet Millionen locker machen.
Historisch wertvoll, ja von regionaler Bedeutung: Haigerloch muss auch den Schlösslekanal für 80 000 Euro sanieren, sagen die Denkmalschützer. Dabei muss die Stadt schon für die „normalen“ Kanäle im Stadtgebiet Millionen locker machen. © Foto: Tragwerke Ingenieurbauplanung
Haigerloch / Andrea Spatzal 28.07.2018
Haigerloch muss 800 000 Euro für Kanalsanierungen locker machen. Aber das dicke Ende kommt noch.

Gut, dass die Stadt Haigerloch wusste, was da auf sie zurollt: Millionenbeträge, die in die Umsetzung der Eigenkontrollverordnung fließen. Im Klartext heißt das: Jede Kommune ist verpflichtet, ihr Kanalnetz auf Vordermann zu halten.

Ein Riss oder gar Leck im Abwasserrohr gilt als mittlere Katastrophe. Kommt es zu einem Umweltschaden, drohen saftige Strafen. An dieser Pflichtaufgabe gibt es also nichts zu rütteln und nicht zu deuteln.

Dionys Pfister, Freie-Wähler-Stadtrat in Haigerloch, warnt schon lange vor der Kostenwelle, die da auf Haigerloch zurollt. Er schätzt den dicken Brocken auf „locker vier Millionen“. „Luxusprobleme“ wie die Freibadsanierung könne sich eine verschuldete Stadt wie Haigerloch da doch gar nicht mehr leisten, hat Pfister immer wieder gesagt – auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung wieder.

„Das Freibad interessiert viele, die Kanäle niemanden“, wusste Bürgermeister Heinrich Götz zu parieren. Wohl wahr, denn – Hand aufs Herz – Otto Normalverbraucher denkt nicht groß über die Kosten für eine funktionierende Abwasserentsorgung nach. Dabei müssen Städte und Gemeinden Unsummen ins Kanalnetz und in Kläranlagen investieren.

Nun muss also auch Haigerloch ganz tief in die Tasche greifen. Besonders bitter für die ehemalige Brauereistadt mit dem ohnehin schon hohen Schuldenberg: Sogar der uralte Schlösslekanal muss für 80 000 Euro saniert werden. Das Denkmalamt sei ganz ins Schwärmen geraten ob der regional bedeutsamen Gewölbeüberdeckung, berichtete der Bürgermeister, nachdem zwei, drei Gemeinderäte nachgefragt hatten, ob denn das wirklich sein müsse. Aber der Schlösslekanal steht auf einem anderen Blatt, auf einem anderen Konto nämlich auf dem des „Bürgerparks Eyachaue“, der in der Sitzung ebenfalls ein Thema war (wir berichten noch).

Bei der Eigenkontollverordnung geht es um die ganz normalen schnöden Kanäle im Haigerlocher Stadtgebiet. Allein die Untersuchungen haben drei Jahre in Anspruch genommen. Dabei hat das Büro Mauthe-Ingenieure, Balingen, erst vier der neun Haigerlocher Stadtteile erfasst. 40 Kilometer Kanalrohre und Schächte in Bittelbronn, Weildorf, Haigerloch und Bad Imnau wurden mit einem Kamerawagen befahren und durchgespült. Wie sich dabei herausgestellt hat, besteht an zahlreichen Abschnitten „sofortiger Handlungsbedarf“ (Schadensklasse 0). Das sind besagte 800 000 Euro. Wollte man auch die Schadensklasse 1 „kurzfristiger Handlungsbedarf“ anpacken, wären weitere 1,12 Millionen Euro nötig.

Weil so viel Geld nicht da ist, kann nur das Allernotwendigste gemacht werden. Stadtkämmerer Timo Müller rechnete vor, dass von den 800 000 Euro 250 000 Euro sozusagen bereits angespart wurden und weitere 240 000 Euro von der Kläranlage abgezweigt werden können, wenn man die Sanierung des Mischwasserbeckens schiebt. Auch um Fördermittel werde die Stadt sich bemühen.

Die Kanalsanierungen sollen als Paket ausgeschrieben und auf die Jahre 2019 und 2020 verteilt abgearbeitet werden.

Ebenfalls beschlossen hat der Gemeinderat die Zündung der Stufe 2, denn auch die Kanaluntersuchungen in Hart, Trillfingen, Stetten, Owingen und Gruol dürfen „nicht auf die lange Bank geschoben werden“, wie Bürgermeister Götz betonte. Weitere 53 Kilometer müssen in den fünf Stadtteilen befahren werden.

Es ist höchste Eisenbahn, denn die Eigenkontrollverordnung verpflichtet die Kommunen, alle zehn bis 15 Jahre einer Revision im Kanalnetz vorzunehmen. In Haigerloch liegt die letzte Befahrung der Kanäle 20 Jahre zurück.

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