Haigerloch Maßarbeit am Dach des Schlosses

Haigerloch / WILFRIED SELINKA 01.06.2013
Was letztes Jahr im Dachgebälk des Fruchtkastens auf Schloss Haigerloch an Sanierungsarbeiten begann, wird dieses Jahr im Gebälk des Hauptgebäudes fortgesetzt. Die Zimmermänner sind am Werk.

Die Erhaltung des Haigerlocher Schlosses, einem bedeutenden Kulturdenkmal der Stadt, ist der Schwenk GmbH ein Anliegen.

Auch im über 300 Jahre alten Dachgebälk des Hauptgebäudes hat der Zahn der Zeit genagt und hat sich der Zerfall an zahlreichen Balken durch eindringende Nässe, Fäulnis und nachfolgend Wurm- und Insektenfraß breit gemacht. Diesen Schwachstellen rückt man nun seit Monaten mit aufwändigen Zimmermannsarbeiten zu Leibe.

Vom Dachgebälk des Fruchtkastens Richtung Schlosshof wussten die Besitzer längst, dass es an verschiedenen Stellen gelitten hatte. Dort wurden die aufwändigen Sanierungen im vergangenen Jahr angegangen und waren im Oktober beendet.

Danach ließ man das Gerüst am Hauptgebäude anbringen, weil Untersuchungen eines Sachverständigen ergeben hatten, dass auch dort - wo man es weniger vermutet hatte - das Gebälk über die Jahrhunderte hinweg stark gelitten hat.

Festgestellt wurden die Schäden, weil im zweiten Obergeschoss - es wurde erst später aufgesetzt und stammt aus dem Jahr 1697 - Risse in den Trennwänden auftraten. (Diese Wände sind nämlich nicht tragend.)

Im Hauptgebäude kommt im Gegensatz zum Fruchtkasten erschwerend noch hinzu, dass dort die wertvollen Stukkaturen gesichert werden müssen. Denn nicht nur das Dachgebälk habe gelitten, sondern auch die Deckenbalken, sagte Geschäftsführer Gunther Hellberg bei einer Besichtigung vor Ort.

Mit einer so genannten "Weichsprießung" werden die Stuckdecken gesichert, nachdem sie ein Restaurator dokumentiert hat. Sollten sich durch die Bauarbeiten Schäden ergeben, müssen diese Schäden ausgebessert werden.

Die Dachkonstruktion des Hauptgebäudes stellt sich anders wie im Fruchkasten dar. So wird das Dach dort als freitragendes Dachwerk von so genannten "Hängesäulen" getragen, die den Kräftedruck auf die Balken nach außen abgeben. Gerade diese Fußpunkte des Gebälks sind besonders aufwändig zu behandeln.

Seit Oktober vergangenen Jahres und mit Ausnahme ganz weniger kalter Tage im Winter sind Zimmerleute der Firma Ott aus Gammertingen dabei, Stück für Stück der schadhaften Stellen des Gebälks zu erneuern. Dabei begann man an den mit Nummern versehenen Dachbalken in Richtung Hofseite. Die Handwerker sägten mit Präzision die schadhaften Balken aus und ersetzten sie durch neue. Die Überplattungen sind dabei mit stabilen Eichenholz-Dübeln versehen.

Diese Dachseite und der Querbau sind bereits fertig, mit einer neuen Lattung versehen und vom Mauerwerk von unten her auf rund zwei Meter verschalt. Auch ist das ganze Dach mit einer Doppeldeckung ohne Schindeln gedeckt. Nicht zuletzt wurde bereits das Gerüst auf der Hofseite abgebaut, weil es die in den Frühjahrs- und Sommermonaten statfindenden Hochzeiten auf Schloss Haigerloch von der Anmutung her empfindlich stören würde.

Nun sind die Zimmerer unter der Bauleitung von Vorarbeiter Helmut Grunwald dabei, dasselbe Prozedere auf der Talseite durchzuführen. Die Zimmerleute haben dazu ihre eigene Werkstatt im Dachstuhl des Hauptgebäudes aufgebaut.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel