Die Stadt Haigerloch hat im September eine neuen Hundesteuersatzung beschlossen, die unter andrem höhere Steuersätze für sogenannte Kampfhunde vorsieht. Auf Antrag der Freien Wähler-Fraktion im Gemeinderat wurde auch die hunderasse Rhodesian Ridgeback in die Liste der gefährlichen Hunde mit aufgenommen.

Viele Leser haben sich über diese Regelung empört. Inzwischen hat CDU-Gemeinderat Michael Ashcroft im Haigerlocher Bürgermeister beantragt, das Thema Hundesteuersatzung erneut auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu setzte. man habe möglicherweise „übereilt“ entschieden.

In der HZ gab es zu dem Thema bereits etliche Zuschriften. Inzwischen liegt eine weitere Wortmeldung vor, die „Rasselisten und Lenkungssteuer“ insgesamt in Frage stellt:

„Überholte Informationen unreflektiert übernommen“

„Dass neben den üblichen Verdächtigen auch der Rhodesian Ridgeback auf der Haigerlocher Liste der „Kampfhunde“ gelandet ist, zeigt, dass überholte Informationen wohl unreflektiert übernommen wurden. Willkürliche Rasselisten würden einer sachkundigen Beurteilung insgesamt nicht standhalten und eignen sich daher nicht als Basis für eine Lenkungssteuer. A propos Sachkunde: Schon zur Zeit der Entstehung solcher Listen war anscheinend die angebotene Mitwirkung von Experten auf dem Gebiet der Kynologie von der „Politik“ dankend abgelehnt worden (Quelle: Protokoll Hundepolitischer Abend, Düsseldorf, mit Günther Bloch und Udo Gansloßer, 14.04.2010, im Internet zugänglich).

Thüringen schafft Rasselisten ab

Expertengremien, zum Beispiel die Bundestierärztekammer, weisen immer wieder darauf hin, dass (1) es keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass bestimmte Rassen per se aggressiver sind, (2) Aggression nicht mit Gefährlichkeit gleichsetzbar ist und (3) der Grad der Gefährlichkeit eines Hundes sich nicht aus seiner Rassenzugehörigkeit ergibt, sondern durch äußere Einflüsse wie Erziehung und Haltung bedingt und darum nur individuell zu beurteilen ist.

Der thüringische Landtag hat die 2011 eingeführte Rasseliste im Januar 2018 wieder abgeschafft. Das Argument: Sie habe sich als nicht hilfreich erwiesen, um die Gefährlichkeit eines Hundes abschätzen zu können. Laut Tierschutzbund verzichten vier Bundesländer auf eine pauschale Beurteilung von Hunden aufgrund der Rasse: Niedersachsen, das Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen. In diesen Ländern gelten Hunde erst dann als gefährlich, wenn sie auffällig geworden sind.

Gemeinderat soll neu debattieren

Wäre es nicht ein Zeichen der Aufgeschlossenheit, wenn der Haigerlocher Gemeinderat nicht nur über den Rhodesian Ridgeback neu debattieren, sondern sich insgesamt nochmals Gedanken über Sinn und Unsinn seiner Rasseliste machen würde?“

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