Rohre, Heizungen, Schaltkästen, WC-Anlagen: Viele öffentliche Gebäude in Haigerloch leiden unter einem schon zehn Jahre währenden Sanierungsstau. Der städtische Bautechniker Bernd Wannenmacher schlägt Alarm.  Der Investitionsbedarf, den dem Gemeinderat am Dienstag vorrechnete, beläuft sich auf sagenhafte 30 Millionen Euro in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Mit Fotos von morschem Gebälk, durchgerosteten Rohren und museumsreifen Sicherungskästen untermauerte Wannenmacher seine Botschaft.

Haigerloch mit seinen acht Stadtteilen verfüge über sehr viele öffentliche Gebäude und in den allermeisten herrsche dringender Handlungsbedarf, stellte Wannenmacher fest. Betroffen sind Ortschaftsverwaltungen, Schulgebäude, Bürgerhäuser, Feuerwehrhäuser, Jugendtreffs, Festhallen, Backhäuser, Friedhofsgebäude und auch städtische Wohnhäuser. Viele der Gebäude sind in den 60er-Jahren entstanden und haben damit mehr als 50 Jahre auf dem Buckel.

Seit 2009 „predigt“ Wannenmacher, dass ein Ende sein muss mit Notlösungen und Flickschusterei, und der Gemeinderat die finanziellen Mittel für die Auflösung des Sanierungsstaus zur Verfügung stellen sollte. Mit dem Haushaltsposten von 700 000 Euro jährlich für Gebäudeunterhaltung „kommen wir nirgends hin“, betonte Wannenmacher. Der Zeitpunkt seines Vortrags war bewusst gewählt: Die Haushaltsberatungen stehen an.

Wannenmacher schilderte Zustände, die nicht einmal mehr den Sicherheitsbestimmungen entsprechen, geschweige denn einem zeitgemäßen Standard.  Zum Beispiel sind die Schaltschränke für die Halle und das Hallenbad in Bad Imnau so veraltet, „dass damit keiner mehr klarkommt“. Das Ergebnis einer Prüfung der ortsfesten Installationen in allen öffentlichen Gebäuden vom September 2019 durch die Firma pmtec fiel verheerend aus: „Nachrüstungen sollten zeitnah erfolgen, um die Sicherheit der nutzenden Personen gewährleisten zu können“.

In der Witthauhalle hat der Sanierungsstau bereits zur Folge, dass der Sportbetrieb ab 2020 „stark eingeschränkt“ werden muss, nachdem die dringend erforderliche Sanierung des Hallenbodens, der Heizung und der Lüftung dem Rotstift anheim gefallen ist.

In etlichen Fällen ist es mit einer „Modernisierung“ oder punktuellen Reparaturen nicht mehr getan. „In einigen Gebäuden kommen wir um eine Kernsanierung nicht herum“, erklärte der für den Hochbau in Haigerloch zuständige Bautechniker.

Prioriätenliste gefordert

Nach diesen Ausführungen herrschte Stille am Ratstisch. Erst als mit dem nächsten Tagesordnungspunkt die Sanierung des zweiten Parkdecks (Oberstadtstraße 9 unterhalb des Bürgerhauses) aufgerufen wurde, kam es zu einer Grundsatzdiskussion. Matthias Deppert (FWV) hatte schon nach Wannenmachers Vortrag eine Gesamtübersicht der Investitionen gefordert und empfahl, eine Prioritätenliste zu erstellen.  Konrad Wiget (SÖL) hakte anschließend beim Parkdeck-Beschluss nach, ob die zirka 450 000 Euro für dieses Projekt nicht umgeschichtet werden könnten, um kurzfristig Haushaltsmittel für Wannenmachers Mängelliste frei zu bekommen. „Was ist wichtiger, ein Parkdeck oder ein Haus, in dem Menschen wohnen?“, fragte Wiget. Außerdem forderte er, „endlich die nicht mehr benötigten öffentlichen Gebäude zu verkaufen“.

Parkdeck wird saniert

Walter Stocker stellte fest, man müsse „wohl in den sauren Apfel beißen“, das Gremium müsse in Zukunft aber alle Freiwilligkeitsleistungen noch kritischer als bisher hinterfragen.

Maik Haslinger (CDU) plädierte dafür, die Parkdecksanierung in die anstehende Haushaltsberatung mit aufzunehmen. „Wenn wir heute die Sanierung beschließen, ist ein Großteil der Mittel für 2020 verbraucht“, erklärte Haslinger, er sich ebenfalls dafür aussprach, „Prioritäten zu setzen“.

Stadtkämmerer Timo Müller hielt dagegen, dass der Gemeinderat die Sanierung beider Parkdecks in der Oberstadtstraße 2015 beschlossen hat. Das Parkdeck Oberstadtstraße 13-15 wurde 2026/17 saniert. Die zweite Sanierung sei für 2020 geplant. Das Ingenieurbüro Reck & Gass aus Horb, das damals beide Parkdecks, die erhebliche Schäden an Beton und Armierung aufwiesen, unter sucht hat, habe die Sanierung bereits angemahnt, da andernfalls eine neuerliche Prüfung und Kostenberechnung notwendig wird. Es gehe auch um Fragen der Statik und der Standsicherheit. Den Beschluss von 2015 zurückzunehmen sei möglich, aber nicht zielführend und förderlich für eine solide Finanzplanung, betonte Müller.

Hans Volm (FWV) sah das ebenso. Die Maßnahme jetzt noch zu verschieben, hätte teure Folgen, befand er. „Einfach durchziehen!“, lautete seine Empfehlung. Bei vier Enthaltungen wurde die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten für das zweite Parkdeck beschlossen.

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Kernstadt ist mit 15 Millionen Euro Spitzenreiter


Die Kernstadt hat mit 15,48 Millionen Euro den höchsten Investitionsbedarf, weil hier viele zentrale Einrichtungen wie Schulzentrum, Rathaus, Witthauhalle, Hallenbad und Freibad stehen. Auf Platz zwei folgt Trillfingen mit 4,49 Millionen Euro. Hier herrscht unter anderem beim Schulhaus, Backhaus, Rathaus und der Mehrzweckhalle Handlungsbedarf, von den Investitionen in die Kläranlage ganz zu schweigen. Auf Platz 3 rangiert Gruol mit 2,42 Millionen Euro. Hier schlagen unter anderem die Grund- und Hauptschule sowie der Löwensaal zu Buche. Rang vier nimmt Stetten mit 2,04 Millionen Euro ein. Unter anderem verlangen beide Schulgebäude, Hallen, Kindergarten, Rathaus und der alte Schafstall nach Sanierungen. Platz fünf nimmt Weildorf mit 1,73 Millionen Euro ein. Hier finden sich auf der Liste das Rathaus mit Feuerwehrhaus, der Hagastall, die Kapelle, der Kindergarten mit Wohnhaus und andere. Je eine Million Euro braucht es sowohl in Owingen (Schule, Jugendraum, Rathaus, Sporthalle etc.) als auch in Hart (Backhaus, alte Ortschaftsverwaltung, Turnhalle) und in Bad Imnau (Leichenhalle, altes Rathaus, Feuerwehrhaus, Wasserspeicher etc.). Gegen diese Summen nehmen sich die 659 500 Euro, die in Bittelbronn für Bürgerhaus, Kindergarten, Rathaus,  Wasserturm etc. gebraucht werden, geradezu bescheiden aus.