Erfreulich viele Teenager haben am Dienstagabend den Weg ins SVO-Sportheim in der Eyachtalhalle gefunden. Mit ihrer Präsenz zeigten die Jugendlichen, dass ihnen das Thema Jugendtreff wichtig ist. Die Initiatoren – Gertrud Teller vom neuen Jugendverein Owingen sowie Ortsvorsteher Karl-Heinz Binder – freuten sich über dieses positive Signal.

Gertrud Teller erinnerte daran, dass zuletzt am 3. Juni 2014 eine Jugendvollversammlung in Owingen abgehalten wurde. Damals sei dank vielfacher Unterstützung der bisherige Jugendtreff im alten Pfarrhaus daraus hervorgegangen. „Ein sehr schöner und gut funktionierender Treff“, wie Teller betonte. Umso tragischer war dessen Zerstörung durch einen Brand im Morgengrauen des 13. Januar 2018. Seit fast zwei Jahren seien die  Jugendlichen im Ort nun obdachlos. Der bisherige Zusammenhalt und die Dynamik unter den Jugendlichen drohten zu verebben, wenn nicht bald eine Lösung in Sicht kommt.

Hinzu kommt, dass aus den Nutzern des bisherigen Jugendtreffs inzwischen junge Erwachsene geworden sind. Also müsse jetzt die neue Generation „abgeholt“ und für die Sache gewonnen werden, erklärte Gertrud Teller das Sinn der Vollversammlung, an der Gemeinde- und Ortschaftsräte, das Kinder- und Jugendbüro, der neue Jugendverein und der Schulverein vertreten waren.

Containerlösung wird erneut geprüft

Um die nächste Generation zu motivieren berichteten zunächst vier Vorstandsmitglieder des Jugendvereins von ihren Erfahrungen. Es sei ein tolles Gefühl, gemeinsam einen Jugendtreff aufzubauen, zu renovieren und zur Verfügung zu haben, stellten sie fest. Von Vorteil für den Wiederaufbau sei auch, dass das  Feuer die Ausstattungsgegenstände weitgehend verschont hat, diese also noch vorhanden sind.

Jugendbüroleiterin Laura Schilling und ihr neuer Mitarbeiter Robin Falk, zuständig vor allem für die Jugendbeteiligung, lobten die Owinger Jugendlichen. Es sei toll, was sie in der Vergangenheit auf die Beide gestellt haben, und auch, dass jetzt so viele zu dieser zukunftsweisende Versammlung gekommen sind.

Ortsvorsteher Karl-Heinz Binder rief kurz die Geschichte der Jugendarbeit in Owingen in Erinnerung. Bis 2014 habe die eher aus Einzelaktivitäten bestanden. Als Treffpunkte dienten schon ein Bauwagen, der Pfarrkeller oder auch das Obergeschoss der Schule. Mit der Einweihung des Jugendtreffs im alten Pfarrhaus im Mai 2015 habe die Jugendarbeit Struktur gewonnen und „gut funktioniert“. Sogar mit der Nachbarschaft – ein immer schwieriges Thema – habe man sich arrangieren können, indem  eine Hausordnung aufgestellt und „immer wieder in Erinnerung gerufen“ worden sei. Doch dann habe das Feuer „zunichte gemacht, was sich viele gemeinsam erarbeitet haben“.

Der Ortschaftsrat sei fest entschlossen, wieder ein Jugendhaus aufzubauen. „Das Thema brennt uns auf den Nägeln, aber wir sollten nichts übers Knie brechen“, erklärte Binder. Es ist nicht so einfach, für die Jugendlichen eine neue Bleibe zu finden. Leer stehende Häuser gibt es zwar im Ort, diese genügten aber nicht den Auflagen für öffentliche Gebäude hinsichtlich Brandschutz, Raumhöhe, Toiletten & Co. Leere Flächen für einen Neubau seien ebenfalls vorhanden, etwa die Wiese zwischen Rathaus und Gasthaus „Engel“. Die gehöre aber nur zur Hälfte der Stadt, müsste also aufgekauft werden, was eine Budgetfrage sei, die in die Haushaltsplanung aufgenommen werden muss. Diese Prozesse erforderten viel Vorlaufzeit.

Um ein erreichbares Nahziel  in den Fokus zu kriegen, plädierte der Ortsvorsteher für eine Containerlösung. Diese Alternative sei zwar in den ersten Beratungen vor allem aus Kostengründen verworfen worden. Aber inzwischen seien die Preise für Container wieder gesunken, so dass sich ein zweite Blick lohnen könnte.

Auch Gemeinde- und Ortschaftsrat Klaus Hellstern aus Gruol empfahl  den Jugendlichen, sich ein „erreichbares Ziel“ zu stecken. Bekanntlich ist auch die Jugend in Gruol derzeit ohne ein Domizil und sucht nach Lösungen, eventuell ebenfalls in Form eines Containers. „Wir sind auf einer Wellenlänge“, stellte Hellstern fest. Schulsozialarbeiter Matthias Mühr bot an, Fotos von verschiedenen Jugendtreff-Containern zu besorgen, damit sich die Jugendlichen ein Bild von den Möglichkeiten machen können.

Mathias Schütz, Vorsitzender des Owinger Schulvereins, riet dazu, die „tolle Dynamik“, die mit der Gründung des Jugendvereins entstanden sei, zu nutzen, und für die weitere Zusammenarbeit zwischen der bisherigen und der künftigen Jugendhaus-Generation monatliche Treffen zu etablieren, am besten beginnend mit einer kleinen Weihnachtsfeier im Dezember. Der SV Owingen sagte spontan zu, dafür das Sportheim zur Verfügung zu stellen.

Elf Namen auf der Start-up-Liste

In einer „Ideenschmiede“ konnten die Anwesenden anschließend an mehreren Thementischen ihre Ideen und Anregungen notieren, Fragen stellen, Informationen einholen und sich vor allem für die „Start-up-Gruppe“ melden, die die „next steps“ vorbereiten soll. Elf Namen sowohl Jungen als auch von Mädchen und eine ganzen Packen voller Vorschläge hielt Gertrud Teller am Ende glücklich in ihren Händen. „Ihr geht mit anderen Augen und anderen Füßen durch unsere Gemeinde. Eure Ansichten und das was ihr zu sagen habt, ist wichtig“, freute sie sich auf die Auswertung der Vorschläge. Gertrud Teller hat die Mission klar vor Augen: „Wenn in Owingen am 11. und 12. Juli 2020 das Dorffest gefeiert wird, muss die Jugendarbeit wieder ein Ziel und ein Gesicht haben.“

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