Geislingen bei Balingen INTERVIEW: Schießsport: "Imageverlust trifft uns auch"

Geislingens Oberschützenmeister Lothar Müller.
Geislingens Oberschützenmeister Lothar Müller.
Geislingen bei Balingen / ROSALINDE CONZELMANN 31.05.2013
Der Geislinger Schützenverein feiert seinen 50. Geburtstag und richtet das Kreisschützenfest aus. Wir interviewten Oberschützenmeister Lothar Müller.

Gerne beantwortet Lothar Müller, der als leidenschaftlicher Schütze den Verein seit 22 Jahren leitet und davor im Ausschuss tätig war, unsere Fragen zu seinem Sport, den Veränderungen seit dem Amoklauf von Winnenden und der Zukunft seines Vereines.

Hat ein Traditionsverein wie die Schützen heute noch eine Zukunft?

LOTHAR MÜLLER: Ja, dazu ist es aber erforderlich, dass wir Menschen haben, die eine gute Jugendarbeit im Verein leisten. Die Schützenvereine müssen sich dem zeitlichen Wandel anpassen, unter anderem auch durch ein vielfältigeres Freizeitangebot für die Jugendlichen.

Welchen Reiz übt dieses Hobby auf junge Menschen aus?

MÜLLER: In erster Linie ist es wichtig, dass die Jugendlichen Spaß an ihrem Sport haben. Dazu gehört auch eine gute Kameradschaft. Dies zu schaffen und zu vermitteln ist die Aufgabe des Vereins. Schießsport ist sowohl eine Einzeldisziplin als auch ein Mannschaftssport. In diesem Rahmen können Jugendliche ihre Zuordnung finden. Ebenso sind Konzentrationsfähigkeit und Disziplin erforderlich.

Der Amoklauf von Winnenden hat

auch zum Imageverlust der Schüt-

zenvereine geführt. Haben die Geislinger damit zu kämpfen?

MÜLLER: Es gibt keinen Fall bei uns, bei dem Eltern ihre Kinder aus dem Verein genommen haben. Jedoch glaube ich schon, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern auf Grund der schrecklichen Ereignisse von Winnenden den Schießsport verwehren. Einen Imageverlust haben sicher alle Schützenvereine erlitten, dafür gibt es auch bei uns Anzeichen. Wir werden zu Recht von der Gesellschaft kritischer betrachtet.

Kann jeder dem Schützenverein beitreten oder sehen Sie Ausschlusskriterien?

MÜLLER: Die Aufnahmekriterien sind bei uns nicht strenger als bei Nicht-Schützenvereinen. Ob ein Vereinsmitglied eine Berechtigung zum Erwerb einer Waffe erhält, darüber entscheidet nicht allein der Schützenverein. Hier werden andere Maßstäbe angelegt. Verwehrung der Aufnahme in den Verein und Ausschlusskriterien sind für uns, wenn jemand gegen die Regeln verstößt, die in unserer Satzung und Geschäftsordnung aufgeführt sind. Diese wiederum orientieren sich an den gesetzlichen Bestimmungen.

Unsere Satzung beinhaltet unter anderem folgende Regeln: Der Verein ist politisch, rassisch und konfessionell neutral. Grundlage der Vereinsarbeit ist das Bekenntnis aller Mitglieder des Vereins zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Der Verein vertritt den Grundsatz religiöser und weltanschaulicher Toleranz sowie parteipolitischer tat. Er fördert die soziale Integration ausländischer Mitbürger. Der Verein tritt extremistischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Der Verein bietet nur solchen Personen eine Mitgliedschaft an, die sich zu diesen Grundsätzen bekennen.

In welcher Form begehen Sie den runden Geburtstag?

MÜLLER: Mit einem viertägigen Jubiläumsfest vom 21. bis 24. Juni, verbunden mit dem 12. Kreisschützenfest des Schützenkreises Zollernalb. Darauf freut sich der ganze Verein.

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