INTERVIEW · MARTIN HANKIEWIECZ VOM BAYERN-FANCLUB EYACHTAL 93: Das Finale dahoam ist so schön wie ein WM-Endspiel

Auch heute Abend wieder wird die "Eyachtal 93"-Fahne in der Münchener Allianz-Arena prangen. Der Fanclub mit seinen Vorsitzenden Martin Hankiewicz (rechts) und Alexander Schwab sucht immer einen guten Platz im weiten Rund. Privatfoto
Auch heute Abend wieder wird die "Eyachtal 93"-Fahne in der Münchener Allianz-Arena prangen. Der Fanclub mit seinen Vorsitzenden Martin Hankiewicz (rechts) und Alexander Schwab sucht immer einen guten Platz im weiten Rund. Privatfoto
HARDY KROMER 19.05.2012
Martin Hankiewicz hat das Glück, beim Finale dahoam des FC Bayern München heute Abend in der Allianz-Arena live mit dabei zu sein. Die HZ sprach mit dem Eyachtäler Fanclub-Chef über seine Erwartungen.

Herr Hankiewicz, wie schmerzlich ist es denn zur Zeit, ein Fan des FC Bayern zu sein?

MARTIN HANKIEWICZ: Schmerzlich? Nun ja, es hängt alles von diesem Samstag ab. Für mich hat die Champions League den höchsten Stellenwert. Die Meisterschaft müssen wir abhaken. Dortmund war einfach besser. Das müssen wir akzeptieren und gratulieren. Und das DFB-Pokalfinale hat nicht diesen Stellenwert. Nein, dieser Samstag entscheidet alles: Bei Sieg ist es eine Riesensaison. Wenn wir aber zum dritten Mal nur Zweiter würden, wäre es für uns eine enorme Enttäuschung.

Aber in der Form vom Pokalfinale. . .

HANKIEWICZ: . . . brauchen die Bayern gegen Chelsea gar nicht antreten. Klar liegt uns Fans das Spiel in Berlin noch im Magen. Wir wollten Dortmund Paroli bieten und waren enttäuscht, wie sang- und klanglos das Spiel verloren wurde.

Was muss besser werden, damit es gegen Chelsea klappt mit dem Finalsieg?

HANKIEWICZ: Wir erwarten, dass die Spieler das Negativerlebnis abschütteln - als Profis können die das - und an die Leistungen gegen Real Madrid und aus den anderen Champions-League-Spielen anknüpfen. Chelsea hat Defensivkünstler. Die werden sich hinten rein stellen. Die Bayern müssen ihre Offensivqualitäten zum Tragen bringen, zeigen, wer Chef im Ring ist.

Wäre Ihnen Barcelona als Gegner lieber gewesen als die "Defensivkünstler" von Chelsea?

HANKIEWICZ: Auf keinen Fall. Barca in Hochform ist immer noch die beste Mannschaft in Europa. Gegen Chelsea sind die Chancen schon größer.

Bayern hat Personalprobleme. Sind die gesperrten Alaba, Badstuber und Luiz Gustavo denn gleichwertig zu ersetzen?

HANKIEWICZ: Nein, im Normalfall nicht. Es wird schon ein kleines Problem. Aber in Berlin waren die drei mit die schlechtesten. Außerdem sind bei Chelsea sogar vier Spieler gesperrt, Terry und die komplette Abwehr. Die Sperren dürfen für Bayern nicht als Ausrede gelten.

Der Bayern-Fanclub Eyachtal 93 fährt heute mit einem ziemlich vollen Bus nach München. Werden Sie selbst heute Abend denn in der Arena sein?

HANKIEWICZ: Ja, ich kann schon seit Tagen an fast nichts anderes mehr denken. Ich habe das Finale ständig im Kopf. Erst hatte ich ja Pech und als FC-Bayern-Mitglied eine Absage bekommen. Laut Verein gab es ja eine Million Bestellungen und nur ein Kontingent von 17500 Karten. Aber dann haben wir für den Fanclub noch vier Karten gekriegt. Das war das Höchste, was es gab. Insgesamt werden jetzt neun Leute von uns mit regulären Karten in der Arena sein. 45 weitere sind beim Public Viewing im Olympiastadion, das mit 63 000 Leuten auch schon ausverkauft ist. Das ist bestimmt auch ein Riesenerlebnis.

Wird das Champions-League-Finale ihr größtes Live-Erlebnis werden?

HANKIEWICZ: Ich war schon 2001 beim gewonnenen Champions-League-Finale in Mailand dabei und 1990 beim WM-Finale Deutschland gegen Argentinien in Rom. Aber das Finale dahoam hat die gleiche Bedeutung für mich. Das ist sicher ein absoluter Höhepunkt.

Wie feiern Sie denn, wenn Bayern gewinnt?

HANKIEWICZ: Ein paar von uns bleiben übers Wochenende in München. Die meisten fahren am Samstagabend mit dem Bus heim und lassen dann am Sonntag gemeinsam auf dem Bittelbronner Dorffest die Sause starten.

Und wenns doch nur das Vize-Triple wird?

HANKIEWICZ: Dann ist alles Kokolores, und das Finale dahoam wird nicht mehr gewesen sein als eine schöne Randnotiz. Aber von der Brücke springen wir dann auch nicht. Es ist nur ein Fußballspiel.