Haigerloch In der Mensa kocht Ärger hoch

In der Mensa des Haigerlocher Schulzentrums wird in den nächsten Wochen  so mancher Teller leer bleiben. Wegen Krankheitsausfällen ist die Mensa nur eingeschränkt betriebsbereit.
In der Mensa des Haigerlocher Schulzentrums wird in den nächsten Wochen  so mancher Teller leer bleiben. Wegen Krankheitsausfällen ist die Mensa nur eingeschränkt betriebsbereit. © Foto: DPA
Haigerloch / Von Andrea Spatzal 07.12.2018

Die Mensa des Schulzentrums Haigerloch wird bis auf Weiteres wegen Personalnotstands nur noch eingeschränkt in Betrieb sein. Seit Donnerstag werden nur noch die Grundschüler und die angemeldeten Ganztagesschüler mit Essen versorgt. „Mehr ist derzeit nicht zu schaffen“, sagt Bürgermeister Dr. Heinrich Götz. Zwei Mitarbeiterinnen seien im Krankenstand, die drei verbliebenen arbeiteten an der Grenze des Machbaren. „Sie geben ihr Bestes“, betont Götz.

Die Stadt als Schulträgerin sei natürlich bemüht, den Persoanlengpass so schnell als möglich zu beseitigen. Ab Montag werde eine neue Kraft eingelernt. Außerdem werde eine Stelle für eine stellvertretende Mensaleitung ausgeschrieben. Mitarbeiter aus dem Ärmel schütteln könne die Stadt aber nicht. Insofern sei bis Weihnachten die Übergangslösung mit dem eingeschränkten Mensabetrieb getroffen worden.

Betroffen sind die Schüler des Gymnasiums und der Eyachtalschule. Die Versorgung der Grundschüler bleibt vollumfänglich gewährleistet. Nach einer Rückfrage beim Regierungspräsidium Tübingen besteht aber auch für alle angemeldeten Ganztagesschüler ein Anrecht auf ein Mensaessen. Dieser Verpflichtung wird ab dem kommenden Dienstag ebenfalls nachgekommen.

Die Schulleiter von Gymnasium und Eyachtalschule, Karin Kriesell und Bernd Heiner, informierten die Elternvertreter am Mittwoch über die Einschränkungen, gegenüber der HZ wollten sie sich jedoch nicht zu dem Thema äußern und verwiesen auf die Stadt als Schulträgerin.

Zu Wort meldete sich am Donnerstag aber der Elternbeirat. Den Mensabetrieb im Schulzentrum so weit zurückzufahren, dass nur noch die Grundschüler versorgt werden, sei die „nächste Blamage unserer Stadt“, ärgert sich Edelhard Becker, Vorsitzender des Elternbeirats des Gymnasiums. Es sei „unglaublich“, Personalnotstand als Grund für die Situation anzuführen. „Anstatt einfach ein paar Leute aus dem Rathaus für drei Stunden am Tag zur Mensa abzustellen – oder vom Bauhof oder vom Arbeitsamt oder vom Caterer –, lässt man lieber unsere Kinder hungern. Ein Trauerspiel, wie diese Stadt ihre Steuerzahler behandelt“, schreibt Becker in einer E-Mail.

Die Vorwürfe und auch die Vorschläge des verärgerten Elternvertreters winkt Götz allesamt ab. „Unverschämt“ seien seine Anmerkungen. „Herr Becker darf gern kommen, und in der Mensa aushelfen, dann kann er die Blamage von der Stadt abwenden und zeigen, wie sehr ihm die Mensa am Herzen liegt“, kontert der Bürgermeister. In vielen  Schulmensen engagierten sich Eltern bei der Essensausgabe.

Fakt sei, dass die Kondition der Mensamitarbeiterinnen erschöpft ist. Er als Dienstherr habe „die Reißleine ziehen müssen“. Die Lösung sei befristet, „bis alle wieder an Bord sind“. Über den Vorschlag, Mitarbeiter aus dem Rathaus oder dem Bauhof als Aushilfen in die Mensa zu schicken, muss Götz lachen. „Das geht doch nicht“, sagt er. Nicht nur, weil im Rathaus ohnehin schon lange in der Unterzahl gearbeitet werde, sondern weil es für jede Tätigkeit in einer Schulmensa natürlich auch eine Einarbeitung und eine Hygieneschulung braucht. Für ebenso ausgeschlossen hält es Götz, einen Caterer zu finden, der kurzfristig Aushilfskräfte bereitstellt. Und der Arbeitsmarkt, der sei ebenfalls „schwierig“. Nicht wenige Bewerber für Putzstellen und  Mensabetrieb im Schulzentrum seien entweder gar nicht erschienen oder hätten angesichts der hohen Arbeitsbelastung wieder abgesagt.

Für sehr wichtig hält es Bürgermeister Götz, die Auslastung der Schulmensa besser in den Griff zu bekommen. Derzeit seien Montag mit 120 Essen und Mittwoch mit 158 eher schwache, Dienstag mit 290 Essen und Donnerstag mit 264 „brutale“ Tage. Durch Stundenplanänderungen könnte man dieses Ungleichgewicht besser austarieren, ist Götz überzeugt. Allerdings werde nichts die baulichen Mängeln der Mensa ausbügeln können, die als Mischung aus Selbstkoch- und Ausgabemensa konzipiert wurde. Die Arbeitsabläufe stimmten nicht, der Lärmpegel sei enorm hoch, obwohl er durch Schalldämmung bereits um zwölf Dezibel gesenkt werden konnte. Die Sitzplätze seien von 85 auf 115 erhöht worden, was eine Enge erzeuge. Kurzum: „ein Traum“ für den Bürgermeister wäre eine ganz neue Mensa nach neuen Standards mit Bibliothek und angeschlossenen Ganztagesräumen. Götz: „Dann würde es auch wieder mehr Freude machen, dort zu arbeiten.“

In Zahlen durch die Mensawoche

Die Belegung der Mensa im Einzelnen: Montags werden in der Regel 120 Essen ausgegeben (28 Witthauschule, 52 Eyachtalschule, 40 Gymnasium). Dienstags sind es 290 Essen (106, 74, 110), mittwochs 158 (31, 80, 27) und donnerstags 264 Essen (101, 83, 80).

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