Stetten Im Bergwerkstollen stimmt die Chemie

Stetten / SWP 24.12.2018
Das Konzertprojekt „Treffpunkt Bergwerk“ mit zwei Unter-Tage-Konzerten des Musikvereins Stetten war ein voller Erfolg.

Die Chemie stimmte. Das gilt nicht nur für die Wacker-Chemie, die als Betreiber und Inhaber des Stettener Salzbergwerks der größte Arbeitgeber der Haigerlocher Teilgemeinde ist, sondern ganz besonders für die „Kumpels“ – wie die Bergmänner im Ruhrgebiet genannt werden. Für sie und deren Gemeinschaft, wozu eben auch der Musikverein zählt, dessen Mitglieder wie stets in Bergmannsuniform auftraten.

Der hatte sich für die Neuauflage des erfolgreichen Unter-Tage-Konzerts von vor drei Jahren entschieden und dazu das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg mit ins Boot geholt. Als „Hausherr“ begrüßte Bergwerksdirektor Ronald Eulenberger die Konzertgäste im Barbarastollen.

Als Erfolgsmodell kann das Konzert im Salzbergwerk ohnehin angesehen werden. Für das leibliche Wohl war wieder bestens gesorgt und mit dem Shuttle-Service, der die Konzertbesucher in die Tiefen des Bergwerks und wieder hinaus transportierte, lief auch hier alles reibungslos.

Schließlich stimmte die Chemie auch bei den Konzertbesuchern, die dort unter Tage ein unvergessliches Musikerlebnis hatten. Was sich musikalisch da unten abspielte, war so was wie das Sahnestück der Blasmusik.

Das gilt ganz sicher für das Profiorchester der Landespolizei, die ihrem Ruf, zu den besten Blasmusikkapellen Europas zu zählen, auch hier gerecht wurden.

Doch die Stettener Musiker zeigten sich nicht nur in bester Spiellaune, sondern in mancher Hinsicht angenehm aufgefrischt und vor allem fähig genug, einem solchen Giganten wie dem Polizeiorchester fast in Augenhöhe zu begegnen.

Jedenfalls warteten sie mit so manchen Anspruchsstücken auf, bei denen immer wieder verschiedene Register, Solisten und Soloinstrumente zur Geltung kamen. Namentlich genannt seien hier der singende Dirigent Gerhard Nesselhauf sowie das aus Lisa und Patricia Nell bestehende Geschwisterpaar. Alle drei, Solo, im Duett- oder auch Terzett-Gesang, vermochten das Publikum in der ausverkauften Veranstaltung schnell auf ihre Seite zu ziehen. Dabei hatte auch die gespielte Literatur Ansprüche gestellt, die gut gemeistert wurden.

Die probate Moderation von Walter Mohl tat ihr Übriges für das Gelingen der Veranstaltung, in der er auswendig und sehr unterhaltsam durch das Programm führte.

Doch auch die aufwendige Ton- und Lichttechnik stimmte, die eine ganz besondere Stimmung erzeugte.

Hauptakt aber war das Polizeiorchester unter der Leitung des an der Trossinger Musikhochschule als Honorarprofessors tätigen Stefan Halder. Das Profiorchester wucherte nur so mit Vorzeigestücken, die in eben der gleichen Manier auf der Bühne live in Szene gesetzt wurden. Genannt sei hier nur das Werk „Die Echaz“ von den heimischen Komponisten Nikodemus Gollnau und Johannes Mittl. Ein Reifewerk, das ungemein abwechslungsreich den unterhalb der Burg Lichtenstein entstehenden Bach und seinen Lauf über Reutlingen bis hin zur Mündung in den Neckar bei Kirchentellinsfurt musikalisch beschreibt. Das sehr anspruchsvolle Werk ist so konzipiert, dass die verschiedenen Register sowie einige Solostimmen immer wieder Präsenz zeigen. Die pure Klanggewalt, doch geht es hier auch fein ausdifferenziert und nuanciert.

„Glück auf“, hieß es dann auch am Ende: Da fusionierten die beiden Blasmusikkapellen zum großen vereinten Orchesterkörper, der dann schließlich auch das anscheinend allen im Publikum bekannte Bergmannslied „Glück auf“ anstimmte. Jedenfalls stimmten die meisten der stehend das Lied singenden Konzertgäste zumindest in den ersten Reihen auswendig an. Bravo, oder noch besser: Bravissimo Musikverein Stetten 1958 e.V.!

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel