Gründungsinitiative Idee der Freien Schule Zollernalb ist weit gediehen

Miriam Baermann und Sonja Nerz (von links) wollen eine Alternativschule etablieren.
Miriam Baermann und Sonja Nerz (von links) wollen eine Alternativschule etablieren. © Foto: privat
Bittelbronn / Andrea Spatzal 14.10.2017

Leben und selbstbestimmt lernen an einer freien Alternativschule? Eine Idee, die in der Provinz oftmals nur Stirnrunzeln auslöst und sich nicht so leicht vermitteln lässt. Sonja Nerz und Miriam Baermann wollen es aber versuchen. Sie glauben an die „Freie Schule“, sind überzeugt, dass dieses weltweit seit 40 Jahren praktizierte und erprobte Schulkonzept auch in den Zollernalbkreis gut passen würde. Am Donnerstagabend waren Nerz und Baermann mit ihrer Informationsveranstaltung im Bittelbronner Bürgerhaus. Die Resonanz war gut. Fast 30 Interessierte kamen. Das Publikum war querbeet gemischt. Eltern, Bekannte, Stadträte und auch Bürgermister Dr. Heinrich Götz waren gekommen. „Wir waren von der Resonanz positiv überrascht“, freut sich Miriam Baermann. Man musste sogar Tische und Stühle anbauen.

Im Mai haben Mirjam Baermann (29) aus Meßstetten und Sonja Nerz (35) aus Burladingen, beide studierte Betriebswirtinnen und junge Mütter, den Verein „Freie Schule Zollernalb“ gegründet. Sie verfolgen die Idee einer Schule, die Kindern eine andere Form des Lernens ermöglicht, als sie das staatliche Schulsystem vorsieht. „Das Interesse ist definitiv da“, sind sich die beiden Gründerinnen sicher. Die staatlichen Schulen schlecht machen wollen wir aber nicht“, betont Baermann, „wir wollen eine Alternative bieten“.

Der Standort für eine Freie Schule sei noch offen. Allerdings seien schon Gespräche mit Vertretern der Städte Haigerloch und Albstadt geführt worden. Damit hat Haigerloch bereits einen besonderen Stellenwert für die Initiative: In Stetten steht ein ganzes Schulgebäude leer.

Das Schulgebäude in Stetten haben die beiden Frauen bereits besichtigen können und auch schon erste Gespräche mit Bürgermeister Götz geführt. Er stehe der Idee offen gegenüber, sie könnte eine „Bereicherung für die Stadt“ darstellen. Die Entscheidung über die künftige Nutzung der Stettener Schule liege allerdings allein beim Gemeinderat.

Ein positives Signal von dieser Seite gab es bereits bei dem Infoabend in Bittelbronn von FW-Stadtrat Matthias Deppert. Er stellte fest, dass eine Freie Schule im Landkreis „die Bildungslandschaft bunter machen“ würde. „Aber es muss auch rechnerisch passen“, ergänzte er.

Wie bei früheren Informationsveranstaltungen in Balingen und Meßstetten reagierten die  Teilnehmer auch am Donnerstag in Bittelbronn sehr interessiert, aber auch mit kritischen Fragen auf das Konzept der freien demokratischen Schule. „Es gibt verständliche Sorgen und Ängste“, weiß Baermann. Das Prinzip der Freien Schule basiert auf selbstbestimmtem, ja freiwilligem Lernen. Was ist mit dem Schulabschluss, den man doch braucht?, fragen viele Eltern. In solchen Fällen verweisen Baermann und Nerz auf die 40-jährige Praxiserfahrung der Freien Schulen. „Wir müssen keine Pionierarbeit leisten“, sagen die Initiatorinnen, die sich in Freien Schulen in Freiburg und Brigach, Stuttgart und Tübingen selbst ein Bild gemacht haben. „Und das macht einen sehr gute Eindruck“, sagen sie. Die Schüler hätten ein „Ziel vor Augen“, wüssten früh, „wohin der Weg geht“ und zeigten eine „enorme Bereitschaft und Motivation, das Nötige dafür zu tun und zu lernen“.

Die Gründungsinitiative „Freie Schule Zollernalb“ ist auch schon ganz schön weit gediehen. Mittlerweile haben Sonja Nerz und Miriam Baermann ein genehmigungsfähiges Konzept erarbeitet und sind mit dem Regierungspräsidium Tübingen in Kontakt getreten. Schulstart soll im September 2019 sein.

Info Weitere Informationsveranstaltungen finden am 16. Oktober in Albstadt und am 26. Oktober im VHS-Gebäude in Hechingen statt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Infos zur Schule und zu den Veranstaltungen gibt es unter freie-schule-zollernalb.de.