Windkraft Windkraft: Hohe Renditen für Waldbesitzer?

Am Thema Windkraft scheiden sich die Geister, vor allem wenn man die Räder vor der Tür hat, wie hier in einer Fotomontage der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern für die Gemeinde Rangendingen.
Am Thema Windkraft scheiden sich die Geister, vor allem wenn man die Räder vor der Tür hat, wie hier in einer Fotomontage der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern für die Gemeinde Rangendingen. © Foto: Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern
Haigerloch/Rangendingen/Grosselfingen / Andrea Spatzal 26.04.2017

Will ein Münchner Windindustrie-Großinvestor Grosselfinger und Rangendinger Bürger mit ,windigen’ Verträgen ködern?“, fragen sich die Mitglieder der Bürgerinitaitive Gegenwind Hohenzollern, nachdem sie erfahren haben, dass das Erneuerbare-Energien-Unternehmen  Green City Energy AG mit Sitz in München offenbar bereits Vorverträge an Waldeigentümer im Distrikt „Hohwacht“ verschickt hat. Ob die Münchner Investoren als Nachfolger oder Mitbewerber der EnBW ins Spiel gekommen sind, steht noch nicht fest. Wer sie ins Spiel gebracht hat, auch nicht.

Das Unternehmen wurde von unserer Zeitung um eine Stellungnahme gebeten, unter anderem zu der Frage, wie es an die Namen und Adressen der Waldbesitzer gekommen ist. Bislang ist noch keine Antwort eingegangen.

Dass die Formulare für einen sogenannten „Poolvertrag“ verschickt wurden, ist  belegt. Der HZ liegt eine Kopie des 23-seitigen Vertragswerkes vor. Der Nutzungsvertrag bezieht sich auf die „Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen (WEA)“. Den Waldbesitzern werden durchaus attraktive Renditen in Aussicht gestellt: 20- bis 30-prozentige Anteile aus dem Nutzungsentgelt von jährlich 25 000 bis 35 000 Euro pro WEA sowie eine Beteiligung an  dem jährlichen Nettoeinspeiseerlös des Windparks.

Das Vorpreschen der Green City Energy AG sieht die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Hohenzollern höchst kritisch. Es sollen offenbar „möglichst schnell Fakten in den Wäldern geschaffen werden“, vermuten die Sprecher der Initiative. Für sie ein klares Anzeichen dafür, dass die Windkraft-Planungen im Bereich Haigerloch-Rangendingen-Grosselfingen „ganz entgegen der öffentlichen Beteuerungen der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden weiter fortgeschritten sind, als gedacht“.

Den Vertragsentwurf haben die BI-Mitglieder genau unter die Lupe genommen. Der Entwurf sei sehr detailliert ausformuliert und gebe der AG „jegliche Handlungsvollmacht“, jedoch „ohne erkennbare Sicherheit für die Eigentümer“. Die Green City Energy AG könne selbst bauen, „aber auch jederzeit weiterverkaufen“. Aus den Regelungen zur Übertragbarkeit und Rechtsnachfolger gehe hervor, dass das Unternehmen die Windindustrieanlage auch nicht selbst betreiben oder führen werde. Als unzureichend wertet die Bürgerinitiative auch die Angaben über die Nutzungsentgelte. Aus dem Vertragsentwurf gehe nicht hervor, was der einzelne Grundstückseigentümer an Einnahmen zu erwarten hat. Sehr viel konkreter geregelt seien die Grunddienstbarkeiten, mit denen sich die AG absichere, während das Eigentum des Waldbesitzers und seine Verfügbarkeit vollständig eingeschränkt werde. Auch sei in dem Poolvertrag zwar eine Art „Rückbau“ der Windenergieanlagen geregelt. Aber die Bürgerinitiative würde gern auch wissen: „Was geschähe, wenn die Firma in Insolvenz geriete?“ Außerdem beziehe sich die Rückbau-Klausel nicht auf „Tiefgründungen“. „Die Kosten für den Rückbau des Fundaments müssen die Eigentümer womöglich selbst tragen“, warnen die BI-Sprecher. Ein Betrag, der „leicht im sechsstelligen Bereich“ liegen könne.

Zentral ist für die Mitglieder der Bürgerinitiative die Frage, wie die Green City Energy AG an die Daten der Grundstückseigentümer gekommen ist. Ausdrücklich rät die BI den betroffenen Privatwaldeigentümer davon ab, auf die Angebote des Unternehmens einzugehen: „Es droht die Gefahr einer Industrie- und Investitionsruine im eigenen Waldstück, während die Investoren weiterziehen. Nachhaltigkeit sieht anders aus.“

Recherchen der Bürgerinitiative Gegenwind über das Münchner Unternehmen hätten ergeben, dass die Green City Energy AG nach Gründung 2005 aus dem Verein Green City „sehr aktiv im Einsammeln von Kapital“ (Einlagen und Aktien) sei sowie auch „bei der rechtlichen Bindung möglicher Windkraft-Standorteund bereits vor der konkreten Planung“. Im Finanzcheck werde das Unternehmen, etwa von der Verbraucherzentrale Hamburg, auch eher kritisch beurteilt. Unter anderem haben die BI-Mitglieder den Eindruck gewonnen, „dass die Green City Energy AG nach Fixierung der Windindustriestandorte, gegebenenfalls auch der Planung oder dem Bau, die Objekte schnell weiter veräußert“. Es zähle scheinbar „der schnelle Profit“, Natur- oder Klimaschutz erscheine dagegen „völlig irrelevant“.

Die Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern bringt ihre Wut, ihre Skepsis und ihren Protest gegen die  Begehrlichkeiten der Investoren auf den Nenner: „Rubel statt Rotmilan. Zaster statt Nachhaltigkeit.“

Nächster Infoabend am 4. Mai in Rangendingen

Die Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern hat ihre nächste Infoveranstaltung am Donnerstag, 4. Mai, um 19 Uhr im Sportheim Rangendingen. Wie immer sind dazu alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen.

Themen in diesem Artikel