Hart Haigerlocher Steinkauz-Projekt geht weiter

Hart / SWP 16.02.2018
Eine schnelle Eingreiftruppe des Nabu Haigerloch installiert in Hart und bald auch in Trillfingen Steinkauz-Röhren.

In Hart sind Steinkauz-Rufe zu hören. Sogar mitten im Ort wurde dieses Phänomen schon registriert. „Es ist an der Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen“, sagte sich Siegfried „Sigge“ Fechter und erklärt:

Schon vor einigen Jahren sei nachweislich ein Steinkauz über mehrere Wochen in Hart gewesen. Man habe ihn tagsüber in der Giebelöffnung einer Scheune in der Bahnhofstraße beobachten können. Auch danach hätten  Harter Dorfbewohner immer wieder vereinzelt Steinkauz-Rufe gehört.

Auch er selbst, berichtet Fechter weiter, habe im vergangenen März ein kurzes aber deutliches „Guhhk“, also den Balzruf des Steinkauzes, im Bereich der Bachgasse vernommen und an einer Scheune auf den nahen Obstwiesen einige Gewölle entdeckt. „Bereits beim nächsten Mitarbeitertreffen der Nabu-Gruppe Haigerloch haben wir recht spontan beschlossen, dem stark gefähr­deten und auf der Roten Liste stehenden kleinen Kauz bei der erfolgreichen Rückkehr in seine angestammten Lebensräume in den letzten verbliebenen Streuobstwiesen um Hart ein wenig auf die Sprünge zu helfen“, schildert Sigge Fechter den Start des Steinkauz-Projektes.

Es sein eine „schnelle Eingreiftruppe“ mit Ernst Lohmüller, Harry Müller, Hans Hermann und Siegfried Fechter gebildet worden, die sich in Hart auf „Stimmen­fang“ gemacht habe. Unterstützt wurden die „Feldforscher“ im Landratsamt vom Nabu-Vorsitzenden Herbert Fuchs. Anfangs habe es ein paar „Verhörer“ gegeben, räumt Siegfried Fechter ein. Man habe Stimmen von Waldkauz und Uhu, den größeren Verwandten des Steinkauzes, aus den umliegenden Wäldern vernommen. „Aber am Abend des 5. April hatten wir im Bereich Winterhalde Revier- und Balzrufen der kleinen Eule und damit den ersten Hinweis auf die mögliche Brut eines Steinkauzes seit einigen Jahrzehnten im Zollernalbkreis“, berichtet Fechter mit Begeisterung.

Inzwischen hat Nabu-Vorsitzender Herbert Fuchs beim Landratsamt Gelder zur Unterstützung des Steinkauz-Projektes beantragt und auch schnell zugesagt bekommen. Mit dem Geld wurden die ersten zwei „Holländer“-Nisthilfen erworben. Zu diesem Zeitpunkt habe Nabu-Mitglied Harry Müller bereits am Prototyp einer eigenen Steinkauz-Röhre getüftelt, deren Präsentation in den Reihen des Nabu Begeisterung hervorgerufen habe.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Steinkauz-Taskforce war es, geeignete Plätze zum Aufhängen der Niströhren zu finden, und vor allem von den Besitzern der Obstwiesen die Genehmigung zum Anbringen derselben einzuholen. Nach Absprache mit Ortsvorsteher Dr. Thomas Bieger konnten auf seiner und gemeindeeigenen Obstwiesen sofort die ersten Nisthilfen angebracht werden.

Ein guter Start für ein gutes Projekt, das sich weiter positiv entwickelte: Bei allen Anfragen an mehr als ein halbes Dutzend Grundstückseigen­tümer in Hart habe es durchweg ein posi­tives Echo gegeben, freut sich Fechter. Am Ende seien mehr als 17 Plätze gefunden worden. „Das motiviert natürlich sehr und ich möchte mich bei der Gemeinde und allen Grund­stücks­eigen­tümern für die Offenheit unserem Anliegen gegenüber recht herzlich bedanken“, schreibt Siegfried Fechter im aktuellen Nabu-Rundbrief.

Harry Müller machte sich an die Arbeit und baute in relativ kurzer und arbeitsintensiver Zeit mehr als 15 Steinkauz-Röhren, die sobald sie fertig waren an geeigneten Bäumen angebracht wurden. Stand heute sind in Obstbäumen rund um Hart 18 marder­sichere Steinkauz-Brutröhren installiert – und warten in guter Hoffnung auf ihre Untermieter.

„Bei der ersten Kontrolle Ende August konnten wir noch keine Kauz-Spuren fest­stellen, aber was nicht ist, kann ja noch werden“, stellt Fechter fest. Optimistisch stimme der Erfolg des Steinkauz-Projektes 21 des Nabu Mötzingen-Gäufelden: Dort seien 2014 die ersten Röhren installiert worden und 2016, also zwei Jahre später, habe man die erste Steinkauz-Brut feststellen können.

Siegfried Fechter: „Wir werden auf jeden Fall dran bleiben, Augen und Ohren offen halten, regelmäßige Kontrollen durchführen und unsere Fühler auch in angrenzende Gemeinden ausstrecken, um dem kleinen ,Kobold’ eine neue Zukunft in seiner alten Heimat, unserer einmaligen, aber strapazierten Kulturlandschaft anbieten zu können.“ Für dieses Jahr ist  die Fortsetzung des Haigerlocher Steinkauz-Projektes geplant: Es sollen weitere Nisthilfen in den Streuobst­beständen rings um Hart, aber auch in Trillfingen angebracht werden.

Sichere Niströhren in alten Obstbäumen

Ein großes Problem für den Steinkauz ist der Verlust von geeigneten Lebens- und Brutgebieten durch Neubaugebiete generell. Speziell fehlt es dieser bedrohten kleinen Eulenart an Brutmöglichkeiten. Steinkauze brüten hauptsächlich in Höhlen in alten Obstbäumen, aber auch in Verstecken in offenen, alten Schuppen und Scheunen an Ortsrändern. Zur Dezimierung des Steinkauzes tragen auch die Verluste während der Brutzeit durch Hauskatzen und Marder bei. Genau hier setzt das Steinkauz-Projekt in Haigerloch an: In den noch vorhandenen, geeig­neten Baumwiesen werden katzen- und mardersichere Niströhren angebracht.

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