Zwischen Sorge und Hoffnung: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haigerloch im Alter zwischen 16 und 18 Jahren haben sehr dezidierte Meinungen zum Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA. Das fanden Jessica Strain, eine Mitarbeiterin des deutsch-amerikanischen Instituts in Tübingen (d.a.i.), und Lehrerin Stephanie König-Lohr, der Beauftragten für die Berufsorientierung am Gymnasium Haigerloch, im Rahmen eines Unterrichtsprojekts in den Kursstufen 1 und 2 heraus.
Hier eine Auswahl der Aussagen: „Entgegen der Meinung, welche in Deutschland primär propagiert wird, wäre mir ein Sieg Donald Trumps wesentlich sympathischer. Nicht unbedingt die Person Trumps steht für mich hierbei im Vordergrund, eher die Ablehnung Bidens, hervorgehend aus dessen Vize-Präsidentschaft. (2009-2017)“, sagt Leon aus Kursstufe 2.
Elena, ebenfalls aus Kursstufe 2, macht „Trumps öffentliche Anfechtung der Wahl Sorgen, weil diese die Spaltung der Bevölkerung verschärft und gewalttätige Auseinandersetzungen provoziert“. Die ist der Meinung, dass „der Präsident eines demokratischen Staates sich um die gesamte Bevölkerung kümmern sollte, anstatt sie aufzustacheln.“
Für beide Kandidaten nicht viel übrig hat Eva. Für sie wäre Biden aber das geringere Übel. „Meine Hoffnung wäre, dass mit Bidens Wahl bessere Strategien im Umgang mit Problemen wie Erderwärmung oder Sars-CoV-2 umgesetzt werden könnten.“
„Warum wählt man einen Sexisten, Rassisten, Lügner und jetzt wohl auch noch Demokratiefeind zum Präsidenten?“, fragt Celine provokant. Ihrer Meinung nach neigen wir hierzulande leichtfertig dazu, „Trump zur Witzfigur zu machen“, denken: „wer ihn wählt, müsse dumm sein“. Die Schülerin denkt nicht, dass es „so einfach“ ist. Sie denkt, dass sich Soziologen dringend eingehender mit den Trump-Wählern beschäftigen sollten, „denn sie sind die Hälfte der USA“.
Maya macht es kurz: „Trump als Präsident der Vereinigten Staaten war eine äußerst spezielle Erfahrung, die ich mir nicht noch eine zweite Amtszeit mit ansehen möchte.“
Auch Widad macht kurzen Prozess mit dem Amtsinhaber: „Jeder ist besser als Trump!“ Seine Politik und Handlungen hätten der Welt „mehr Leid als Glück gebracht“. Es werfe kein gutes Licht auf die Intelligenz des amerikanischen Volkes, dass so viele wieder Donald Trump ihre Stimme gegeben haben.
Als „sehr chaotisch“ erlebt Leob (KS 2b) die US-Wahl. Er befürchtet „große Ausschreitungen“ nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses, und zwar „egal welchen Ausgang die Wahl nimmt“. Eine zweite Präsidentschaft Trumps wäre seiner Meinung nach „nicht gut für die USA und den Rest der Welt“.
„Großes Vertrauen“ setzt Iman (KS 2) in die Vernunft und das Realitätsbewusstsein der Amerikaner. Sie hört auf ihr „Bauchgefühl“, wonach es Donald Trump „kein zweites Mal schaffen“ wird, ins Weiße Haus einzuziehen.
Die letzten vier Jahre hätten immer wieder gezeigt, „wie gefährlich dieser Mann ist und wie wenig er vor einem Kriegsausbruch zurückschreckt.“ „Dass dieser Mann Zugriff zu Atombomben hat, beunruhigt mich sehr“.
Auch Julia (KS 2) hofft, dass Joe Biden gewinnt. Die Meinungen und Strategien des Amtsinhabers seien „nicht vertretbar“. Der Präsident einer Weltmacht wie die USA müsse „gegen offensichtliche Probleme – wie die Pandemie – ankämpfen, anstatt diese zu ignorieren“.
Desiree hat das US-Wahl-Hickhack der letzten Tage sehr genau verfolgt und ist in großer Sorge: „Betrachtet man den  überdurchschnittlich hohen Waffenverkauf der letzten Monate, ist der Gedanke an einen Bürgerkrieg nicht mehr weit hergeholt.“ Mit Joe Biden als 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika besteht für die Schülerin „die Chance, dass die Spaltung der Gesellschaft in den USA nicht weiter vorangetrieben, sondern überwunden wird.“ Außerdem könne sich das Land dann wieder stärker „dem Multilateralismus und dem Klimaschutz zuwenden“.