Historische Stunde am Donnerstagabend in der Pizzeria Calimero in Haigerloch: Mit 17 Kandidaten wurde die erste Kernstadtliste aufgestellt. 14 Männer und drei Frauen werden sich am 26. Mai um ein Mandat im ersten Haigerlocher Ortschaftsrat bewerben.

Auf der Liste stehen zuvorderst die Initiatoren und amtierenden Stadträte Nadine Reiband (SÖL) und Michael Ashcroft (CDU).

Die weiteren Kandidaten sind in alphabetischer Reihenfolge: Hasan Brahimi, Martin Burkhart, Natascha Clemente, Rainer Dinkelacker, Maximilian Elser jun., Siegbert Erat, Frank Graf, Michael Haid, Timo Haser, Kai-Uwe Kästle, Jürgen Klingler, Sven Obenhaus, Manfred Pfeffer, Brigitte Reiband und Martin Sprissler. Der jüngste Kandidat ist mit 25 Jahren Martin Burkhardt. Viele der anderen Bewerber sind zwischen 35 und 45 Jahre alt. Mit Robert Bürkle und Roland Belser waren auch zwei interessierte Zuhörer anwesend

Die Versammlung unter Versammlungsleiter Maik Haslinger entschied per Abstimmung, dass die Kandidaten auf dem Wahlvorschlag in alphabetischer Reihenfolge genannt werden sollen. Maik Haslinger, CDU-Stadtrat und Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Haigerloch, ist selbst ein glühender Verfechter des Kernstadt-Ortschaftsrates. Dass er nicht auf der Kandidatenliste steht, hat einen einfachen Grund: Haslinger ist vor kurzem in seinen Heimatort Gruol zurückgezogen. Für den Gemeinderat werde er aber wieder kandidieren. Ebenso per Abstimmung einigte man sich auf den Namen „Haigerlocher Kernstadtliste“.

Ashcroft nannte die Nominierungsversammlung einen „historischen Moment“, der Kernstadt-Ortschaftsrat sei für Haigerloch eine „Revolution und Evolution zugleich“. Drei Jahre habe man auf diesen Tag hingearbeitet. „Es war ein langer und steiniger Weg“, bestätigte Nadine Reiband, „aber es ist ein guter Weg für die Kernstadt“. Die SÖL-Stadträtin bedauerte, dass es nicht gelungen ist, mehr Frauen für die Sache zu gewinnen. Aber, so Reiband, es seien noch Nachnominierungen möglich.

Abgabefrist für Ortschaftsratslisten ist am 28. März. Elf Räte sind zu wählen. Nach dem neuen Kommunalwahlrecht kann maximal die doppelte Kandidatenzahl auf eine Liste. Sollten sich jetzt wider Erwarten noch sehr viele Nachzügler melden, könnte auch noch eine zweite Liste eröffnet werden.

Neben Reiband, Ashcroft und Haslinger kündigte auch Martin Sprissler eine Doppelkandidatur für Ortschafts- und Gemeinderat an, jedoch nicht für eine der drei etablierten Fraktionen CDU. Freie Wähler und SÖL, sondern mit einer „eigenen Gemeinschaft“. Das ist möglich, Voraussetzung ist lediglich die Unterschriften von 50 Unterstützern.

Martin Sprissler, Vorsitzender des Vereins Haigerloch Aktiv, gab einen Fragebogen in die Runde. Die Kandidaten sollen beschreiben, „was sich ab jetzt hauptsächlich ändern soll“, was ihre Meinung nach „entscheidend für den Erfolg des Ortschaftsrates und des Ortsvorstehers ist“, wie sie die Rolle des Ortsvorstehers gegenüber der Stadtverwaltung sehen und wo ihre Interessen und Stärken liegen. Die Umfrage soll noch vor dem 28. März ausgewertet und diskutiert werden. Sprissler ist der Ansicht, dass der Kernstadt-Rat ein gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung aufbauen sollte. „Man muss miteinander auf Augenhöhe leben und reden können“, so Sprissler. „Der gute Ton muss da rein, damit die Querschlägereien aufhören, die nur Kraft kosten und lähmen.“

Michael Ashcroft freute sich vor allem auf ein Gremium mit „mehr Kreativität, mehr Engagement, mehr Sachversand“ als im bisherigen, nur fünf Mitglieder großen Haigerlocher Ausschuss. Wichtig sei ihm auch die klare Trennung von der Stadtverwaltung (dem Ausschuss stand bislang der Bürgermeister vor) „Wir wollen was bewegen“, betonte er. Viele Jugendliche würden die Stadt nach der Schule oder Ausbildung verlassen und klaffende Lücken hinterlassen. Haigerloch müsse „nach außen und für die eigenen Bürger attraktiver werden“, bekräftigte Sprissler.

Manfred Pfeffer, seit 2005 Lehrer am Haigerlocher Gymnasium und aufmerksamer Zuhörer in fast allen Gemeinderatssitzungen, sah den neuen Haigerlocher Ortschaftsrat „als Übergangsgremium, bis die unechte Teilortswahl und schließlich auch die Ortschaftsräte abgeschafft sind“.

Bürgermeister Dr. Heinrich Götz befürwortet die Abschaffung der Unechten Teilortswahl und die Verkleinerung des Gemeinderates. Götz hatte auch gegen die Einrichtung des Haigerlocher Ortschaftsrates und die entsprechende Änderung der Hauptsatzung gestimmt.

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