Intensiv beschäftigte sich der Ortschaftsrat Weildorf am Montagabend mit der Sanierung und der Erweiterung des denkmalgeschützten Bürgerhauses „Hagastall“. Der Gemeinderat soll am Dienstag, 8. Juni, den Baubeschluss für das 900 000 Euro teure Projekt fassen.
Die Sitzung fand an Ort und Stelle statt. Bürgermeister Heinrich Götz, Architekt Wolfram Golias und Bautechniker Bernd Wannenmacher standen dem Ortschaftsrat Rede und Antwort.
Golias erläuterte die in .zwei Bauabschnitte gegliederte Planung. Zum einen muss das bestehende denkmalgeschützte Fachwerkgebäude saniert werden. Dann soll in nordwestlicher Richtung ein Anbau erstellt werden.
Im Altbau muss die Fachwerkkonstruktion freigelegt, morsche und durch Insektenfraß beschädigte Balken durch neue ersetzt und die freigelegten Fächer wieder ausgemauert und gestrichen werden. Neue, dreifach verglaste Fenster werden eingesetzt. Außen werden am Natursteinsockel die Fugen geschlossen. Die Elektroheizung wird durch eine Fußbodenheizung ersetzt. Ein  neuer Estrich und ein neuer Fußboden werden verlegt. Auch die  Beleuchtung wird erneuert.
Nicht realisiert wird er Austausch von drei hölzernen Innenstützen gegen filigrane Stahlstützen. Das hatte der Ortschaftsrat vorgeschlagen. Denn viele Weildorfer und auch Gäste kritisieren, dass die wuchtigen Holzstützen auf Steinsockeln bei Veranstaltungsraum für beträchtliche Sichtbehinderungen sorgen.
Aber das Landesamt für Denkmalpflege erteilte diesem Wunsch eine deutliche Absage. Die tragenden Innenstützen unter dem First seien der Konstruktions- und Nutzungsweise des ehemaligen Farrenstalls geschuldet, argumentieren die Denkmalschützer. Diese Stützen zu entfernen, würde „dem Denkmalgedanken diametral widersprechen“.
Die innen liegende Treppe ins Obergeschoss soll bleiben, wie sie ist. Dort, wo sich jetzt das Damen-WC befindet, wird ein Durchgang in den neuen Anbau geschaffen. Ein Damen-WC und ein neues Behinderten-WC sind im Anbau eingeplant. Außerdem werden in dem zweckmäßigen Flachdachgebäude Technik- und Lagerräume untergebracht.
Nach den Ausführungen des Architekten kam es zu einer Diskussion, in der sich auch Zuhörer zu Wort melden konnten. Eine Anwohnerin bemängelte, dass keine Innendämmung vorgesehen ist, um die Nachbarschaft vor Lärmimmissionen besser zu schützen. Ihr wurde erläutert, dass dieser Eingriff ebenfalls vom Denkmalamt abgelehnt wird. Das innen liegende Fachwerk müsse sichtbar bleiben. Auch die Dämmung hinter einem Fachwerkimitat zu verstecken, sei nicht erlaubt. Der Ortschaftsrat will aber mit dem zuständigen Bauphysiker und dem Denkmalamt nochmal nach Möglichkeiten für eine denkmalschutzkonforme Schalldämmung suchen.
Auch im nächsten Vorschlag ging es um Lärm, verursacht von an- und abfahrenden Fahrzeugen. Dieses Problem könnte gelöst werden, so der Anlieger, indem man den den Parkplatz von der Empfinger Straße „weiter nach hinten auf die grüne Wiese“ verlegen würde.
Am Ende der Diskussion stellte Bürgermeister Heinrich Götz fest, dass die grundlegenden Sanierung des Weildorfer Bürgerhauses „Hagastall“ eine „deutliche Verbesserung des jetzigen Zustands“ bedeutet, insbesondere auch durch den dringend benötigten Zweckanbau, in dem zwei Toiletten und ein Tisch- und Stuhllager mit untergebracht werden können.
Der Ortschaftsrat stimmte einstimmig den vorgelegten Plänen zu.

900


-tausend  Euro betragen die Kosten für die Sanierung und Erweiterung des Weildorfer Bürgerhauses. Aus dem Ausgleichstock erwartet die Stadt einen Zuschuss von 300 000 Euro.