Das Abitur bedeutet für die allermeisten Abiturientinnen und Abiturienten schon Stress genug. Dieses Jahr kommen durch die Corona-Pandemie noch ein paar Herausforderungen dazu.
In Haigerloch stecken 37 Schülerinnen und Schüler seit Dienstag in den Abiprüfungen 2021. Es ist ein „Extraklasse-Jahrgang“ in doppeltem Sinne. Nicht nur, dass die Abiturienten mitten im verschärften Bundeslockdown die Nerven behalten müssen. Das 2021er-Abi ist auch das erste, das nach dem neuen Konzept der gymnasialen Oberstufe geschrieben wird. Die Reform ist eine Rückkehr zum Prinzip der Leistungskurse. Sprich: In drei gewählten Leistungsfächern werden Klausuren geschrieben. Der Unterschied: Die Grundlagenfächer Deutsch und Mathe müssen jetzt nicht mehr zwingend dabei sein, sondern man kann mit einem der beiden auch in die mündliche Prüfung gehen.
So traten in Haigerloch am ersten Prüfungstag, der traditionell dem Fach Deutsch vorbehalten ist, nur 22 der 37 Schülerinnen und Schüler an. Die Prüfungen fanden in der „Alten Turnhalle“ statt, die schon seit Jahren für den Prüfungsmarathon jedes Frühjahr genutzt wird. Streng wurde darauf geachtet, dass Schutzmasken getragen und Sicherheitsabstände eingehalten werden.
Die Schüler selbst waren es, die kollektiv entschieden haben, auf einen Corona-Schnelltest vor der Prüfung zu verzichten, erklärt Schulleiterin Karin Kriesell. Wie immer war sie beim Prüfungsauftakt mit dabei, um die Abiturienten zu begrüßen, ihnen die notwendigen Belehrungen zu geben, die Prüfungsunterlagen auszuhändigen und ein paar aufmunternde Worte an den „Corona-Jahrgang“ zu richten. Im Vergleich zum Abi 2020, stellt die Schulleiterin fest, finden die Prüfungen dieses Mal wirklich unter Pandemie-Bedingungen statt. Eine Maskenpflicht zum Beispiel gab es 2020 nicht.
Trotz allen Einschränkungen hat Karin Kriesell durchweg positive Rückmeldungen von den Schülerinnen und Schülern bekommen, unter denen wie immer auch einige aus den Nachbargemeinden Rangendingen und Empfingen oder auch der Stadt Rosenfeld sind. Das Deutsch-Abi sei „machbar“ gewesen, man sei „gut durchgekommen“, lauteten die ersten Kommentare.
In Deutsch standen Werke von Johann Wolfgang Goethe („Faust, der Tragödie erster Teil“), E.T.A Hoffmann („Der Goldene Topf“) oder Hermann Hesse („Der Steppenwolf“) zur Auswahl. Alternativ konnte man eine Abhandlung über die Lyrik von der Sturm- und Drangzeit bis in die Gegenwart, oder über geschlechterspezifische Sprache oder über eine Text von Peter Strasser vom „Selbstbetrug in der digitalen Selbstverwirklichung“ verfassen.
Die breitere Auswahl an Aufgaben und Themen ist übrigens ein kleines Trostpflaster, das dem Pandemie-geplagten Abi-Jahrgang 2021 zugestanden wird. Immerhin.
Heute geht es am Haigerlocher Gymi in die zweite Runde mit 31 Prüflingen und den den Fächern Wirtschaft, Sport und Geschichte. Ein einzelner Schüler macht heute sein Abi in Kunst, dies aber kooperativ am Hechinger Gymnasium. Am Montag ist dann Englisch an der Reihe, am Dienstag Chemie, danach folgen Mathematik am 17. Mai und schließlich Biologie am 19. Mai. Die mündlichen Prüfungen sind am 12. und 13. Juni.
Die Stimmung unter den Haigerlocher Abiturienten sei recht gut, weiß Karin Kriesell: „Sie fühlen sich trotz allem gut vorbereitet und sind froh, dass es endlich losgeht. In diesem Punkt unterscheiden sie sich jedenfalls nicht von jedem anderen Jahrgang.“
Der bittere Beigeschmack der Pandemie wird sich erst noch bemerkbar machen, denn anders als 2020, wird es diesmal keinen Day After in der Schule geben, wohl auch keinen festlichen Abiball. „Bis 31. Juli sind alle außerschulischen Veranstaltungen untersagt“, gibt die Schulleiterin die Richtlinie des Kultusministeriums weiter. Das Ministerium werde zu gegebener Zeit auch darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen wie die Zeugnisausgabe stattfinden wird können. Die Schulleiterin hofft, dass wenigstens ein Szenario wie 2020, also im Freien, im Pausenhof mit viel Abstand zueinander, möglich sein wird.

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-tausend Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg stecken seit Dienstag in den Abiturprüfungen. Berichte über Probleme gab es zum Auftakt laut Kultusministerium nicht.