Haigerloch/Gruol Gruoler Fenstersturz: Schuldfrage noch ungeklärt

Haigerloch / Andrea Spatzal 28.06.2018
Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Jugendlichen, der für den Gruoler Fenstersturz verantwortlich sein soll, eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft Hechingen hat im Zusammenhang mit dem Gruoler Fenstersturz die Ermittlungen gegen einen Jugendlichen aus Gruol eingestellt. Wie Erster Staatsanwalt Markus Engel auf Anfrage erklärte, konnte dem Jugendlichen „keine herausragende und verantwortliche Position innerhalb des Jugendraums zugeordnet werden“. Es sei auch „nicht individuell festgestellt“ worden, dass er die „Vorrichtung gebaut“ hat, die den Sturz aus dem Fenster begünstigt haben könnte. Die Rede ist hier von einem Podest im Gruoler Jugendraum im Obergeschoss des Gruoler Rathauses.

Es werde nun geprüft, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter, „ob andere Verantwortlichkeiten bestehen“. Weitere  Angaben darüber könne man aber erst in etwa vier Wochen machen.

Der Gruoler Fenstersturz war am Dienstag wieder Thema in der Sitzung des Haigerlocher Gemeinderates. CDU-Stadtrat Walter Stocker übte scharfe Kritik an den Reaktionen einiger Bürger nach dem Unfall in der Silvesternacht im Gruoler Jugendhaus. Seit diesem unglückseligen Fenstersturz sei es zu Äußerungen gegenüber Bürgermeister Heinrich Götz und Gruols Ortsvorsteher Otto Schneider gekommen, die „unter aller Kanone“ seien. Die Kritiker seien zum Teil „sehr massiv aufgetreten“.

„Es ist unmöglich, wie der Bürgermeister und der Ortsvorsteher in dieser Sache angegangen werden“, so Stocker, der für seine Wortmeldung ganz bewusst die Gemeinderatssitzung gewählt hatte, um Bürgermeister Götz und Ortsvorsteher Schneider „den Rücken zu stärken“. Stocker hatte sofort das ganze Gremium hinter sich, das ihm minutenlang Beifall klopfte.

Der CDU-Stadtrat führte weiter aus, dass der Jugendraum im Dachgeschoss des Gruoler Rathauses für Jugendliche gedacht gewesen sei, „und nicht für die Kleinkindbetreuung“. Auch sei an Silvester der Schlüssel zu den Räumen herausgegeben worden, weil Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren eine Party feiern wollten, und nochmal: nicht kleine Kinder.

Das Opfer sei zum Zeitpunkt des Unfalls 19 Jahre alt, also erwachsen gewesen. Der Gast aus einer Nachbargemeinde habe auf der Silvesterparty „auch sicher nicht nur Sprudel getrunken“, mutmaßt Stocker. Seiner Meinung nach war an dem Sturz demnach „niemand anders Schuld als der Gestürzte selbst“.

Bei dem Gruoler Fenstersturz in den ersten Morgenstunden des 1. Januar 2018 wurde ein damals 19-Jähriger schwer verletzt. Er war Gast auf einer Silvesterparty im Jugendraum im Dachgeschoss des Rathauses, als er aus ungeklärter Ursache aus einem geöffneten Fenster und acht Meter in die Tiefe stürzte.

Die Staatsanwaltschaft Hechingen hatte ermittelt, ob es in diesem Fall einen Verantwortlichen gibt, der zur Rechenschaft gezogen werden müsste. Der Fokus lag auf einem Mitglied der Gruoler Jugendgruppe, das offenbar den Schlüssel für den Jugendraum verwahrte. Die Eltern und einige Gruoler Bürger appellierten mehrmals eindringlich an Bürgermeister, Gemeinderat, Ortsvorsteher und Ortschaftsrat, die Jagd nach einem „Sündenbock“ zu stoppen und kollektiv Verantwortung zu übernehmen. Auch eine Gruppe junger Gruoler Jahrgänger hatte am 1. Mai mit Transparenten demonstriert und mehr Solidarität mit dem beschuldigten Jugendlichen eingefordert.

Für die Jugendlichen im Ort hat der Fenstersturz Landzeitfolgen. Der bisherige Jugendraum im Rathaus kann so nicht mehr genutzt werden. So könnte die Stadt der Kirche das stark renovierungsbedürftige Pfarrheim abkaufen und zum Jugendhaus umbauen. Auch eine Containerlösung wird in Betracht gezogen und wie Bürgermeister Heinrich Götz am Dienstag im Gemeinderat mitteilte, auch die Molke, die bislang vom Verein Schulen für Gambia genutzt werde, und offenbar noch „bis unters Dach“ mit Hilfsgütern vollgestellt sei, so dass eine Prüfung der Bausubstanz noch nicht habe stattfinden können. Im Rahmen einer Prüfung in allen Stadtteilen für das städtische Gebäudemanagements hatte der Ortschaftsrat Gruol die alte Molke und das Waaghäusle für verzichtbar erklärt.

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