Haigerloch Friede als Grundlage einer würdigen Existenz

Ein Kranz zu Ehren der Opfer und Gefallenen. Foto: Wilfried Selinka
Ein Kranz zu Ehren der Opfer und Gefallenen. Foto: Wilfried Selinka
Haigerloch / WILFRIED SELINKA 19.11.2012
Wie andernorts erinnerte man sich gestern auch in Haigerloch und den Stadtteilen der Opfer von Krieg und Gewalt. Um künftiges Leid zu verhindern, nahm Bürgermeister Götz nicht nur die Politik in die Pflicht.

Die Musikkapellen, Gesangvereine, Kirchenchöre, Feuerwehren sowie die Fahnenabordnungen der Vereine waren vor den Ehrenmalen angetreten, um die Gedenkfeiern zu umrahmen. Die jeweiligen Gemeindeoberhäupter legten als Zeichen der Verbundenheit mit den Toten Kränze nieder.

Traditionsgemäß umrahmte in der Kernstadt der Sängerbund unter der Leitung von Uschi Sauter den Sonntagsgottesdienst. Danach ging es im gemeinsamen Marsch der Vereinsabordnungen zum Ehrenmal auf den Friedhof, wo die Feuerwehr mit Fahne und Fackeln Spalier stand. Auch der Sängerbund und die Stadtkapelle unter Armin Wehrstein trugen ihren Teil zum würdigen Gelingen bei.

Bürgermeister Heinrich Götz begrüßte die Anwesenden mit den Worten "Frieden und Freiheit, das sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz" - ein Satz, der aus dem Munde Konrad Adenauers stammt. Er dankte gleichzeitig denjenigen die gekommen waren, um der vielen Frauen, Männer und Kinder, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden zu gedenken. "Sie alle mussten sterben, weil Frieden und Freiheit der Boden entzogen worden war", so Götz. Der Bürgermeister schloss in seine Rede aber auch alle Menschen ein, die verfolgt und ermordet wurden, weil sie als Juden, Sinti, Roma oder Behinderte nicht in das rassistische Bild der Nazis passten.

Götz: "Wir wollen uns an die schlimmsten Zeiten deutscher Geschichte erinnern. Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur liegen lange zurück, aber ihre Schatten reichen bis ins Heute. Noch weilen Menschen unter uns, die damals Angehörige und Freunde verloren, noch leben viele, die als Kind ihre Väter oder Mütter kaum oder gar nicht kennenlernen konnten. Die Zeit lindert den Schmerz, aber sie heilt nicht alle Wunden".

Auch während dieser Stunde des Innehaltens, der Trauer und des Erinnerns, sagte der Bürgermeister weiter, würden andernorts Menschen um ihr Leben ringen oder seien in ihrer Freiheit bedroht. So sei die Frage nach Krieg und Frieden aktuell geblieben. "Die meisten Konflikte und Gewaltausbrüche unserer Zeit tragen sich in Regionen zu, die weit entfernt liegen. Doch gehen sie uns deshalb nichts an?", fragte der Schultes. Es sei ein Gebot der Mitmenschlichkeit, nicht weg zu schauen. Aber es sei auch ein Gebot der Vernunft, zu versuchen, Krisen einzudämmen, denn Konflikte würden oft und manchmal sehr schnell über ihren Ursprungsort hinaus greifen.

Im dem Zusammenhang erinnerte Götz daran, dass sich Deutschland seit fast 20 Jahren an internationalen Einsätzen beteiligt: "Wenn wir unsere Soldaten in Krisengebiete schicken, dann sind wir es ihnen schuldig, dass sich unsere Gesellschaft mit ihrer Lage und ihrem Auftrag auseinandersetzt". Götz verlangte weiter, alle Möglichkeiten zu ergreifen, Konflikte zu befrieden. Auch persönlich - so war das Stadtoberhaupt zu verstehen - könne der Bürger dazu beitragen: "Freiheit und Demokratie entstehen nicht von allein". Vor diesem Hintergrund, so der Bürgermeister komme den Gedenktagen, die all das ins Gedächtnis rufen, weiterhin ein hoher Stellenwert zu.

Das "Lied vom tapferen Kameraden", gespielt von der Stadtkapelle, beendete die würdige Haigerlocher Gedenkfeier.

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