Haigerloch Freibad-Sanierung kostet drei Millionen

In vielen Freibädern der Renner schlechthin: An so einer Breitwellenrutsche sollen sich ab 2020 voraussichtlich auch die Haigerlocher Badegäste erfreuen dürfen.
In vielen Freibädern der Renner schlechthin: An so einer Breitwellenrutsche sollen sich ab 2020 voraussichtlich auch die Haigerlocher Badegäste erfreuen dürfen. © Foto: Archivfoto
Haigerloch / Andrea Spatzal 01.03.2018
Drei Millionen Euro würden das Haigerlocher Freibad technisch und optisch ins 21.Jahrhundert hieven.

Was wir zusagen, halten wir ein. So vielversprechend lautet das Motto des Ingenieurbüros Letzguß & Pickel aus der bayerischen Gemeinde Haar bei München, die das Haigerlocher Freibad auf Vordermann bringen soll. Thomas Pickel stellte die Pläne für den zweiten Sanierungsabschnitt am Dienstag im Gemeinderat vor. Nein, es war vielmehr eine „Speisekarte“ mit verlockenden Angeboten, die er und sein Mitarbeiter den Stadträten präsentierten. Den Wermutstropfen servierten die Planer fairerweise auch gleich mit. Rund drei Millionen Euro würde der Spaß kosten, wenn man es gut und richtig, sprich: nachhaltig machen will.

Bei dieser Summe musste so manch einer am Ratstisch schlucken. Stadtkämmerer Timo Müller erklärte, warum: Die Kostenschätzung für den zweiten Sanierungsabschnitt im Haigerlocher Freibad, dem größten Projekt in diesem Jahr, lag bislang bei 2,55 Millionen Euro. Das sei zwar die Kostenschätzung aus dem Jahr 2009, aber die sei laufend fortgeschrieben worden. „Insofern war das keine unrealistische Zahl“, so Müller. Nun liege man aber schon mit der Grundsanierung um Hunderttausende über dem Plan. Als Entscheidungshilfen gab Müller den Stadträten an die Hand: die Investition als ein „Bekenntnis“ zu der beliebten Einrichtung zu sehen, und den zu erwartenden, erklecklichen Zuschuss aus dem Ausgleichsstock in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Die Kommentare der Stadträte reichten von der Forderung, das Freibad lieber zu schließen (Dionys Pfister, FW), bis zum flammenden Plädoyer für die Einrichtung, „die Lebensqualität für die Bürger bedeutet“ (Kristin Koschani-Bongers, CDU). Karl-Heinz Schneider (CDU) erklärte: „Das sieht alles toll aus, aber wir müssen streng auf unsere Finanzen schauen.“

Dass die Sanierung öffentlicher Bäder ohne Zeit- und Kostenüberschreitung möglich ist, haben die bayerischen Ingenieure  vor drei Jahren beim ersten Sanierungsabschnitt unter Beweis gestellt. Für die offenbar viel zu tief angesetzte Kostenplanung zeichnet übrigens auch nicht das Büro Letzguß & Pickel verantwortlich, sondern eine dafür bekannte Vorgängerfirma, wie Thomas Pickel betonte. „So etwas erschwert uns immer die Arbeit.“

Die Planer ließen keinen Zweifel daran, dass Knapsen und Knausern nicht das Gebot der Stunde sein sollte, dass es am Besten wäre, eine nachhaltige Sanierung in einem Guss auf den Weg zu bringen. Saniert werden müssen die beiden großen Becken, wobei diese in der Größe und Lage unverändert bleiben, aber, wie schon das Kinderbecken, mit Edelstahl ausgekleidet werden. Der Beckenkopf wird erhöht. Der Sprungturms, der nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, soll durch ein Ein-Meter-Brett und eine Drei-Meter-Plattform ersetzt werden. Zwischen den Becken, wo jetzt Steine  liegen, sollen Holzelemente verbaut werden und zum Verweilen einladen. Auch Schwallduschen sind geplant und eine Einstiegstreppe dort, wo jetzt nur Leitern ins Wasser führen.

Die gesamte Technik, die 37 Jahre auf dem Buckel hat, muss ebenfalls komplett raus und neu wieder rein – natürlich dann inklusive stromsparender Pumpen und Wärmerückgewinnung. Was sich viele Badegäste sehr wünschen, ist ein größerer, schönerer Gastronomiebereich. Auch den wollen die Planer gern umsetzen. Am Eingang soll künftig ein Kassenautomat seine Dienste tun.

Neben der „Grundsanierung“ schlagen die Planer vor, mit mindestens einer neuen Attraktion aufzuwarten. Die sollte schon sein, wenn das Bad ein Jahr und drei Millionen Euro später wieder eröffnet, rät Thomas Pickel aus Erfahrung. Und da gibt es viel Auswahl: von der „Schaukelbucht“ bis zum „Wasserspielgarten“. Ganz oben auf der Hitliste stehe allerdings die Breitwellenrutsche; in vielen anderen Freibädern der Renner schlechthin. Von der Idee mit der Rutsche war auch FW-Stadtrat Markus Gauss sofort angetan: „Darauf sollten wir nicht verzichten.“ Ansonsten will der Gemeinderat die „Speisekarte“ nochmal genau studieren und schauen, ob man nicht doch etwas günstiger wegkommen könnte.

Bürgermeister Heinrich Götz nannte die Freibad-Sanierung ein „Projekt der gesamten Stadt“. Man werde die Planungen und Vorschläge auf der Homepage der Stadt Haigerloch veröffentlichen und hoffe auf Rückmeldungen der Bürger.

Der Zeitplan sieht wie folgt aus: Wenn die Detail- und Kostenplanung steht, können die Arbeiten im Herbst ausgeschrieben werden und im ersten Quartal 2019 vergeben werden. Anschließend könnte die Sanierung starten und – nach einem Sommer ohne Freibad – rechtzeitig zum Saisonstart im Mai 2020 wieder öffnen.