Jörg-Andreas Reihle ist ein ausgewiesener Feldermaus­experte. Seit vielen Jahren begibt es sich bei den nächtlichen Führungen des Nabu Haigerloch auf die Spuren der faszinierenden Nachtschwärmer. Am Samstag leitete Reihle die beliebte Fledermausnacht für Familien und brachte den zahlreichen Interessierten wieder einiges zum Thema „Jäger der Nacht“ bei.

Fledermaus zum Naschen

Die Zuhörer erfuhren dabei nicht nur Allgemeines über Fledermäuse, sondern Reihle informierte auch über die Haigerlocher Kolonie im Besonderen. Er hatte allerhand Infomaterial und Broschüren mitgebracht, aber auch Postkarten durften mit nach Hause genommen werden. Eine Fledermausattrappe aus Gummi kam beim Vortrag ebenfalls zum Einsatz. Die Veranstaltung war kostenlos, der Nabu-Experte freute sich jedoch über Spenden.

Bei dem lustigen Gedicht „Zehn kleine Fledermäuse“ bezog Reihle die Kinder immer wieder mit ein, und die Fledermausstempel ließen sich nicht nur die jüngeren Besucher der Fledermausnacht gerne auf den Handrücken drücken. Gummifledermäuse zum Naschen hatte er ebenfalls wieder mitgebracht. Wie Reihle bekanntgab, „sehen“ die Flugsäuger quasi mit den Ohren. Das Orientieren per „Echolot“ sei fast einzigartig im Tierreich. Die „Jäger der Nacht“ seien zudem die einzigen aktiv flugfähigen Säugetiere.

Energiesparer der Tierwelt

Laut dem Experten fliegen sie eigentlich mit den Händen. Sie hätten auf jeder Seite fünf Finger, die Flughaut befinde sich zwischen allen Fingern, nur der Daumen bliebe außen vor. Außerdem verfügten sie über eine Schwanzflughaut. Weiter erfuhren die Anwesenden, dass Fledermäuse mit dem Kopf nach unten schlafen und sich dabei mit den Füßen festkrallen. Am Tag sparen sie Energie, nachts werden sie wach und aktiv. Mit einem Gerät spielte Reihle Laute der Art „Großes Mausohr“ vor.

Reihle wies im Rahmen der Fledermausnacht auch auf das Notruftelefon für verletze Fledermäuse hin. Dieses sollte genutzt werden, sollte man ein verletztes Tier finden. Der Experte betonte weiter, wie nützlich Fledermauskästen seien, aber auch Vogelkästen dürfe man den Tieren gerne anbieten.

Unterstadtkirche als Refugium

Beim Thema „Haigerlocher Kolonie“ erfuhr man, dass diese zu den drei größten Kolonien in ganz Baden-Württemberg gehört. Der Experte ging vor allem auf die Art „Großes Mausohr“ in der Unterstadtkirche ein. Bei einer Zählung sei man auf 1251 Weibchen gekommen, jedes Weibchen, so Reihle, kriege ein Junges, was einen großen Zuwachs der Population in Haigerloch bedeute. Lobend erwähnt wurde der unermüdliche Einsatz der Familie Kurz rund um die Fledermäuse in der Unterstadtkirche.

Dem Infoteil schloss sich eine Führung zu den Zwergfledermäusen bei der Brücke am Bahnhof und zur Unterstadtkirche an. Die Tiere, die in der Kirche leben, fliegen laut Reihle etwas später los, als die Zwergfledermäuse. Für die Führung wurden Detektoren verteilt. Eine Mitarbeiterin des SWR 4 zeichnete die Veranstaltung zudem für eine Sendung im Radio auf.

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1251


Weibchen der Fledermausart „Großes Mausohr“ wurden bei der letzten Überprüfung der großen Kolonie in der Haigerlocher Unterstadtkirche gezählt.