Eine gute Nachricht für alle Narren und Freunde der fünften Jahreszeit: Obwohl die Fasnet in diesem Jahr nicht in ihrer gewohnten Form stattfindet, gibt  wenigstens das Haigerlocher Narrenblättle „Der Städtles-rutscher“ in seiner gewohnten Form. Obwohl: Das Deckblatt wurde optisch an die Pandemie angepasst und zeigt einen Grombiradrucker, der sich mit einer OP-Maske vor den ihn umgebenden Coronaviren zu schützen versucht. Und auch der Zusatz „Corona-Ausgabe“ weist auf die besonderen Umstände hin.
Schon einmal, und zwar im Jahr 1991, wurden die Narren ausgebremst, wie im „Städtlesrutscher“ vermerkt ist. „Ojerum – d’Fasnet fällt aus“, lautete damals der Titel. Auch heuer rufen die Narren wieder „Ojerum“, weil sie erneut auf ihre wichtigste Jahreszeit verzichten müssen.
Der Grund für den letzten Fasnets-Totalausfall vor genau 30 Jahren war der Krieg im Nahen Osten. In Deutschland war es verboten, zu feiern. Dem „Frohsinn“ sei „Abstinenz“ verordnet worden. Über die Absage der diesjährigen Fasnet wird sich im aktuellen Städtlesrutscher trotz aller Trauer nicht groß beschwert.
Natürlich spielt Corona im neuen Städtlesrutscher eine Rolle, zumal sich einige Missgeschicke unter anderem wegen des Virus  ereignet haben. Auch Wortspiele wie „Corin(n)a“ boten sich an. In einem „offenen Brief“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel fragen sich die Haigerlocher Narrenblattmacher, ob es Zufall sei, dass die Beschränkungen nur bis zum 14. Februar gelten. Bedeute dies, dass am 15. Februar, dem Rosenmontag, zumindest in Ansätzen, gefeiert werden dürfe? Als Narr sei man das Tragen einer Maske gewohnt, und schließlich handle es sich bei der Narretei um ein hohes Kul-turgut.
Kritisch beäugt wird im Narrenblättle, dass die Stadt Haigerloch trotz knapper Kasse immer wieder Geld in Projekte investiert, deren Notwendigkeit nicht immer jeder verstehe. Konkret wird das kostspielige und „exklusive Stück Radweg“ in der Unterstadt angesprochen, das den Radfahrern nun eine „riesige, gefahrvolle Strecke von 150 Metern“ auf der Straße erspare. „Man gönnt sich ja sonst nichts“, laute hier wohl die Devise. Aus sicherer Quelle will die Redaktion wissen, dass für die Namensgebung „Dr. Heinrich Götz-Weg“ im Gespräch sei.
Auch das neue, „geschmackvolle Bauzaungeländer“ im Bereich der Annakirche wird auf die Schippe genommen. Aber nicht nur Kritik haben die närrischen Schreiber, sondern auch konstruktive Vorschläge: Dass Felsenstädtchen könnte, anstatt sich mit Felssicherung zu beschäftigen, die Felswände doch  touristisch erschließen und zum Klettern anbieten? „Dann müsste auch die Stadtkapelle zu ihren Kletterausflügen nicht so weit fahren“, schlägt der „Städtlesrutscher“ vor.
Auch mit Haigerlochs Ortsvorsteher Michael A. C. Ashcroft beschäftigt sich das Narrenblättle an diversen Stellen. So wird zum Beispiel kritisiert, dass von ihm im Mitteilungsblatt rund um Neujahr kein Rück- und Ausblick für die Kernstadt zu lesen waren. Der „Städtlesrutscher“ vermutet eine „Schreibblockade“ und empfiehlt dem Ortsvorsteher, sich an die eigene Gattin zu wenden, die als Physiotherapeutin für das Beheben von Blockaden zuständig sei. Aber vielleicht, so vermuten die Autoren, lebe Ashcroft ja auch nach dem Maya-Kalender, bei dem Neujahr erst auf Ende Februar fällt.
Dass es in der Kernstadt allerhand Neues gibt, stellt das Narrenblättle fest, so zum Beispiel ein völlig überraschend entstandenes „privates Parkhaus mit Dauermiete“ und eine „Open-Air-Badeanstalt“ beim Café Leda.
Die Bräutelgesellschaft der Narrenzunft wiederum entschuldigt sich im „Städtlesrutscher“ dafür, dass im vergangenen Jahr beim Bräutelball die Bar so gut getarnt war, dass sie kaum zu finden gewesen sei, und dass die Bar-Unterhaltung aus immer den gleichen drei aneinander gereihten Titeln bestanden habe. Ein Mitglied der Narrenzunft verdanke sein Durchhaltevermögen auch nicht einer „blauen Pille aus der Apotheke“, sondern einer „E-Rätsche“.
Ein Lob sprechen die Blattmacher dem Bürgermeister aus, weil Heinrich Götz 2020 „endlich einmal beim Bräuteln zugegen war“. Seitdem wisse er, dass dass man die Bräutelstange nicht schultert, und dass Bräutlinge in der „Stadt Haigerloch“ wohl schlecht in deine „Dorfgemeinschaft“ aufgenommen werden können.
Kühn wird im Narrenblatt die Behauptung aufgestellt, dass  die Pandemie auch Vorteile mit sich bringt und einen fit hält, zum Beispiel wenn man seine Maske dauernd vergisst und umdrehen muss, um sie zu holen. Ganz neue Freuden seien auch in Gesellschaftsspielen zu entdecken. Kostprobe gefällig? Beim „Stadt, Land, Fluss“-Spielen weiß ein Mitspieler blitzschnell ein Land mit E zu nennen: Ecuador. Und warum weiß er das? „Na, weil ich mich in Afrika so gut auskenne“, lautet die Antwort.
Im „Wirtschafts“-Teil gibt es Ratschläge für Stammgäste der Pizzeria „Calimero“ wie: „Kacheles reden“ hat nichts mit dem Verkauf von Fliesen zu tun, „Mitleidscrisis“ ist nicht gleich „Midlifecrisis“, und „Pepsiglas“ sollte man nicht mit „Plexiglas“ verwechseln.