Haigerloch Eyachhänge bringen Punkte

Die steilen Eyachhänge eignen sich, um sie in das Öko-Konto einzubringen. Indem sie sich weitgehend selbst überlassen bleiben, entstünde zum einen ein Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen - ein Waldrefugium. Zum anderen würde der Stadt dieses Gebiet bei Baulanderschließungen (anstelle von Ausgleichsmaßnahmen) "gut geschrieben". Foto: Wilfried Selinka
Die steilen Eyachhänge eignen sich, um sie in das Öko-Konto einzubringen. Indem sie sich weitgehend selbst überlassen bleiben, entstünde zum einen ein Rückzugsgebiet für Tiere und Pflanzen - ein Waldrefugium. Zum anderen würde der Stadt dieses Gebiet bei Baulanderschließungen (anstelle von Ausgleichsmaßnahmen) "gut geschrieben". Foto: Wilfried Selinka
Haigerloch / WILFRIED SELINKA 22.11.2012
Bisher müssen Gemeinden für von ihnen verbaute Flächen "Ausgleichsmaßnahmen" erbringen. Das Öko-Konto bietet demgegenüber eine elegantere Möglichkeit - die auch der Artenvielfalt zugute kommt.

In der jüngsten Sitzung des Haigerlocher Gemeinderates wurde der Aufbau eines "Öko-Kontos" vorgestellt. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand der Stadtwald, aus dem man das Öko-Konto "befüllen" will. Die Vorteile eines solchen Kontos, in dem Flächen und Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung bevorratet werden, erläuterte Ludwig Bittlingmaier vom Büro Ö:konzept in Freiburg.

Die Einrichtung eines solchen Ökokontos sei freiwillig, es stelle eine Investition in die Zukunft dar, sei kostengünstig, bringe eine höhere Flexibilität bei der Umsetzung von Bebauungsplänen und gebe zudem Planungs- und Rechtssicherheit - sagte Bittlingmaier.

Bekanntlich müssen Eingriffe in Natur und Landschaft durch sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geheilt werden - etwa durch Neubepflanzungen an anderer Stelle. Ein anderes Instrument dafür bietet das Ökokonto. Mit seiner Hilfe kann man Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorab ansparen. Werden später Bebauungen umgesetzt, kann man die angesammelten "Öko-Punkte" in Rechnung stellen. Die Ausgleichsmaßnahmen fallen dann niedriger - oder ganz - aus. Damit, so Bittlingmaier werde die Stadt sowohl baurechtlich wie auch naturschutzrechtlich "sehr flexibel" und müsse nicht mehr "für jeden einzelnen Bebauungsplan nach einem konkreten Ausgleich suchen".

Das Planungsbüro Ö:konzept hat zusammen mit Forstdirektor Hermann Schmidt und den beiden Revierleitern Michael Bauer und Hubert Münch den Stadtwald unter die Lupe genommen und auf sein Ökopunkte-Potenzial hin geprüft. Ergebnis: Es könnten insgesamt 1 000 000 Ökopunkte erwirtschaftet werden.

Dabei konzentriere man sich auf zwei Schwerpunkte. Und zwar in Teilen von Alt- und Totholz-Flächen mit rund 18 Hektar Fläche; sowie auf den Bereich der Eyach-Hänge mit ebenfalls rund 18 Hektar. Damit sich diese Flächen als Punkte anrechnen lassen, müssen ihre Strukturen erhalten bleiben.

Heißt, in diese Gebiete greift der Forst auf lange Sicht hinweg nicht mehr ein. Verwitterte und abgestorbene Einzelbäume, die Vögeln und Kleinlebewesen Unterschlupf bieten, bleiben somit erhalten. Es entsteht dadurch ein besonderes Waldrefugium.

Bei der natürlichen Weiterentwicklung der Eyachhänge entstehen hingegen später lichte und offene Waldstrukturen, die Flora und Fauna zugute kommen.

So führen in beiden Bereichen die Ökokonto-Maßnahmen letztlich zu einer ökologischen Aufwertung des Waldes: Die Artenvielfalt steigt, weil bedrohte Tier- und Pflanzenarten hier einen Rückzugsraum finden können, der andernorts nicht mehr gegeben ist.

Zudem, das führen Forstleute ins Feld, wird die Stabilität des Waldes durch die Entwicklung standortangepasster Mischwälder gefördert. Letztlich, das versichert Hermann Schmid, erhält die Stadt Haigerloch so einen ökologischen "Vorzeigewald".

Das Honorar für die weitere Datenerhebung, Maßnahmeplanung und Pflegeplandarstellung für die Bewertung nach Ökopunkten und die Erstellung einer Datenbank sowie für die Fertigung eines Abschlussberichts beträgt rund 10 000 Euro.

Nach einigen Verständnisfragen aus der Mitte des Gremiums beschloss man mehrheitlich den Auftrag zur Erstellung eines Ökokontos mit Schwerpunkt Wald an das Ingenieurbüro Ö:konzept in Freiburg zu erteilen.

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