Haigerloch / Andrea Spatzal  Uhr
Der Elternbeirat der integrativen Kita „Löwenzahn“ kämpft um ein besseres Miteinander. Der städtische Kindergarten und der Bürgermeister sehen hingegen keinen Handlungsbedarf.

In großer Anzahl waren Eltern der integrativen Kindertageseinrichtung „Löwenzahn“ am Dienstag in der Gemeinderatssitzung erschienen, um Flagge zu zeigen und ihrer Forderung nach mehr Mitspracherecht und Anerkennung Nachdruck zu verleihen. Friederike Eibach, eine der beiden Vorsitzenden des Elternbeirats, trug das Anliegen der Eltern in der Bürgerfragestunde vor.

Eltern kritisieren fehlende Gesprächsbereitschaft

Den Schilderungen nach herrscht seit dem Neubau in Stetten „eine gewisse Missstimmung“ zwischen der von der KBF getragenen Kita Löwenzahn und dem benachbarten städtischen Kindergarten. Um die Disharmonie zu beseitigen, schlugen die Eltern der Löwenzahnkinder einen „runden Tisch“ zur Aussprache vor. Der Bürgermeister sei dieser Bitte jedoch nicht nachgekommen. Die „fehlende Gesprächsbereitschaft“ werte man als „Missbilligung“ eines nicht nur für die Betroffenen, sondern für die ganze Stadt wichtigen Anliegens. Es erwecke „ein Gefühl der Ablehnung“. Dass die Kita Löwenzahn trotz mehrfacher Bitte bis heute nicht im Gesamtelternbeirat der Stadt vertreten ist, verstärke dieses „Gefühl des Ausgegrenztseins“ noch weiter. Man frage sich, „wie ernst die Stadt ihre Verpflichtung zur ganzheitlichen Inklusion nimmt“.

Neben einem Mitspracherecht  im Gesamtelternbeirat und mehr Entgegenkommen seitens des Bürgermeisters fordern die Kita-Eltern, dass sich alle Kinder des städtischen Kindergartens und der Kita Löwenzahn „jederzeit und natürlich auch gemeinsam auf dem Gelände bewegen, sich begegnen, kennenlernen und miteinander spielen können“, und zwar „zwanglos und ohne zeitliches Regelwerk“. Die „verhärteten Fronten“ zwischen den Kindergärten seien „sehr frustrierend“, stellte Friederike Eibach abschließend fest, und müssten unbedingt geklärt werden.

Welche Kinder dürfen wann den Garten nutzen?

Bürgermeister Heinrich Götz hielt eine Stellungnahme des Elternbeirats des städtischen Kindergartens Stetten dagegen, der „keinen Bedarf“ für einen runden Tisch sieht. Für den städtischen Kindergarten sei „die derzeitige Beziehung und das gelebte Miteinander zwischen den beiden Einrichtungen als zufriedenstellend einzustufen“. „Von unserer Seite aus bedarf es keine Änderungen“, heißt es in der Stellungnahme. Spontane und zwanglose Begegnungen der Kinder beider Einrichtungen, wie sie derzeit bereits stattfinden, würden auch weiterhin gern gesehen. Diesbezüglich hätten beide Einrichtungen „sehr positive und zufriedenstellende Absprachen getroffen“. Deshalb spreche man sich „gegen eine engere und vor allem von außen übergestülpte Zusammenarbeit“ aus. Wie Bürgermeister Götz rekapitulierte, fand das Gespräch über die künftigen Kooperationen und Begegnungsphasen der beiden Einrichtungen im Juni 2018 statt. Anwesend waren KBF-Geschäftsführer Klaus Barthold und Kita-Leiterin Elisabeth Pfeffer-Döttling sowie die Leiterin des städtischen Kindergartens, Dagmar Pfeffer. Dabei sei vereinbart worden, dass die Gartenbereiche am Vormittag getrennt und am Nachmittag gemeinsam benutzt werden.

Auch Regelungen bezüglich der Veranstaltung von Festen seien getroffen worden. Explizit erwähnt wurde das letzte Laternenfest an St. Martin, dass der städtische Kindergarten wegen der räumlichen Gegebenheiten bewusst separat habe veranstalten wollen. Wie die spontanen Wortmeldungen der Kita-Eltern in der Bürgerfragestunde am Dienstag erahnen ließen, wurde genau diese „Ausladung“ beim St. Martinsfest als besonders verletzend wahrgenommen.

Bürgermeister unterbricht Sitzung und verlässt den Raum

„Die Dinge entwickeln sich richtig und gut“, lautete das Fazit des Bürgermeisters. Weil Götz nach diesem Schlussort keine weitere Diskussion zuließ, kamen so lautstarke Proteste aus den Zuhörerreihen, dass er die Sitzung unterbrach und demonstrativ den Raum verließ. Die Eltern verließen den Sitzungssaal ebenfalls – aufs Neue enttäuscht. „Das war uns klar, dass er wieder nicht mit uns sprechen wird“, sagte Friederike Eibach.