Haigerloch Einsames Haus von Steinschlag bedroht

Harte und nicht ungefährliche Präzisionsarbeit erfordern Felssicherungsmaßnahmen, wie sie in Haigerloch fast schon an der Tagesordnung sind.
Harte und nicht ungefährliche Präzisionsarbeit erfordern Felssicherungsmaßnahmen, wie sie in Haigerloch fast schon an der Tagesordnung sind. © Foto: dpa
Haigerloch / Andrea Spatzal 02.08.2018
Haigerloch muss weitere 100 000 Euro in die Felswände pumpen. Ein einzelnes Haus ist vom Steinschlag bedroht.

Das Prädikat „Felsenstädtchen“ hat auch seine Schattenseiten. Denn die malerische Kulisse Haigerlochs bröckelt. „Der Muschelkalk ist ein Problem“, weiß der Bürgermeister der 11 000-Einwohner-Stadt, „ein Problem, das uns noch lange verfolgen wird. Ein kostspieliges noch dazu. Immer wieder müssen die Felswände gesichert werden, damit nicht noch ein Unfall passiert.

Zuletzt mussten Zehntausende in den Felsen über dem Atomkeller-Museum gepumpt werden. Da gab es kein Wenn und Aber.  Die Sehenswürdigkeit zieht jährlich 10 000 Besucher an. Nicht auszudenken, wenn einer davon durch einen herabstürzenden Felsbrocken verletzt würde.

Jetzt ruft er wieder, der Berg. Diesmal bedrohen die Haigerlocher Felsen ein Haus, ein einziges freistehendes Haus an der Hechinger Straße. Schon einige Male haben herabfallende Gesteinsbrocken Schäden an der Hauswand verursacht. 114 000 Euro kosten die 50 Meter Steinschlagschutzzaun, die nötig sind, um das Gebäude und die Bewohner abzuschirmen. Die Eigentümer sind über die Vorgehensweise informiert und einverstanden.

Viele Gemeinderäte mussten tief Luft holen, als ihnen vom Ingenieurbüro Menzel, Dettenhausen, diese Summe präsentiert wurde. Walter Stocker (CDU) fragte nach, warum die Stadt das Haus nicht aufkaufen und den Naturgewalten überlassen kann. „Das geht nicht“, sagten Bürgermeister Heinrich Götz und Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck unisono. „Wir sind in der Pflicht!“ Und auch in Zukunft habe man in Sachen Fellsicherung „noch einige Hausaufgaben“ vor sich.

Der etwa vier Meter hohe Schutzzaun muss im Ernstfall einiges aushalten. Eine „Energieaufnahme“ von 1000 Kilojoule empfehlen die Ingenieure, damit das Bauwerk den „großvolumigen Sturzmassen“ standhalten kann. Um das Tragwerk optimal planen zu können, muss das Büro Menzel eine Steinschlagsimulation vornehmen. Dazu müssen wiederum die Geländeschnitte genau vermessen werden. Viele Arbeiten an den steilen Felshängen sind nicht anders als von angeseilten Fachkräften zu bewerkstelligen. Eine Qualitäts- und nicht ungefährliche Handarbeit, die kostet: 87 800 Euro betragen die reinen Baukosten, 26 200 Euro die Baunebenkosten.

Der Gemeinderat stimmte der Beauftragung des Ingenieurbüros Menzel mit der Objektplanung, Vermessung und Bauüberwachung und einer beschränkten Ausschreibung der Bauleistungen zu.

Da die Rechnung für diese Felssicherung – wie schon öfter – aus dem Etat für Straßen- und Feldwegeinstandsetzungen benötigt wird, bat Stadtrat Markus Gauss darum, die beiden Konten künftig getrennt zu führen. „Keine Frage, um die Felssicherung kommen wir nicht herum“, stellte Gauss fest, „aber es warten auch viele auf dringende Straßenreparaturen“. Getrennte Kostenstellen würden die Verwendung des Jahresbudgets transparenter machen.

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