Schauplatz des Theatergeschehens war das rustikale Ambiente des Fruchtkastens im Haigerlocher Schloss. Mit seiner Beleuchtung und seinen aufsteigenden Rängen eignete er sich in hervorragender Weise als Theatersaal. Das Bühnenbild brauchte während der Aufführung nicht ausgetauscht zu werden, es blieb durch das Stück hindurch dasselbe und zeigte das Amtszimmer eines Bürgermeisters in einer russischen Kleinstadt, dessen Wohnung sowie die Absteige des Revisors und seines Dieners.

Man merkte bei jeder Handlung der 17 Gymnasiasten, dass es ihnen Spaß macht, einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen und eine ganz andere Person darzustellen. Beim Theaterspiel können junge Menschen experimentieren: mit ihrem Handlungsspielraum, mit der Lust an der Bewegung, mit ihrer Stimme, mit ihrer Mimik und letztlich mit ihrem Mut. Den braucht es nämlich,um sich vor Publikum zu präsentieren. Und zumal vor einem so großen Publikum.

Die Zuschauer hatten ihre Freude am erfrischenden, von jugendlicher Unbekümmertheit getragenen Spiel, das mit Humor und versteckter Hintersinnigkeit gespickt war und in dem sich ganz allmählich die Dummheit und Bestechlichkeit der Kleinstadtbewohner enthüllte. Die Komödie, so stellte man fest, hat auch nach 176 Jahren nichts von ihrer Komik verloren. Auch ist sie hinsichtlich ihres Generalthemas, nämlich der Korruption, weiterhin in der Lage, nachdenklich zu stimmen.

Der Bürgermeister (Patrick Reichert), seine Beamten und Angestellten, Krankenhausverwalterin (Marisa Pfister, Richter Frank Selinka), der Schulrat (Vincent Dongus) wie auch die Poststellenleiterin (Johanna Fischer) spielten ihre Rollen überzeugend. Doch zunächst zur Handlung: Ob ihrer Schludrigkeit haben die Verantwortlichen einer russischen Kleinstadt schon lange einiges vom Besuch eines Revisors zu befürchten. Da verkünden zwei Stadtbewohnerinnen (Cecile Fischer und Thit Jörgensen) aufgeregt, dass bereits seit 14 Tagen ein junger Mann mit seinem Diener im Gasthaus logiert und seine Rechnungen nicht bezahlt. Bei einem Besuch des Bürgermeisters im Gasthaus gibt sich der Fremde (Patrick Reichert) selbstbewusst. So hält man ihn für den Revisor, dessen Visite längst fällig war. Zum Erscheinungsbild eines Finanzbeamten passt auch das Verhalten seines Dieners (Helge Biscalchin). Damit der vermeintliche Kontrolleur zunächst seine Gasthausrechnung bezahlen kann, überreicht ihm der Bürgermeister 200 Rubel."Gott sei Dank, er nimmt Geld. Er will, dass wir ihm sein Inkognito bewahren" - täuscht sich der Stadtchef. Es kommt in der Folge zu weiteren Verwechslungen, weil der dafür gehaltene Prüfer angeblich am Hof des Zaren verkehrt und Minister bei ihm ein und aus gehen. Dem Charme des Fremden erliegen auch die Ehefrau des Bürgermeisters (Anika Weigang) und ihre Tochter (Pia Haug). Alle werden sie bei dem Hochstapler ihr Geld los. Am Schluss reist der falsche Revisor ab. Zurück lässt er"ein Nest voller Narren mit vielen Idioten", wie er in seinem Abschiedsbrief formuliert.

Beteiligt waren in den weiteren Rollen Deborah Kämmerling als Hausmädchen, die drei Kauffrauen Alyssa Friedrich, Hanna Fieler und Nastasija Dania sowie Sandra Metz als Kellnerin. Die Regie führte Kerstin Gotthardt, das Licht betreute Jana Schindler. Für die Maske waren Lea Töws, Elisa Sielder und Julia Siedler verantwortlich. Die Klavierbegleitung zwischen den Akten kam von Cordula Hans. Die Plakatgestaltung hatte Stefan Möller.

Belohnt wurde die formidable Truppe durch großen Applaus sowie durch das Lob von Schulleiter Helmut Opferkuch. Ein besonderes Dankeschön ging an die Abiturienten die auch nach ihrem Abschluss bereitwillig die Proben besuchten.

Im glänzenden Licht stand nicht zuletzt Deutschlehrerin Kerstin Gotthardt da. Sie hat bei der Einstudierung großes Geschick und Einfühlungsvermögen bewiesen.