Hechingen Ein Dutzend Kirchen tragen Großbayers Handschrift

Haigerloch / Wilfried Selinka 30.06.2018
Über Christian Großbayer, Planer, Baumeister und Architekt, referierte im Bürgerhaus Archivdirektor Volker Trugenberger.

Zahlreiche Interessierte Zuhörer, auch aus Hechingen und Sigmaringen, waren am Donnerstag zu dem Vortragsabend ins Haigerlocher Bürgerhaus gekommen. Dass ein ausgewiesener Experte wie der aus Haigerloch stammende Karl Werner Steim über den berühmten Hohenzollerischen Baumeister Christian Großbayer sprechen würde, hatte offenbar große Anziehungskraft. Doch Steim musste krankheitsbedingt passen und übergab deshalb sein Redemanuskript an Archivdirektor Archivdirektor Volker Trugenberger, der es trefflich vorzutragen wusste.

Steim hat bereits 1982 zum 200. Todestag Großbayers zusammen mit Eckart Hannmann ein Buch über den Baumeister herausgegeben. Doch er forscht bis heute weiter und fördert immer noch neue Erkenntnisse über den aus Haigerloch stammenden „Tausendsassa des Bauhandwerks“ zutage. Bekanntlich tragen mehr als ein Dutzend Kirchen und zahlreiche andere Gebäude in der Gegend  seine Handschrift. Durch Fleiß, Können und Geschick brachte es der gelernte Maurer zu beträchtlichem Wohlstand, kaufte in Haigerloch Immobilien für über 5000 Gulden – die seine Witwe nach seinem Tod wieder veräußerte.

Trotz seiner vielen Talente hat Steim auch eine Schwäche Großbayers ausmachen können: In seinen Bauzeichnungen stimmt die perspektivischen Darstellung nicht. Dies mag, so vermutet Steim, der Grund dafür gewesen sein, dass Großbayers Entwurf für die Hechinger Stiftskirche durchgefallen war.

Aber auch ohne diesen Auftrag prägen die Bauten Großbayer das Gesicht der hohenzollerischen Landschaft. Über 35 Jahre stand er in Diensten des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, arbeitete auch für das Fürstentum Sigmaringen, wurde gefördert und erhielt lukrative Aufträge der Adelshäuser.

Haigerloch könne auf seinen wohl berühmtesten Sohn stolz  sein, stellen die Historiker fest. Mit dem achteckigen Aufsatz auf dem Römerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, hätten die Haigerlocher Großbayers Kunstfertigkeit stets vor Augen. Auch die Einfassungen der Brunnen auf dem Marktplatz, im Schlosshof und in der Oberstadt sind sein Werk. Auch sein reich mit überwiegend christlichen Motiven verziertes Wohnhaus in der Unterstadt steht noch.

Beleuchtet wurde in dem Vortrag auch, ob Christian Großbayer tatsächlich am Umbau der Haigerlocher Schlosskirche und am Neubau der St. Anna- Kirche beteiligt war. Laut Karl Werner Steim taucht der Name Christian Großbayer in den Archivalien nirgends auf, wohl aber der seines älteren Bruders Franz. Klar sei  inzwischen auch, dass weder die Wendelinuskapelle in Trillfingen noch das Gasthaus „Schwanen“ am Marktplatz Großbayers handschrift tragen. Eindeutig nachweisen lasse sich dagegen sein Wirken am Umbau der Unterstadtkirche St. Nikoaus, des Stadtschlosses in Hechingen, der Hofrats- und Kammerkanzlei, des Pfarrhofes und der Reitschule auf Schloss Lindich. Von den von ihm erbauten Pfarrhäusern stehen noch die in Zimmern und Bietenhausen.

In dem Vortrag gab es noch eine Fülle weiterer Informationen über das Leben  und Wirken Großbayers, das am 10. Februar 1782 in Haigerloch endete. Sein  bescheidenes Grab auf dem Unterstadtfriedhof ziert ein Sandstein, der zur Zeit in der Großbayer-Ausstellung im Schüz-Museum ausgestellt ist.

Bürgermeister Heinrich Götz dankte am Ende der Veranstaltung Volker Trugenberger für sein Einspringen und Karl Werner Steim für seine Forschungen, die viele für die Stadt und die Region wertvolle Informationen über den hohenzollerischen Baumeister zutage gefördert haben und weiter fördern.

Info: Die Ausstellung „300 Jahre Christian Großbayer“ im Schüz-Museum an der Schlosssteige in Haigerloch ist noch bis Sonntag, 15. Juli, montags bis samstags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr sowie an sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Über ein Dutzend Kirchen gebaut

Eine Auswahl von Christian Großbayers markantesten Bauten: Klosterkirchen Rangendingen (1752/53) und Oberndorf am Neckar (1775), die Pfarrkirchen in Weilheim (1767), Melchingen (1769/69), Burladingen (1770), Hirrlingen 1770/72), Frommenhausen (1770/72), Killer (1776/78), Höfendorf (1777), Hechingen (Bauleitung 1780) und Inzigkofen (1780). Pläne lieferte Großbayer zudem für die Kirchen Bad Imnau und Bittelbronn, die teilweise erst nach seinem Tod gebaut wurden.

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