Haigerloch Die Vielfalt gelebter Ökumene

WILFRIED SELINKA 23.11.2012
Mit einem ökumenischen Abendgottesdienst feierten Protestanten und Katholiken gemeinsam den gesetzlich abgeschafften Buß- und Bettag.

Pfarrerin Els Dieterich erinnerte im ökumenischen Gottesdienst am Abend des vor 17 Jahren abgeschafften Buß- und Bettags daran, dass es in diesem Jahr in Haigerloch ihr letzter ökumenischer Abendgottesdienst an diesem besonderen Tag vor ihrem Weggang nach Eckenweiler sei.

Sie dankte allen katholischen und evangelischen Christen, die in den vergangenen 17 Jahren den zugunsten der Pflegeversicherung abgeschafften evangelische Feiertag mit einem gemeinsamen Gottesdienst mit vorbereitet und mitgefeiert haben. In diesem Jahr waren es besonders der Posaunenchor der Gemeinde unter Jürgen Beck, Stephanie Weißhaar und Diakon Peter Hipp von der katholischen Seelsorgeeinheit St. Anna, die den Gottesdienst unter dem Leitwort "Ökumenische Vielfalt als Reichtum begreifen" mitgestalteten. Das Versprechen Jesu, dort gegenwärtig zu sein, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind, sei gelebte Ökumene, stellte Pfarrerin Dieterich fest.

In seiner Ansprache spürte Diakon Peter Hipp der Frage nach der Einheit der Christen nach. Wenn man heute junge Leute nach dem Trennenden und den Unterschieden der beiden Konfessionen frage, dann wüssten die meisten nicht mehr, was noch trennt. Sie prangerten vor allem das Festhalten an lebensfernen Äußerlichkeiten und die Selbstherrlichkeit in den Kirchen an. "Wenn wir die Einheit praktizieren wollen, sind unverzichtbare Veränderungen und Reformen der gesamten Kirche notwendig", so der Diakon. Dabei hält es der Prediger für wichtig, dass sich alle Christen für die Fragen der Gesellschaft öffnen, für Fragen der Umwelt und der Geschöpfe, um dafür zu sorgen, dass in einer gefährdeten Welt Kinder in einer lebenwerten und liebenswerten Umfeld aufwachsen können.

Und ein Zweites war Peter Hipp wichtig: Im gegenseitigen Respekt voreinander nicht das Trennende in den Vordergrund zu stellen, sondern das gemeinsam Verbindende. Bespiele dafür seien die Taufe, die Hochfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die Kommunion und das Abendmahl, das Gebet des Herrn, das Vaterunser, das alle Christen weltweit vereint, das bekennende Glaubensbekenntnis, viele gemeinsame Kirchenlieder und Gebete, die in beiden Kirchen bestehenden Hilfswerke zur Bekämpfung der Not in der Welt oder auch die ökumenischen Übersetzungen der Bibel.

Stephanie Weißhaar sprach die Fürbitten; die Lieder "Der Mond ist aufgegangen", "Nun ruhen alle Wälder" und "Strahlen brechen viele aus einem Licht", als gemeinsame Schätze der beiden Konfessionen, wurden vom Posauenenchor begleitet.

Nach dem Segen gab es ein Opfer der Gläubigen für den Neubau der jüdischen Synagoge in Ulm. Pfarrererin Els Dieterich wies zum Schluss darauf hin, dass in der bevorstehenden pfarrerlosen Zeit die beiden Kirchengemeinden Haigerloch und Rangendingen enger zusammenrücken.

So wird ab Januar 2013 Rangendingens evangelischer Pfarrer Frank Steiner Sonntagsgottesdienste in beiden Gemeinden halten, in Haigerloch immer um 9 Uhr und in Rangendingen um 10.30 Uhr.