Edward Steichen ist eines der großen Rätsel der Moderne. „Der in Béiweng in Luxemburg geborene, in Milwaukee aufgewachsene und in Europa und den USA erfolgreich arbeitende Künstler hat ein atemberaubend, vielschichtiges Lebenswerk hinterlassen“, schreibt Gerd Hurm in der Einführung zu seiner neu erschienenen Biografie über den berühmten Fotografen und Avantgarde-Künstler.

Lebensgeschichte akribisch recherchiert

Gerd Hurm, geboren 1958 in Weildorf, ist Professor für Amerikanistik und Leiter des Trierer Centrums für Amerikastudien, Beiratsmitglied des Obama-Instituts der JGU Mainz und Fulbright-Vertrauensdozent. Er ist der Sohn des im Juni dieses Jahres verstorbenen Künstlers  Karl Hurm.

Edward Steichen (1879 - 1973) wirkte als Kamera-Avantgardist, Pflanzenzüchter, Kriegsreporter und Kinderbuchillustrator, Modefotograf und Museumsdirektor, Ökologe und Konzeptkünstler, Textildesigner und Ausstellungskurator. Aber so facettenreich sein Schaffen auch war, so ist es doch durchzogen von einem roter Faden: Steichen setzte sich zeitlebens ein für Pazifismus, Menschenrechte, multikulturelle Toleranz und die Gleichberechtigung der Geschlechter.

So grundverschiedene Intelektuelle, Künstlerinnen und Künstler wie Auguste Rodin und Eleanor Roosevelt, Dorothea Lange und August Sander, Gerhard Richter und Angela Davis, Consuelo Kanga und Sebastiao Salgado reagierten auf Steichens Kunstprojekte mit Begeisterung oder überschwänglichem Lob. Gleichwohl ist auch im 21. Jahrhundert das Gesamtwerk dieses „Patriarchen der Fotografie“ so umstritten wie kaum ein anderes.

Autor Dr. Gerd Hurm hat die Lebensgeschichte von Edward Steichen akribisch recherchiert. Er schreibt in lebendigem Stil und spürt in seiner kulturgeschichtlichen Entdeckungsreise dem Rätsel nach, weshalb in Büchern über die Stil-Epoche der Moderne Edward Steichens Kunstprojekte und sein Einsatz für Menschenrechte, Gleichberechtigung und Ökologie nur selten zu finden ist.

Hurms 176 Seiten umfassende und reich mit schwarz-weiß und Farbfotografien bebilderte biografische Studie, in der Reihe „Lëtzebuerger Biografien“ (ISBN 978-99959-2-040-1) erschienen, eröffnet ungeahnte Zugänge zu Steichens Gesamtwerk. Bei den Recherchen fiel den Luxemburger Steichen-Sammlungen, allen voran der Installation „The Family of Man“ in Clervaux (Unesco-Weltdokumentenerbe, 2003), eine besondere Rolle zu.

Spezialgebiet: Geschlechterforschung

„Er hat vermutlich mehr als ein anderer dazu beigetragen, dass die Photographie ein hohes künstlerisches Niveau erreicht hat“ urteilt der Autor am Ende über das Edward Steichen. „Er ist eine derart überragende Persönlichkeit“, so Hurm.

Hurms neues Buch wurde bereits im November in der Kunsthalle Göppingen von SWR-Kulturjournalistin Susanne Kaufmann öffentlich vorgestellt und besprochen. Zu den Arbeitsschwerpunkten Hurms im Bereich der Amerikastudien zählen Literatur, politische Rhetorik, Stadt- und Geschlechterforschung sowie Medien und Kunst der Moderne. Hurm ist unter anderem Mitherausgeber des hochgelobten Sammelbandes „The Familiy of Man Revisited Photography in a Global Age“, erschienen 2018.

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