Die Voraussetzungen für diese Veranstaltung waren in einer warmen und mondhellen Sommernacht wie geschaffen. Bereits zur Eröffnung hatten sich über 300 Besucher im Haag eingefunden und während der Dämmerung stießen immer mehr dazu.

Das besondere Ereignis war die Präsentation einer Projektwoche, das das Haus der Geschichte Baden-Württemberg mit rund 40 Haigerlocher Schülerinnen und Schülern von Realschule und Gymnasium vergangene Woche erarbeitet haben. Sie haben an diesem Abend vielen Haigerlocher Mitbürgern wertvolle Einblicke in das Leben der früheren jüdischen Mitbewohner gegeben.

Das fing bereits mit der Begrüßung durch zwei Schülerinnen an und setzte sich mit dem jüdischen Lied "Shlof, mayn feygele" fort. In einem kleinen Schauspiel wurde mit "Haigerlocher Heimattage" nachgezeichnet, wie Fürst Josef als guter Freund der Stadt die Juden im Haag ansiedelte und selbst immer wieder im Haagschlösschen residierte. Der Rap "Leb wohl du kleine Gasse" leitete über zu den Dankesworten der verantwortlichen Projektleiterin Grit Keller vom Haus der Geschichte. Diese richtete sie zunächst an die beteiligten Schülerinnen und Schüler für ihr Interesse und aufmerksames Mittun, dann an die Schulleiter Bernd Heiner und Helmut Opferkuch sowie an den Synagogenverein, vor allem Klaus Schubert und Margarete Kollmar, und an die Bewohner vom Haag für ihr Interesse und ihre Bereitschaft ihre Häuser für die Projektionen zur Verfügung zu stellen.

Schulleiter Helmut Opferkuch freute sich, wie die jüdische Geschichte durch professionelle Unterstützung umgesetzt wurde. Er kündigte an, dass dies sicherlich nicht das letzte Projekt von Realschule und Gymnasium zu geschichtlichen Hintergründen war.

Klaus Schubert dankte vor allem den vielen Besuchern, die den Weg ins Haag gefunden hatten, und lud zu einem Besuch in die ehemalige Synagoge in die Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" ein. Für die beteiligten Jugendlichen gab es ein kleines Geschenk in Form des Büchleins "Jüdisches Haigerloch". Bis die Dämmerung hereinbrach, sorgte die junge dreiköpfige Band "NYX" für die musikalische Abwechslung. Währenddessen besichtigten die Besucher die ehemalige Synagoge und tauschten sich mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern aus. Diese waren anschließend in kleinen Gruppen an den zwölf Projektstationen auf ihrem Posten, um die auf die Hausfassaden projizierten Bilder zu erläutern.

Der Rundgang begann beim "Haagschlösschen", wo sich im Jahr 1945 ein Dutzend KZ-Überlebende von rund 250 aus Haigerloch deportierten Juden zu einem Festmahl trafen. Gegenüber war das Bild am früheren Wohnhaus des Nachtwächters Bernhard Krappenmacher zu sehen. Jüdische Frauen auf dem Weg ins Haag gab es ebenso wie Fotos mit der Synagoge um das Jahr 1925.

Auf dem ehemaligen jüdischen Gemeindehaus war ein Foto des jüdischen Liederkranzes, beim Schulhaus die Familie des früheren Lehrers und Rabbinatsverwalters Gustav Spier abgebildet. Projektionen gab es auch auf der Front des ehemaligen Gasthauses "Rose" mit der Rosenwirtin Julie Levi und Gästen. Aron Schwab und seine Frau Luise waren vor ihrem Haus ebenso zu sehen wie Josef Behr und Sally Ullmann, der "Tauben-Sally". Zu allen abgebildeten Personen hatten die Jugendlichen interessante Details über die Lebensläufe parat, so dass der Rundgang für alle Beteiligten recht kurzweilig, interessant und informativ wurde. Im Austausch wurden noch viele Fragen beantwortet.