Mit ihrem außergewöhnlichen Wissensgebiet ist Claudia Sailer in prominenter Gesellschaft: Auch Johann Sebastian Bach spielte allzu gerne mit der Zahlensymbolik. Die Elf hat der weltbekannte Komponist in seine Matthäus-Passion eingearbeitet: Bei der Ankündigung des Verrats wird genau elf Mal gefragt: "Herr, bin ich's?"

"Die Zahl Elf ist die Zahl der Unordnung, des Mangels, der Katastrophe: Jesus wird gekreuzigt, die Zahl Elf ist Ausdruck dafür", erklärt Claudia Sailer. Noch heute werde in vielen süddeutschen Kirchengemeinden jeden Freitag um 11 Uhr die Glocken geläutet - als Erinnerung an den Karfreitag und die Kreuzigung Jesu.

"Die Elf hat einfach nicht die ordnende Funktion der Zehn - wie in den zehn Geboten", stellt die Religionslehrerin und Stadtführerin aus Haigerloch fest. Und zur Zwölf reiche es dem Doppeleinser halt auch nicht ganz. Das volle Dutzend hat nämlich wieder ordentlich Gewicht: Im Neuen Testament müssen es zwölf Jünger Jesu sein, elf wären unvollständig. Im Alten Testament ist das nicht viel anders: Zwölf Söhne Jakobs bilden das zukünftige Israel mit den zwölf Stämmen ab.

Claudia Sailer nennt ein weiteres Beispiel aus dem Neuen Testament: Im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16) werden zu verschiedenen Zeiten Tagelöhner eingestellt. Um 11 Uhr steht schließlich auch noch einer da - vermutlich ein "Tauge-fast-Nichts". Der fleißigste ist er sicher nicht, wenn er so spät aufsteht. Die anderen Mitarbeiter waren um diese Zeit schon wieder müde. Weil der liebe Gott aber großzügig ist, bekommt auch er einen Denar, das heißt: den Lohn von Gott, dem Einen.

Die Fasnacht fängt - wenn auch nicht überall - am 11.11. um 11.11 Uhr an. In den Zünften gibt's den Elferrat. Klarer Fall: Die Elf ist die Zahl der Narretei. Claudia Sailer geht noch einen Schritt weiter: "Philosophisch gesehen, beansprucht die Elf Macht - ohne genügend Autorität und Sein." Ein schöner Beleg für diese Sichtweise sind die Rathausstürme und Entmachtungen durch die Narren, die heute übers Land fegen werden. Mit großem Tamtam werden da Kommunalpolitiker ihrer Ämter enthoben, ohne dass die Narrenschar je ernsthaft in der Lage wäre, die kommunalpolitischen Zügel tatsächlich selbst in die Hand zu nehmen. "Hier fehlt die Ordnung", sagt Claudia Sailer, "zumindest gilt eine gänzlich andere Ordnung - eben die der Elf." Letztendlich habe der Elferrat ja "nichts von wirklicher Bedeutung zu sagen". "Was ein einziges Glück ist", merkt Claudia Sailer an.

Auch zu der Tatsache, dass im Beginn des Fasnetstermins die Elf gleich vier Mal vorkommt, hat die Zahlenforscherin ein Bonmont: "Die Vier bezeichnet in der Bibel immer allzu Irdisches, bei der Fasnet ist dies auch so: Mancher kommt bei der Fasnet ,auf allen Vieren' daher - im Prinzip keine wirklich erstrebenswerte Fortbewegungsweise."

Das fromme kleine Einmaleins

Stadt- und Kirchenführerin Claudia Sailer (Foto) wohnt in Haigerloch und arbeitet in Hechingen an der Grundschule als Religionslehrerin. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit den biblischen Zahlen. Darauf gestoßen ist sie über die Stadt- und Kirchenführungen in Haigerloch, die sie in ihrer Freizeit anbietet. Zahlensymbolik, sagt sie, bilde sich auch in der Architektur von Kirchen und älteren prominenten Gebäuden ab, aber auch in der Umgangssprache, in Musik und Literatur.

Medienstelle St. Luzen Claudia Sailer ist Betreuerin der Medienstelle St. Luzen im katholischen Dekanat Zollern. Auf der Homepage der Medienstelle hat die Haigerlocherin aktuell den Artikel über die Zahl Elf veröffentlicht.

Nächster Termin Die letzte Führung zum Thema biblische Zahlen hat Claudia Sailer in Haigerloch zwischen Weihnachten und Neujahr angeboten. Es ging um das "Weihnachtsgeheimnis in Zahlen". Die nächste Führung dieser Art steht für den 17. Juli im Veranstaltungskalender: In der Haigerlocher Unterstadtkirche wird Claudia Sailer die Teilnehmer in das "Fromme kleine Einmaleins" einführen.

SPA