Es kommt Licht in die seit Monaten hinter verschlossenen Türen geführten Verhandlungen über eine erweiterte Nutzung der Stettener Erddeponie "Grund". Die Geologin Ursula Schneider von der Stuttgarter Ingenieurberatung "iat" legte dem Gemeinderat dar, wie die Erddeponie umgebaut werden musste, um dort künftig mehr als nur unbelasteten Erdaushub und Bauschutt aus dem Stadtgebiet lagern zu können.

Spekuliert wird auf Bauschutt von der Großbaustelle "Stuttgart 21" oder Baumaßnahmen aus dem Zollernalbkreis. Interessenten sind offensichtlich bereits bei der Stadt vorstellig geworden. Im Gemeinderat wurde auch bereits im Rahmen der Haushaltsberatungen über eine Erhöhung der Auffüllgebühren und der zu erwartenden Einnahmen diskutiert.

Die Planungen sehen vor, sieben Hektar der Deponiefläche unverändert zu belassen. Auf diesem Areal könnten Anlieferer aus dem Stadtgebiet weiterhin unbelasteten Aushub und Schutt (Deponieklasse -0,5) abladen.

Der Bereich am früheren Steinbruch mit einer Fläche von 5,1 Hektar müsste umgebaut und vollständig abgedichtet werden (Deponieklasse 0). DK 0 eignet sich für die Lagerung gering belasteter mineralischer Abfälle. Immerhin könnten so weitere 675 000 Kubikmeter eingelagert werden.

Ursula Schneider legte auch die Nachteile einer erweiterten Deponienutzung dar. Die Kosten für den Umbau der Deponie und den Bau der entsprechenden Anlagen, wie Strom, Waage, Wärterhäuschen, Umzäunung und Einbaugerät werden auf rund 2,1 Millionen Euro geschätzt. Dazu kämen spätere Betriebskosten mit zwei Deponiewärtern statt bisher nur einem.

Eine Option wäre, den DK-0-Bereich der Deponie an einen externen Betreiber zu verpachten. Der zweite Nachteil: Die Restfläche für den Erdaushub aus der Stadt würde nur noch rund 320 000 Kubikmeter fassen. Bei einer Annahmemenge von rund 25 000 Kubikmetern im Jahr hätte die Deponie nur noch eine Laufzeit von rund 15 Jahren. Danach müsste sich die Stadt Haigerloch einen neuen Platz für eine Erddeponie suchen. Bei unverändertem Betrieb wäre die Deponie noch für rund 45 Jahre nutzbar.

Schwierig zu sein scheint die Kalkulation der Einnahmen bei einer erweiterten Deponienutzung. "Dies ist schwer vorherzusagen", meinte die Geologin. Die Preise für DK- 0-Material seien "regional sehr unterschiedlich".

Die Aufwand-Nutzen-Rechnung sehen mehrere Stadträte als zentralen Punkt an. Ohne Aussicht auf Gewinn, sei die Investition nicht vertretbar.

Mehrheitlich war der Haigerlocher Gemeinderat aber dafür, die Planungen weiter voranzutreiben und auch den Landkreis Zollernalb und das Regierungspräsidium Tübingen in die weiteren Verhandlungen mit einzubeziehen.