Das Stuttgarter Haus der Geschichte zeigte bei der Besichtigung des jüdischen Viertels mit der ehemaligen Synagoge in Haigerloch starke Präsenz. Direktor Thomas Schnabel, Mitarbeiter Rainer Schimpf sowie weitere Vorstandsmitglieder waren der Einladung des Synagogenvereins mit seinem Vorsitzenden Klaus Schubert gefolgt, ebenso der komplette Gemeinderat und Bürgermeister Heinrich Götz.

Klaus Schubert betonte, dass es dem Verein "Gesprächskreis ehemalige Synagoge" um den Stellenwert und die Wertschätzung dieses "Kleinods der Haigerlocher Kultur und der jüdischen Geschichte" durch die Stadtverwaltung und den Gemeinderat geht.

Thomas Schnabel bestätigte, dass ein komplett erhaltenes jüdisches Viertel mit einer ehemaligen Synagoge in der Mitte und einem ehemaligen jüdischen Friedhof in der Nähe inmitten einer Stadt "bundesweit einmalig" ist. Das Haus der Geschichte engagiere sich in Haigerloch, um das Interesse an dem einmaligen Ensemble zu stärken und zu intensivieren. Schnabel empfahl den Gemeinderäten, dieses "Alleinstellungsmerkmal Haigerlochs als Teil der Geschichte dieser Stadt" besser nach außen zu transportieren, was mit geringem Aufwand möglich sei. Haigerloch könne mit diesem "Pfund wuchern", auch um den Kulturtourismus anzukurbeln.

Rainer Schimpf lenkte den Blick auf die Ausstellung in der ehemaligen Synagoge, die sich im Rahmen der "Spurensicherung" immer wieder verändere und nie abgeschlossen sei. Als bestes Beispiel nannte er die aus der Haigerlocher Synagoge stammende Bima-Decke, ein Fundstück von Oskar Kohler, die im Juni in die Ausstellung in einer eigenen Vitrine integriert werden konnte. Auch Zeitzeugeninterviews würden laufend in die drei vorhandenen Filmstationen neu aufgenommen. Rainer Schimpf betonte, dass der Synagogenverein und das Haus der Geschichte an weiteren Fundstücken und Zeitzeugenberichten sehr interessiert sei.

Zuvor hatte Klaus Schubert die Schaffung des Ausstellungs- und Begegnungszentrum in der ehemaligen Synagoge im Wohnviertel Haag beleuchtet. Zusammen dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg und der Stadt Haigerloch habe der Synagogenverein das Haus 2004 der Öffentlichkeit übergeben. Seitdem seien stets 15 Personen im Alter zwischen 15 und 70 Jahren aktiv an der Dauerausstellung "Spurensicherung: Jüdisches Leben in Hohenzollern" beteiligt, die 18 Stunden in der Woche, auch im Winter, geöffnet ist. Schubert erwähnte auch, dass der Gemeinderat erst jüngst beschlossen hat, die Stromkosten für das Gebäude und die Ausstellung vollständig zu übernehmen.