Haigerloch Das Beste für den Bürger

WILFRIED SELINKA 23.11.2012
Gemeinsam mit den Bürgern soll bei bisher nicht an eine Kläranlage angeschlossenen Gebäuden für beide Seiten die günstigste Lösung erarbeitet werden.

Erstmals wurde der Haigerlocher Gemeinderat jetzt mit der geänderten Abwasservorschrift im ländlichen Raum konfrontiert.

Als grundlegende Änderung wurde darin ein generelles Ausbringungsverbot für Fäkalabwässer festgesetzt. Das hat zur Folge, dass auch Gehöfte in abgeschiedener Einzellage ihre Fäkalabwässer nicht mehr landwirtschaftlich verwerten dürfen.

Dadurch kommt auf die Kommunenen eine besondere Sorgfaltspflicht zu, in dem sie Gebäude zu überwachen haben, die bisher noch nicht über das öffentliche Kanalnetz erfasst und so einer Kläranlage zugeführt werden.

"Die Gemeinden werden dabei sehr stark in die Pflicht genommen", sagt Stadtkämmerer Timo Müller. Da die Stadt Haigerloch dauerhaft eine dezentrale Abwasserbeseitigung betreibt, ist sie zur Erstellung einer Abwasserbeseitigungskonzeption verpflichtet, die mit der unteren Wasserbehörde abzustimmen und im Bedarfsfall fortzuschreiben ist.

Eine solche Entwurfsfassung liegt dem Gemeinderat nun vor. In dieser werden für bisher noch nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossenen Gehöfte beziehungsweise Grundstücke technisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und dargestellt.

Dabei bieten sich unter heute geltenden Umweltstandards unterschiedliche Verfahren an, die kostengünstige Alternativen zur Abwasserableitung in einem Freispiegelkanal mit den damit verbundenen Investitionskosten darstellen.

Solche können sein: Eine Druckleitung mittels Pumpe und Schlauch, eine Pflanzenkläranlage, Teichanlagen, eine Kleinkläranlage als Mehrkammersystem oder die Sammlung in ausreichnd dimensionierten geschlossenen Gruben mit regelmäßiger Abfuhr zur kommunlaen Kläranlage.

Dabei ist eine Entscheidung für eine zentrale oder dezentrale Lösung in jedem einzelnen Fall von den vorliegenden wirtschaftlichen, ökologischen und betrieblichen Einflüssen abhängig.

Auf der Gesamtmarkung Haigerloch sind derzeit 47 bewohnte Gebäude mit insgesamt 64 Einwohnern nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Der Gemeinderat stimmte der Umsetzung der Konzeption einstimmig zu. Die Stadtverwaltung will nun mit den betreffenden Grundstückseigentümern unter fachtechnischer Begleitung des Büros ISW ins Gespräch kommen.

Dabei kann bei einer dezentralen Abwasserbeseitigung der Eigentümer selbst die fachtechnische Planung veranlassen und einen entsprechenden Anlagetyp wählen. Die Investitionskosten und die laufenden Betriebskosten sind selbst zu tragen.

Die Stadt bleibt aber nach wie vor für die Überwachung und die Entsorgung des in der Anlage anfallenden Schlammes zuständig.

Bei einer zentralen Lösung muss der Hauseigentümer Abwassergebühren nach der geltenden Ortssatzung für das eingeleitete Schmutzwasser zahlen.

Für die Errichtung und den Betrieb der erforderlichen Komponenten sind verschiedene Modelle zwischen Eigentümer und Stadt möglich.