Der Haigerlocher Synagogenverein legt erneut ein vielfältiges Jahresprogramm vor. Bereits die erste Veranstaltung in diesem Jahr war eine gewichtige: Zum Holocaust-Gedenktag wurde der ebenso eindrucksvolle wie beklemmende Film „Viehjud Levi“ gezeigt.

Dazu war eine erfreulich große Zahl an Zuschauern in die ehemalige Synagoge gekommen, die von der stellvertretenden Vorsitzenden Gisela Schumayer begrüßt und von Schriftführerin Margarete Kollmar in den 1998/99 nach einem Theaterstück von Thomas Strittmatter entstandenen Film, eine deutsch-schweizerisch-österreichische Gemeinschaftsproduktion, eingeführt wurden.

Fortschreitende Ausgrenzung

Der Film handelt von dem jüdischen Viehhändler Levi, der im Jahre 1935 wie immer Schwarzwalddörfer besucht, um mit den Bauern Handel zu treiben. In einem Dorf wohnt seine Angebetete, um die er diesmal werben möchte. Doch schnell bemerkt er, dass sich im Dorf einiges verändert hat. Der Film führt in beeindruckender Weise die immer weiter fortschreitende Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger deutlich.

Zwei weitere Filme stehen in diesem Jahr auf dem Programm. So gibt es auch am kommenden Samstag, 16. Februar, einen Filmnachmittag vor allem für Kinder in der ehemaligen Synagoge. Viola Faiß wird den bekannten Walt-Disney-Film „Bambi“ aus dem Jahr 1942 vorführen. Er basiert auf dem 1923 erschienenen Buch „Bambi – eine Lebensgeschichte aus dem Wald” von Felix Salten.

Der österreichische Schriftsteller stammte aus einer ungarisch-jüdischen Familie. Seine Bücher wurden 1935 in Deutschland verboten, er selbst blieb auch nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahr 1938 von Repressalien verschont und starb 1945 in Zürich.

Für den Europäischen Tag der jüdischen Kultur (1. September) hat der Synagogenverein einen weiteren Filmabend geplant: die deutsche Produktion „Am Ende kommen Touristen” aus dem Jahr 2007. Regisseur Robert Thalheim verarbeitet darin eigene Erfahrungen, die er in der pädagogischen Abteilung der internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz gemacht hat.

Am Sonntag, 24. März, 17 Uhr, gibt es unter dem Thema „Ein ganz normales Leben” eine Lesung mit Musik mit Gabriela Czimer und dem Junginger Chor
„VocAlma“.

Gabriela Czimer berichtet dabei über die Kindheitserinnerungen ihrer Eltern an Krieg, Flucht und Vertreibung aus Ungarn und aus dem ehemaligen Jugoslawien. Untermalt werden ihre Beiträge mit mehrstimmigen Liedern aus Osteuropa und dem Kulturkreis der Roma.

Am Sonntag, 19. Mai, 17 Uhr, gibt es einen Vortrag von dem Politik- und Religionswissenschaftler Josef Rothschild aus Tübingen unter dem Thema „Leben und Sterben im jüdischen Denken”. Geburt und Sterben sind von höchster Bedeutung im Judentum. Die prägenden einzigartigen jüdischen Glaubenssätze, Sitten, Gedanken und traditionelle Gebräuche werden ausführlich erläutert.

 An den Sonntagen, 26. Mai, und 1. September, jeweils 14 Uhr, finden zwei Führungen durch das jüdische Wohnviertel Haag, Synagoge Mikwe und über den jüdischen Friedhof mit Margarete Kollmar statt. Die erste ist als thematische Ergänzung zum Vortrag Rothschilds zu sehen.

Am Sonntag, 23. Juni, 14 Uhr, veranstaltet Viola Faiß im Wohnviertel Haag einen Familientag, bei dem es vor der ehemaligen Synagoge auch Spiel- und Bastelmöglichkeiten für Kinder sowie eine Bewirtung mit Kaffee und Kuchen gibt.

Das Programmjahr wird am Samstag, 9. November, 19.30 Uhr mit der alljährlichen Gedenkfeier zur Reichspogromnacht 1938 abgeschlossen.

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Jahre ist der Gesprächskreis Ehemalige Synagoge Haigerloch. „Gegründet“ wurde er nach der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht im November 1988.