Windkraft BI Gegenwind Hohenzollern zieht vor Kretschmanns Haustür

Andrea Spatzal 21.09.2017

Eine Delegation der Bürger­initiative Gegenwind Hohenzollern nahm am Samstag an der überregionalen Kundgebung gegen Windkraft bei Sigmaringen teil. Veranstalter war die Bürgerinitiative „Lebenswerte Heimat Rulfingen-Rosna-Krauchenwies-Hausen“, die auch Mitglied im Bündnis „Rettet die Alb“ ist. Insgesamt 21 Bürgerinitiativen aus dem südlichen Baden-Württemberg waren zu der Protestaktion gekommen.

Der Rangendinger Biologe Dr. Wolfgang Müller informierte als geladener Redner über das Thema Infraschall. Außerdem sprachen Politiker, Wissenschaftler und Windkraftgeschädigte zu den 450 Teilnehmern. Müller hatte kürzlich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf die Gesundheitsgefahren von Lärm und In­fraschall aus Windindustrieanlagen hingewiesen, aber bislang noch keine Reaktion aus der Landeshauptstadt bekommen (wir berichteten).

Im Anschluss an die Kundgebung spazierten die Teilnehmer in einem bunten Schilderwald mit Musik und Trommelschlägen der Donau entlang nach Laiz. Der Marsch fand jedoch wegen offizieller Sicherheitsbedenken am Ortsrand des Wohnortes von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sein Ende.

Allerdings ließen sich die Teilnehmer der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern nicht von einem wichtigen Ziel abbringen. Der Grund: Bei einem Protestspalier auf einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen am 8. September in Hechingen (wir berichteten) gelang es nämlich dem BI-Mitglied Adolf Fechter aus Hart, dem Ministerpräsidenten die Problematik der Windräder auf der Hohwacht darzulegen. Kretschmann versprach, sich persönlich um die Sache zu kümmern. Fechter hat aber auch noch keine Antwort aus dem Stuttgarter Staatsministerium erhalten. Um sich nochmals in Erinnerung zu bringen, verfasste Fechter einen Brief, den die BI-Delegation dem Ministerpräsidenten an seinem Wohnort in Laiz persönlich übergeben wollte.

Die Aktivisten von Gegenwind Hohenzollern verabschiedeten sich daher von der übrigen Spaziergruppe und zogen weiter zum Haus von Kretschmann, welches von der Polizei gut gesichert war. Die Enttäuschung war groß, als die Polizisten mitteilten, dass Kretschmann nicht zu Hause sei.

Nach zähen Diskussionen und lebhaften polizei-internen Beratungen erklärten sich die BI-Vertreter schließlich bereit, den Brief zu öffnen, so dass die Polizei den höflich formulierten Inhalt samt leerem Umschlag überprüfen konnte. Überzeugt, dass sie es mit anständigen Bürgerinnen und Bürgern zu tun haben, ermöglichten es schließlich die freundlichen Polizisten, den Brief in den landesväterlichen Briefkasten zu werfen. „Dann verabschiedeten wir uns herzlichst von den Freunden und Helfern und hoffen nun auf Antwort aus Stuttgart“, sagen die Gegenwind-Sprecher.