Erneut Riesenthema im Haigerlocher Gemeinderat war das Harter Baugebiet „Hinter Gärten II“ mit den erneuten Stellungnahmen zur dritten  Offenlage des Bebauungsplanes. Das Regierungspräsidium, der Regionalverband Neckar-Alb, die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Zollernalb, der Landesnaturschutzverband, ein Bürger und ein Landtagsabgeordneter der Grünen kritisieren den Tausch des wertvollen Obstbaumgürtels gegen ein Baugebiet mit in zwei Bauabschnitten geplanten 31 Bauplätzen.
Optimistisch zeigt sich dagegen Planer Gebhard Gförer, der auf ein nichtöffentliches Behördengespräch Ende November bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts verwies, das zukunftsweisende Ergebnisse in Form eines vorgezogenen öffentlich-rechtlichen Vertrages zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Haigerloch bringen soll. Darin sollen die artenschutzrechtlichen Ausgleichsprojekte verankert und abgesichert werden. Damit kann man auch dem relativ neuen Paragraf 33a des Landesnaturschutzgesetzes Rechnung tragen. Dieser besagt nämlich, dass Streuobstbestände von 1500 Quadratmetern zu erhalten sind.

Ökologischer Ausgleich

In Hart ist die betroffene Fläche deutlich größer. Deshalb werden auf einer Fläche von rund 13 000 Quadratmetern der ökologische Ausgleich durch die Neupflanzung von Obstbäumen geschaffen. Planer Gförer zeigte dem Gemeinderat in der mitgebrachten Präsentation die Gebiete, wo dies geschehen soll. Auch die übrigen Maßnahmen, wie das Versetzen alter Bäume oder der Schutz von Zauneidechsen, Fledermäusen, Kupfer-Rosenkäfern, Ameisen und weiteren Insekten, sollen entsprechend umgesetzt werden.
Diese Vorhaben für den naturschutzrechtlichen Ausgleich sind nicht ganz billig. Das wurde erstmals durch Zahlen deutlich. Der Planer geht von Investitionen in Höhe von insgesamt 531 000 Euro aus. Diese hohe Summe kommt deshalb zustande, weil die verlorene Ökologie nicht wie sonst üblich 1:1 ausgeglichen werden darf, sondern im Verhältnis 1:2, also mit einem doppelten Ausgleich. Dies bedeutet konkret laut Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck, dass in Hart auf den üblichen Bauplatzpreis noch ein Zuschlag von 36 Euro auf den Quadratmeter angerechnet wird. Im Ortschaftsrat vergangener Woche wurden zunächst nur 20 Euro genannt.
Trotz des Ausgleichs hat sich der Bebauungsplan laut Gebhard Gförer nicht geändert. Allerdings gibt es beim ersten Erschließungsabschnitt Änderungen. So wird dieser innerhalb des Plangebiets etwas in östliche Richtung verrückt, da dort zunächst am wenigsten Eingriffe in die Obstbaumkultur stattfinden werden, Damit können rund 15 bis 16 Bauplätze geschaffen werden.

Zwei Jahre später geht’s weiter

Somit bleiben vorerst die wichtigsten Bäume innerhalb des Plangebiets erhalten. Die Untere Naturschutzbehörde will nämlich sicher gehen, dass die ersten Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt wurden und auch gewirkt haben.
Erst nach etwa einem Zeitraum von fünf Jahren soll dann mit dem zweiten Erschließungsabschnitt begonnen werden. Abschließend stellte Gfrörer nach seinen eingehenden Untersuchungen fest: „Hart hat nur eine Chance und zwar, in ‚Hinter Gärten II’ Bauplätze zu schaffen. Der ganze Ort ist von regionalen Grünzügen oder Obstbaumbeständen umgeben.“
Die Debatte im Gremium spiegelte die Diskrepanz zwischen Bedenken, wegen der Zerstörung des Obstbaumgürtels, und Zuversicht, dass es durch die großzügigen Ausgleichsprojekte gelingt, das Harter Baugebiet genehmigt zu bekommen. Die größten Bedenkenträger kamen von den Freien Wählern mit Anne Judersleben, Markus Gauss und Manfred Pfeffer. Letzterer sprach von einem „politischen Flurschaden“ mit Blick auf das durch einen Grünen-Landtagsabgeordneten an Landrat und Bürgermeister gerichteten Schreiben in Bezug auf die Einhaltung des Paragrafen 33a des Landesnaturschutzgesetzes.
Viel zuversichtlicher äußerten sich die CDU-Stadträte Maik Haslinger und Alexander Siedler, die keine andere Alternative für ein Baugebiet in Hart sehen und die riesigen Ausgleichsprojekte gewissermaßen als Vorbildfunktion herausstellten.

Flammender Appell

Einen flammenden Appell an den Gemeinderat richtete Harts Ortsvorsteher Thomas Bieger. Er  erinnerte daran, dass Hart nach wie vor von 14 Hektar Obstbaumbestand umgeben ist  und man im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Haigerloch-Nord mehrere dutzend Biotope geschaffen habe. „Hart braucht sich in Sachen Naturschutz hinter keiner Gemeinde verstecken“, so Bieger. Er appellierte an den Rat, den fünf Beschlussanträgen der Verwaltung zuzustimmen, damit der Ort nicht ständig jedes Jahr Einwohner verliert. Mit 23-Ja Stimmen bei drei Enthaltungen stimmte das Gremium einer vierten öffentlichen Auslegung von „Hinter Gärten II“ zu.