Haigerloch Barocker Glanz und reflektierter Brahms

Barocker Glanz und reflektierter Brahms: Das Konzert von Jeroen Baerwarts & Brass in der Haigerlocher Schlosskirche war ein Glanzpunkt der renommierten Konzertreihe.
Barocker Glanz und reflektierter Brahms: Das Konzert von Jeroen Baerwarts & Brass in der Haigerlocher Schlosskirche war ein Glanzpunkt der renommierten Konzertreihe. © Foto: Antonia Lezerkoss
Haigerloch / Antonia Lezerkoss 06.06.2018
Im Rahmen der Haigerlocher Schlosskonzerte konzertierte der renommierte Trompeter Jeroen Berwaerts & Brass in  der Schlosskirche.

Mit einer anregenden Klangwanderung markierte die Bläsergruppe der Ludwigsburger Schlossfestspiele mit Laura Vukabrativic (Trompete), Stefan Helbig (Horn), Thomas Ehrmann (Posaune) und Florian Wolf (Tuba) unter Leitung des belgischen Ausnahme-Trompeters Jeroen Berwaerts einen Glanzpunkt der renommierten Haigerlocher Schlosskonzerte.

Die fünf Musiker eroberten spielerisch die große Bandbreite von Barock und Romantik bis zur Moderne. Genregrenzen und Trenngräben musikalischer Idiome locker-federnd überspringend bot das Quintett vor großem Publikum im ehrwürdigen Rahmen des barocken Gotteshauses ein Kammerkonzert der Extraklasse.

Was so fern zu liegen scheint, kam sich hier so nahe, so dass Brahms und Hosokawa quasi eins wurden; Bernstein sich mit einem Choral vermählte und Wiktor Ewald neben Rameau einen ganz normalen Platz fand.

Meisterwerke des Barock rahmten die außergewöhnliche Programmdramaturgie ein. So eröffnete die „Triosonate a-Moll“ aus der Feder von Georg Philipp Telemann (1681 - 1767) – bearbeitet von Gunter Carlier – mit ausgefeilter Dynamik und ausgewogenem Klang feierlich den Konzertabend und er endete mit der tänzerischen Suite aus der Oper „Dardanus“ von Jean-Philippe Rameau (1683 - 1764) beschwingt und in schnellen Läufen.

Eine Besonderheit und exquisite Delikatesse des Konzerts war die Welturaufführung von fein ausgehörten Reflexionen der japanischen Komponisten Toshio Hosokawa (* 1955) und Naoki Sakata (* 1981) für Trompete solo über Etüden von Johannes Brahms (1833 - 1897). Hier konnte der Orchesterleiter und renommierte Trompetensolist  Jeroen Berwaerts mit weichem und außerordentlich gesanglichem Ton und bestechender Technik brillieren.

Elegant, präzise, klanglich exakt kalkuliert verstand es Berwaerts in seinem solistischem Vortrag ältere und neuere Musik so in Verbindung zu setzen, dass deren Eigenarten und die zeitliche Differenz deutlich erlebbar wurden: hier Brahms‘sche Romantik akkurat durchgeformt, nervig im Klang; da Hosokawas bezaubernd filigrane Gewebe von äußerster Zartheit, feinsinnig und akribisch instrumentiert und dann Sakatas kontrastreiche, klangsinnliche Rhythmik.

In das in nicht alltägliche Repertoire fügten sich die von allen gesungenen Choräle „großer Gott, wir loben dich“ , „Lobet den Herren“ und „Nun danket alle Gott“ mit ebensolcher Selbstverständlichkeit ein wie Leonard Bernsteins (1918 - 1990) swingende, atmosphärisch dichte „Dance Suite“.

Nur sehr wenig Originalkompositionen für Blechbläser sind im musikalischen Kosmos der Romantik angesiedelt. Eine Ausnahme machte der russische Komponist, Ingenieur und Hochschullehrer Wiktor Wladimirowitsch Ewald (1860 - 1935), dessen „Quintett Nr 3“ Des-Dur op 7 die Musiker mit erfrischend klarer Linie in ein schillerndes Klangbild mit grandioser Dynamikabstufung kleideten – ohne dabei auf Emotionen zu verzichten.

Luftig und kompakt entwickelte das Ensemble die abschließende Tanzsuite von Jean-Phillippe Rameau. Besonders die melodischen Feinheiten der Ouvertüre, aber auch die tänzerische Leichtigkeit der einzelnen Sätze interpretierten sie mit minutiöser Detailliertheit und brachten die vielen spannenden Merkmale sorgfältig zur Geltung

Lang anhaltender, stehender Applaus war der Dank des vielköpfigen Publikums für ein großartiges Konzert.

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Haigerlocher Schlosskonzerte hat die diesjährige Reihe noch zu bieten: Das Karlsruher Konzert-Duo am 23. Juni im Bürgerhaus, Marina & The Wild Cats am 23. September im Fürstensaal und „Mundharmonika trifft Orgel“ am 30 September in der Abendmahlskirche.

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