Haigerloch Ausstellung über Christian Großbayer eröffnet

Haigerloch / Wilfried Selinka 18.05.2018
Zu seinem 300. Geburtstag kehrt Baumeister Christian Großbayer sinnbildlich noch einmal zurück in seine Heimatstadt Haigerloch.

Er war ein Multitalent im Baugewerbe, ein Künstler unter Handwerkern und ein Handwerker unter Künstlern: Christian Großbayer wäre heute 300 Jahre alt. Das Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen und seine Heimatstadt Haigerloch widmen dem hohenzollerischen Baumeister eine facettenreiche Ausstellung, die am Mittwochabend im altehrwürdigen Pfarrhaus an der Schlosssteige eröffnet wurde. Der „große Bahnhof“ um seine Person und die flotte Musik eines Saxophon-Sextetts der Stadtkapelle Haigerloch hätten dem standesbewussten und talentierten Bürgersohn sicher gefallen.  Zufrieden blickte auch Archivdirektor Dr. Volker Trugenberger in die Runde der zahlreichen Vernissagengäste.

Bürgermeister Heinrich Götz nannte Großbayer in seiner Eröffnungsrede einen „großen und bedeutenden Baumeister“, von dessen Talenten zahlreiche Bauwerke in Haigerloch und in der ganzen Region zwischen Oberndorf und Inzigkofen zeugten. Die Biographie des am 1. Januar 1718 in Haigerloch geborenen und in einer Maurerfamilie aufgewachsenen Mannes sei bis heute noch lückenhaft,  stellte Götz fest. „Für Historiker eine Fundgrube!“. Vermutlich machte Großbayer nach einer Maurerlehre im väterlichen Betrieb eine Steinhauerlehre  und ging dann als Geselle auf die Walz.

Wer die Talente des jungen Handwerkers früh erkannte und förderte, war Fürst Joseph Friedrich von Hohenzollern.  Er ließ Großbayer  Aufträge zukommen, ließ ihn schalten und walten, als  Maurer ebenso wie als Bauzeichner, Statiker, Architekt und Bauleiter. In den 40 Jahren seines Schaffens hat Großbayer bei mehr als 50 Bauprojekten  Regie geführt. In der Ausstellung zu seinem 300. Geburtstag zeugen einige Originalzeichnungen von den Fähigkeiten des Baumeisters.

Christian Großbayer gelangte zu einem nicht geringen Ruhm. Trotzdem vernachlässigte der Haigerlocher seine Pflichten als Bürger nicht. Engagiert und großzügig, bodenständig und bescheiden sei er gewesen, ist aus historischen Quellen abzuleiten. Unter anderem war er Heiligenpfleger der Unterstadtkirche St. Nikolaus, Stadtschultheiß und Stabhalter des Stadtgerichts.

Nadja Diemunsch, die die Ausstellung im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres mitorganisiert hat,   präsentierte einige Lebensdaten des rührigen Baumeisters, dessen Handschrift nicht nur zahlreiche Kirchenbauten, sondern auch Brunnen, Privathäuser und herrschaftliche Gebäude tragen.

In Haigerloch sind es zum Beispiel die Einfassungen der Brunnen auf dem Marktplatz, im Schlosshof und in der Oberstadt. Ein „echter Großbayer“ ist auch der achteckige Aufsatz auf dem Römerturm, dessen unterer Teil aus der Stauferzeit stammt.

Wie Diemunsch den Ausstellungsbesuchern weiter erläuterte, sei Großbayers Stil lange Zeit der  Spätbarock gewesen, Aber gegen Ende seines Wirkens habe er sich dem Frühklassizismus zugewandt, der damals gerade aufgekommen sei. Typisch für seine Kirchen sei ein eher flächiges Erscheinungsbild mit Pilastern und Rundbogenfenstern. Er habe oft halbrund eingezogene Chöre mit dreipassförmigen Chorbögen gebaut.

Bei einem Rundgang durch die Großbayer-Ausstellung gewinnt man einen umfassenden Eindruck des hohenzollerischen Baumeisters. Besonders beeindruckt ein Votivbild aus dem Jahr 1780, das übrigens in die Dauerausstellung im Kunstmuseum Schüz übernommen wird.

Zahlreiche Originalbaupläne und aktuelle Fotos seiner Bauwerke sind ausgestellt, so unter anderem Bauaufnahmen und ein Entwurf aus dem Jahr 1769 für die Stiftskirche Hechingen. Großbayer kam damals ja nicht zum Zug, sondern die Stiftskirche wurde nach den Plänen von Pierre Michel d‘Ixnard errichtet. Ein besonders interessantes Exponat ist ferner ein detaillierter Plan des Dominikanerinnenklosters Gruol samt Aufriss und eine Seite aus den Bauakten mit Transkription. Ein Trip in die Vergangenheit, denn dieses Kloster steht längst nicht mehr.

Exkursion, Vortrag und Führung im Begleitprogramm

Die Ausstellung „300 Jahre Christian Großbayer – Baumeister aus Haigerloch“ im alten katholischen Pfarrhaus und heutigen Schüz-­Museum an der Schlosssteige ist vom 17. Mai bis 15. Juli montags bis samstags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Im Begleitprogramm zur Ausstellung bietet der Kunsthistoriker Ulrich Feldhahn am 9. Juni eine Exkursion zu Großbayers Bauwerken in Rangendingen, Höfendorf, Hirrlingen, Haigerloch und Oberndorf an. Karl Werner Steim hält am 28. Juni um 19 Uhr im Bürgerhaus einen Vortrag über den Baumeister. Am 8. Juli um 14 Uhr leitet Stadtführerin Elisa Schroth in Haigerloch eine Themenführung zu Großbayers Leben und Wirken.

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