Mit einem Fest für alle Liebhaber geistlicher Musik starteten die Haigerlocher Schlosskonzerte in ihre neue Saison. Die barocke Haigerlocher Schlosskirche bildete den feierlichen Rahmen, in der das feinsinnige Konzertprogramm seine großartige Wirkung entfalten konnte. Unter der Gesamtleitung von Mike Krell präsentierten der faszinierend homogene Chor Vox Humana, das durchweg schlank und klar intonierende Solistenquintett (Verena Seid, Sopran, Irmgard Schumacher, Christine Kleinmann, Alt, Peter Straub, Tenor, Mike Krell, Bass) und das flexibel musizierende Ensemble „ars T instrumental“ erhabene Musik mit Gefühl und geistlicher „Botschaft.

Mit dem Hymnus angelicus zogen die Sängerinnen und Sänger feierlich in den Kirchenraum ein und gestalteten den ersten Höhepunkt mit Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Kantate „Was Gott tut das ist wohlgetan“, BWV 100, als kunstvolles Spiel mit rhythmisch-melodischen Passagen. Auf unnachahmliche Art verstand es Bach hier, eine pastorale Atmosphäre des Trostes und der Geborgenheit zu schaffen. Das Thema des Werkes ist das eines Gottes, der alles gut und richtig tut, verbunden mit der Verpflichtung, sein Wort einzuhalten. Solche Sätze sind besonders große Momente im ohnehin großartigen Vokalwerk Bachs: Es entfaltete sich ein mehrschichtiges, stimmliches Szenario von überwältigender musikalisch-theologischer Aussagekraft.

Mit konzentriertem Ausdruck, brillant, beweglich und mit angenehmem, aber nicht allzu raffiniert gestyltem Timbre boten Chor und Solisten, umspielt von Flöte (Karin Krell) und Oboe d’amore (Jonas Permentier) jene flexible Offenheit, bei der hinter einer unprätentiös schlichten, dabei sinnlich sehr ansprechenden Gesangsleistung sofort der Blick auf die Musik und ihre Botschaft frei wird. Unerschöpflich scheint die Fülle der geistlichen Chormusik Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Seine Vertonung von Psalmen ist von alttestamentarischer Wucht und Bildergewalt kompositorischer Dichte und Farbigkeit. In „Psalm 43, 1-5 op 78 Nr. 2, bestach der Chor durch sein filigran aufgefächertes Stimmgeflecht ebenso wie durch fein abgestimmte Dynamik und lupenreine Intonation. Sowohl die engelsgleiche Reinheit und Klarheit besonders der Frauentimmen, als auch die faszinierend vollkommene A-cappella-Kultur waren ausnahmslos bewundernswert.

In schönem wechselchörigem Singen von Chor I und II (Schola) als alternierenden Ensembles vorgetragen, ertönte Gregorio Allegris (1582 bis 1652) „Miserere“, eine berühmte A-cappella-Vertonung von Psalm 51. Zu wahrer Hochform liefen Vox Humana und das ensemble „ars T instrumental“ bei der Gestaltung von Auszügen aus dem „Deutschen Requiem“ op. 45 von Johannes Brahms (1833 bis 1897) auf. In „Selig sind die da Leid tragen“ und „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ glänzte der Chor sowohl mit klarer Diktion als auch vokaler Geschmeidigkeit. Dabei wirkte jede Stimmgruppe des Chors selbst in dynamischen Extremen als weich geformte Einheit.

Die Balance zwischen Instrumentalisten und Chor gelang fabelhaft, auch die perfekte Abstimmung mit der Solistin (Verena Seid) ließ nichts zu wünschen übrig. Das Ergebnis war nicht nur musikalisch zweifellos erstklassig, sondern gleichermaßen hoch expressiv, in seiner Stimmungstiefe überwältigend. Mit dem „Abendlied“ von Joseph G. Rheinberger (1839 bis 1901) endete der überaus gelungene, begeistert bejubelte Festspielauftakt im vollbesetzten Gotteshaus.

Fortsetzung am 18. Mai


Das zweite Konzert in der Reihe der Haigerlocher Schlosskonzerte findet am Samstag, 18. Mai, um 20 Uhr im Bürgerhaus Haigerloch statt. Auf dem Programm steht ein Chopin-Abend, ein Klavierkonzert mit Valerij Petasch.