Haigerloch Artenvielfalt bremst Windpark „Hohwacht“ aus

Nicht nur Rotmilan und Bussard sind über das Artenschutz-Gutachten im „Dreiländereck“ festgestellt worden, offenbar befindet sich sogar der Hort eines Schwarzstorches in dem Gebiet.
Nicht nur Rotmilan und Bussard sind über das Artenschutz-Gutachten im „Dreiländereck“ festgestellt worden, offenbar befindet sich sogar der Hort eines Schwarzstorches in dem Gebiet. © Foto: Matthias Kessler
Haigerloch / Andrea Spatzal 11.12.2018
Das lang erwartete Artenschutz-Gutachten zum geplanten Windkraftstandort „Hohwacht“ liegt nun vor.

Nach langem Warten liegt jetzt das Artenschutzgutachten zum Wind­industrie-Plangebiet „Hohwacht“ vor. Das Ergebnis wird von der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern begrüßt, denn wie es aussieht, ist die Artenvielfalt in dem Waldgebiet so groß, dass die Errichtung eines Windparks dort, im sogenannten „Dreiländereck“ zwischen Haigerloch, Rangendingen und Grosselfingen, kaum mehr im Bereich des Möglichen liegen dürfte.

„Es freut uns zu sehen, dass die Hohwacht als ein wertvoller Naturraum bestätigt wird, der vielen seltenen Vögeln Heimat und Lebensraum bietet“, so der Vorsitzende Alexander Edele von der BI. Es zeige sich, dass der Eindruck der Aktiven der BI stimmt, dass das naturnahe Waldgebiet ein zentraler Bezugspunkt für viele Vogelarten und andere wertvolle Lebewesen darstellt.

Auch seitens der Stadt Haigerloch, die das Gutachten bereits vollständig auf der städtischen Homepage veröffentlicht hat, wird festgestellt, aus dem artenschutzrechtlichen Fachbeitrag über die Vogelwelt sei „erkennbar, dass keine Windenergieanlagen (WEA) im untersuchten Gebiet möglich sind.“

Das Büro Gförer, Empfingen, das der Gemeinderat im Mai 2017 mit der vertieften Gebietsuntersuchung und der Erstellung des Gutachtens beauftragt hat, wird in der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, 18. Dezember, die Untersuchungsergebnisse noch näher erläutern.

Im Fazit des Gutachtens heißt es, die südliche Hälfte der Fläche befinde sich in einem Dichtezentrum des Rotmilans. Auch in der übrigen Fläche und darüber hinaus sei eine regelmäßige bis überdurchschnittliche Flugaktivität des Rotmilans nachweisbar. Demnach sei dieser Bereich als Standort für WEA ebenfalls „sehr konfliktträchtig“.

Laut Gutachten nutzen auch Schwarzmilan, Schwarzstorch und Wespenbussard das Gebiet als Luftraum beziehungsweise als Revierbestandteil. Ein mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Schwarzstorch zuzuordnender Horst befinde sich in weniger als drei Kilometer Entfernung zum Standort der geplanten Windkraftanlagen, so dass „für diese Art ein unmittelbares Tötungsrisiko“ vorliegt.

In das Gutachten wurden Beobachtungsdaten der Bürgerinitiative mit eingearbeitet, die die BI im Untersuchungsjahr 2018 in regelmäßigen Abständen zu Rotmilan und anderen windkraftempfindlichen und sonstigen Vogelarten an das Büro Gfrörer lieferte. Übrigens machen nicht nur Rotmilan & Co die Artenvielfalt aus. Durch Zufall konnten auch Vorkommen von Springfrosch, Gelbbauchunken, Zauneidechsen und des besonders geschützten Schmetterlings „Kleiner Eisvogel“ in dem Gebiet erfasst werden.

Die Initiatoren und Aktiven der Bürgerinitiative Gegenwind Hohenzollern sehen sich in ihrer Arbeit bestätigt. „Unser Ziel war und ist es, die Zerstörung eines einzigartigen Naturreservats zu verhindern und auf den Schutz unserer Heimat, ihrer Tiere und der Gesundheit der Menschen zu drängen. Dabei hilft uns das Artenschutzgutachten sehr“, so Alexander Siedler, einer der Gründer der BI. „Die BI hat aktiv gehandelt und sich dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde richtig reagiert, so dass das Gutachten für ihre Flächennutzungsplanung eigenständig und frühzeitig in Auftrag gegeben wurde. Zum Glück hat die Stadt nicht gewartet bis fragwürdige Gutachten von zwielichtigen Finanzinvestoren in Auftrag gegeben wurden. In dieser Reihenfolge sollte das Land oder der Regionalverband die Prüfungen auf deren Kosten durchführen lassen. Dadurch könnten große Unruhe, Ärger und Kosten für uns Bürger vermieden werden.“

Die BI äußert nun die Hoffnung, dass vor dem Hintergrund des Artenschutzgutachtens ein Windpark mit um die 15 bis 18 Windindustrieanlagen von mehr als 300 Meter Höhe verhindert werden kann. „Auch wenn die Hohwacht jetzt sicher scheint, bleiben wir wachsam und unterstützen unsere Mitstreiter in Winterlingen/Bitz, bei denen 300 Meter hohe Windindustrieanlagen gebaut werden sollen. So lange die Auswirkungen der Windräder auf die Gesundheit von Mensch und Tier nicht richtig untersucht ist, kann man da nicht ruhig bleiben“, so Alexander Siedler. Deshalb fordert die BI Gegenwind Hohenzollern nach wie vor eine bundesweite 10H-Regelung (Mindestabstand vom zehnfachen der WEA-Höhe zu Wohngebäuden), so wie in Bayern.

Bürgerinitiative hat viel bewegt

Die Bürgerinitiative wurde im Frühjahr 2017 gegründet, kurz nachdem erste Planungen des Regionalverbands Neckar-Alb bekannt wurden, ein Windindustriegebiet in der Hohwacht zwischen Haigerloch, Rangendingen und Grosselfingen zu errichten. Sie hat zahllose Mitglieder aus der ganzen Region Hohenzollern und informiert die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig über Fragen der Windindustrie und der sogenannten Energiewende. Im Mai 2017 half sie mit, mehr als 11 000 Einwendungen gegen die Windindustrieplanungen beim Regionalverband Neckar-Alb zu organisieren. Sie hat den Beschluss des Gemeinderates der Stadt Haigerloch unterstützt, ein unabhängiges Artenschutzgutachten eigenständig in Auftrag zu geben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel