Gemeinderat Gemeinderat macht alten Knopf an neue Vereinsförderrichtlinien

Blitzsauber, neu und topmodern: Der Schützenverein Stetten hat viel Geld in sein Schützenhaus und die Anlagen investiert – und bekommt nun endlich einen Zuschuss der Stadt.
Blitzsauber, neu und topmodern: Der Schützenverein Stetten hat viel Geld in sein Schützenhaus und die Anlagen investiert – und bekommt nun endlich einen Zuschuss der Stadt. © Foto: Archiv
Haigerloch / Andrea Spatzal 26.10.2017

Viele Jahre Zeit und viele Debatten hat es gekostet, um schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Der Haigerlocher Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, die 1990 eingeführten Vereinsförderrichtlinien beizubehalten. Über besondere Fälle und Einzelfälle will man entscheiden, wenn solche auftauchen. „Wir kriegen da keine Gerechtigkeit rein“, stellte Bittelbronns Ortsvorsteher Gerd Klingler gleich zu Beginn der neuerlichen Beratungsrunde fest.

Bürgermeister Heinrich Götz wollte am Dienstag zu dem viel diskutierten Thema „ein Stimmungsbild“ einholen, wie man weiter vorgehen soll. Die Vereinsförderung, in welcher Form auch immer, sei wichtig, sei „ein Zeichen der Wertschätzung“, betonte Götz.

Nicht wenige Vereine in Haigerloch warten gespannt auf ein Ergebnis. So hoffen auf Förderbescheide unter anderem der Schützenverein Stetten für die Schützenhaus-Renovierung, der SV Owingen für die Flutlichtanlage und die Bittelbronner für ihr Bürgerhaus. Die entsprechenden Anträge liegen schon lange vor, wurden aber immer wieder mit Verweis auf die baldige Verabschiedung der neuen Vereinsförderrichtlinien zur Seite gelegt.

Seit Dienstag ist klar: Die Vereinsförderung bleibt, wie sie ist. Jährliche Zuwendungspauschalen gehen wie bisher an die gemeinnützigen Vereine: 1150 Euro an die Musikvereine, 575 Euro an die Sport- und Gesangvereine und zwischen 190 und 280 Euro an sonstige Vereine und Gruppierungen.  Für Altennachmittage gibt es je nach Größe 100 oder 200 Euro. „Was in den Altenwerkten geleistet wird, ist sensationell“, stellte der Bürgermeister fest. Im Einzelfall entscheiden will der Gemeinderat künftig, wann und ob ein neuer Verein mit aufgenommen wird.

Ein Vorstoß von CDU-Stadtrat Hans Wiest, den auch Konrad Wiget (SÖL) und Otto Schneider (CDU) unterstützten, fand keine Mehrheit. Sie wollten, dass den Vereinen, die städtische Räumlichkeiten und Duschen nutzen, diese „Sachleistung“ von der Fördersumme abgezogen wird. „Wir bieten eine sehr gute Sachförderung“, stellte Wiget fest, „aber es wird schwierig sein, das gegenzurechnen“.

Einigen Stadträten wie Hans Fischer, Hermann Heim und Waldemar Schneider von den Freien Wählern ging es vor allem darum, endlich Klarheit zu schaffen. „Wir dürfen nicht länger herum­eiern“, forderte Schneider. Hermann Heim hakte nach, wie künftig mit Sonderfällen verfahren wird und nannte als Beispiel die Kindersportschule Kiss, die vor allem in der Trillfinger Halle trainiert.

„Manche Vereine sich in Wirklichkeit Wirtschaftsunternehmen; da müssen wir genau unterscheiden“, betonte Walter Stocker (CDU). Er sprach sich für die Beibehaltung der bisherigen Förderrichtlinien aus, den diese funktionierten gut. „Man hört keine Klagen“, so Stocker. Um den Vereinen „Hilfe zur Selbsthilfe“ angedeihen zu lassen, sei es aber wichtig, auch die Bereitstellung und Nutzung von Festplätzen und -hallen einheitlich zu regeln. In Owingen zum Beispiel darf die Eyachtalhalle für Hochzeiten vermietet werden.

Auch Karl-Heinz Schneider (CDU) plädierte für einen Schnitt: „Wir haben viel Zeit investiert und sind nicht weitergekommen.“ Der Gemeinderat könne es „nicht jedem Recht machen“, es gebe „keine goldene Lösung“, man werde die Richtlinien „immer wieder anpassen müssen“.

Was die Zuschüsse für größere Investitionen angeht, bleibt ebenfalls alles beim Alten: Die Stadt steuert einen in der Regel zehnprozentigen Anteil der Kosten bei, wobei die Obergrenze bei 5000 Euro gezogen wird und, worauf Stadtkämmerer Timo Müller pochte, künftig auch ein Schwellenwert von 20 000 Euro greift, damit nicht jede kleinere Investition einen Förderantrag nach sich zieht.

Mit 13 Ja- bei sechs Nein-Stimmen machte der Gemeinderat einen Knopf an die Sache – den alten Knopf.