Haigerloch Alraune trifft auf Hieronymus Bosch

Haigerloch / Andrea Spatzal 03.07.2018
Für Alraune ist es ein Ritterschlag: Die Akademie der bildenden Künste hat die Textilkünstlerin aus Haigerloch nach Wien gerufen.

Das ist ein Pakt, den Alraune da geschmiedet hat: Keinem Geringeren als dem Lustgärtner und Höllenmaler Hieronymus Bosch (um 1450/55 - 1516) ist die zarte Künstlerin aus Haigerloch beigesprungen. Und wo könnte diese teuflisch gute Liaison besser besiegelt werden, als im mondänen Wien? „Bosch & Alraune – Korrespondenzen“, heißt die Ausstellung, die jetzt im Theatermuseum in Wien eröffnet wurde und deren zentrales Thema Hieronymus Boschs berühmtes Triptychon ist. „Es ist eine tolle Chance, im Theatermuseum Wien ausstellen zu dürfen“, sagt Alraune.

Die Wiener kamen direkt auf die Schwäbin zu, um ihr dieses außergewöhnliche Kunstprojekt anzuvertrauen. „Das war gar nicht so einfach“, sagt Alraune über die Schaffensphase. „Ich wollte dem Hieronymus Bosch ja nicht einfach was klauen.“ Die Künstlerin wählte den steinigen Weg, verinnerlichte die Darstellungen auf dem Triptychon, ließ die Kraft der Bilder „durch sich durch“.

Die überbordenden Werke des niederländischen Malers, der vor 500 Jahren starb, sind bis heute grandiose und faszinierende Bilderrätsel. Das dreiteilige Altarwerk mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts von Hieronymus Bosch bildet das Herzstück der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Es zählt zu den weltweit bedeutendsten Kunstwerken der Zeit um 1500 – und gibt bis heute Rätsel auf. „Bosch passt total gut in unsere Zeit“, findet Alraune. „Er ist topmodern, seine Bilder sind wie Comics“, findet auch Alraunes Ehemann und kongenialer Partner Hans Siebert.

In der Akademiegalerie im Zentrum von Wien, direkt neben dem Museum Albertina, ist Boschs Triptychon das Herzstück, der Publikumsmagnet schlechthin. In einer Ausstellungsreihe werden nun „Korrespondenzen“ zwischen dem bildgewaltigen Weltgerichts-Altar und Kunstwerken anderer Künstler gezeigt und in Beziehung gesetzt. Dabei entstehen überraschende Verbindungen zwischen dem 500 Jahre alten Triptychon und zeitgenössischen Werken.

Alraune hat den alten Meister natürlich auf ihre eigene, unnachahmliche Art umgarnt: mit dem „Notruf aus der „Hölle“, mit „Lust- und Ekel-Früchten für Hieronymus“ oder dem Warnruf „Gott sieht alles“ – die Symbiose ist perfekt, denn das von einem Messer durchbohrte Ei mit dem Auge könnte genauso gut Boschs Phantasie entsprungen sein.

Fell, Satin, Samt und Seide, Nadel und Faden sind wie immer die Stoffe, mit denen Alraune zu Werke geht. Die 1952 in Tübingen geborene Textilkünstlerin heißt mit bürgerlichem Namen Stefanie Siebert. Sie nähte bereits 1981 ihr erstes komplettes textiles Environment. Seitdem hat Alraune auf internationalem Terrain mit ihren Kunstfiguren und Tausenden von Objekten Szenerien wie ein Varieté, ein ganzes Grand Hotel oder einen Metzgerladen gezeigt. „Meine Welt pendelt zwischen Alltag und dem alltäglichen Irrsinn in unserer Welt“, sagt die Künstlerin über sich selbst. Die Kunst-Menschen von Alraune sind ihr Schauspieler-Ensemble, deren Identitäten und Ausstattung sie jederzeit verändern kann. Die Künstlerin ist Regisseurin, Stückautorin, Bühnen- und Kostümbildnerin in einem.

Zu ihrer Ausstellung im Wiener Theatermuseum gibt es auch ein Begleitprogramm, unter anderem im September ein Künstlerinnengespräch über Alraunes „Textile Höllenqualen“ oder einem Workshop für Kinder unter dem Titel  „Höllisch gut!“, bei dem Alraune persönlich den kleinen Gästen  auf ihrer „Tafel der Sinne“ Wienerschnitzel mit höllenscharfer Soße, Schwarzwurst aus Sünderblut oder Ratte auf Erdbeeren servieren wird.

Info Die Ausstellung in Wien geht bis Ende September. Es ist auch ein Buch zur Ausstellung erschienen. Weitere Infos unter: www.akademiegalerie.at

Alraune am 5. Juli um 22.45 Uhr im SWR-Fernsehen

Diesen Donnerstag, 5. Juli, kommt um 22.45 Uhr in der SWR-Sendung „Kunscht“ ein Beitrag über Alraune in Haigerloch und Wien.

In Haigerloch hat Alraune seit 2015 ein eigenes Museum: Im ehemaligen Hotel „Schwanen“ kreiert sie jährlich wechselnde Themenausstellungen. Zur Zeit ist es das „Gefühl für Wurst“, das Alraune genüsslich im ganzen Haus walten lässt. Diese Ausstellung ist noch bis 28. Oktober zu sehen. Weitere Infos: www.panoptikum-siebert.de.

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