Auch wenn ein Artenschutzgutachten die Gefahr einer Windindustrieanlage am Standort „Hohwacht“ zwischen Haigerloch, Rangendingen und Grosselfingen weitgehend gebannt hat, bleibt die Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ gemeinsam mit anderen Initiativen aus der Region weiter an dem Thema dran.

Kürzlich war der FDP-Politiker Benjamin Strasser, MdB, aus Ravensburg auf Einladung des Vereins für Mensch und Natur Kettenacker sowie des Bündnisses „Rettet die Alb“ zu einem Gespräch über Klimaschutz und Energiewende nach Kettenacker gekommen.

Neben der Interessenwahrung in Verfahren koordiniert das Bündnis Alb die Erhebung von Grundlagen für artenschutzrechtliche Erkenntnisse, führt Gespräche mit Wahlkreispolitikern und Regierungsvertretern und bemüht sich, in der öffentlichen Diskussion auf die Interessen der Alb und der Albbewohner hinzuweisen.

Mit Zahlen, Daten und Fakten hatten sich die Vertreter der Bürgerinitiativen auf verschiedene Themenschwerpunkte vorbereitet. Dr. Christoph Leinß von der Bl Raumschaft Ostrach, Diplom-Forstwirt a. D., erläuterte, dass Windkraft im Wald mehr zerstört als sie Nutzen bringt. Der Wald ist ein wertvoller Kohlendioxid-Speicher. Thomas Wagner von der Bl Pfronstetten referierte zum Thema Infraschall und seine Auswirkungen auf Mensch und Tier. Die Gefahren würden von der Politik völlig unterschätzt. Die Forderung ist, dass die Auswirkungen von Infraschall grundlegend durch unabhängige Wissenschaftler erforscht wird (vergleichbar den Zulassungsvorschriften von neuen Medikamenten).

Hans-Jörg Jung als Vertreter des VLAB erklärte die Problematik der Nachtbefeuerung an Windkraftanlagen.

Prof. Michael Thorwart von der Bl Gegenwind Hohenzollern erläuterte, warum die Energiewende so nicht funktionieren kann. Die Energiewende kranke zum einen an der geringen Energiedichte (Brennwert) der „erneuerbaren“ Energien. Zum anderen könnten diese keine sichere Grundlastversorgung bereitstellen. Diese physikalischen Grundtatsachen seien nicht zu ändern, erklärte Thorwart. Das Problem des Zitterstroms zeigte sich an Messdaten vom März und von Ostern dieses Jahres. Es wurde auch aufgezeigt, dass die Aluminiumindustrie bereits 18 Abschaltungen wegen Stromknappheit in 2018 habe hinnehmen müssen.

Jürgen Herter vom Verein Mensch und Natur erklärte die Problematik von Pachtverträgen und die viel zu niedrig angesetzten Rückbaukosten bei Windkraftanlagen. Vereinsmitglied Matthias Guide hatte die neuesten Ertragsrechnungen aller WKA in Baden-Württemberg vorgestellt. Selbst der größte Windpark in Langenburg erreiche mit 62,2 GWh knapp 66 Prozent, also nur zwei Drittel der geplanten Stromerzeugung, verfehle also das erklärte Ziel der EnBW deutlich.

Birgit Steinhart vom Verein Mensch und Natur berichtete über aktuelle Vorkommnisse in der Region. Verschiedene BI hätten von Horstzerstörungen, gezielten Vogelvertreibungen und Hubschrauber-Übungsflügen in der jetzt aktuellen Brutzeit von Greifvögeln berichtet. Aber auch die neue Studie des OLE zum Insekten- und Bienensterben in Zusammenhang mit Windkraftanlagen, sowie die Verletzung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie durch den Bau von Windkraftanlagen in Schutzgebieten waren weitere Themen.

Das Gespräch war sehr offen und konstruktiv. Benjamin Strasser reiste mit vielen Informationen zurück nach Berlin. Weitere Gespräche mit Politikern werden folgen.

17 Bürgerinitiativen arbeiten Hand in Hand


Das Bündnis „Rettet die Alb“ ist der Zusammenschluss von Bürgerinitiativen aus Kettenacker, Pfronstetten, Engstingen, Lichtenstein, Kohlstetten, Sonnenbühl, Geisingen, Mörsingen, Aichelau, Ödenwaldstetten, Ehestetten, Inneringen, Ittenhausen, Bitz, Donnstetten, Haigerloch, Krauchenwies und Ostrach, die zum Schutz der Schwäbischen Alb und ihrer Bewohner entstanden ist, um die Energiewende auf der Schwäbischen Alb sinnhaft und schonend umzusetzen.