Haigerloch Abseits ausgetretener Pfade

Haigerloch / Antonia Lezerkoss 10.11.2018
Mit Orgel  und Schlagwerk schufen Ulrich Weissert und Albrecht Volz in der Haigerlocher Abendmahlskirche wunderbare Klanggemälde.

Solistisch und vereint bewegten sich der Schlagwerker Albrecht Volz und der Organist Ulrich Weissert am Sonntagabend als Orgel-Schlagzeug-Duo „Abseits ausgetretener, musikalischer Pfade“. Diese nicht alltägliche Instrumenten-Kombination bietet viel Raum für Phantasie und Gestaltung, auch für Sensibilität und Entdeckerfreude: Wie klingen Werke der Renaissance, wie klingt Bach in einer Adaption für Vibraphon und Klavier? Virtuos und präzise, mit Esprit und sichtlicher Experimentier- und Musizierfreude wussten die beiden Vollblutmusiker die Potenziale der zwei unterschiedlichen Instrumente harmonisch miteinander zu verbinden und den Zuhörern ein ebenso expressives Klangpanorama wie faszinierendes Hörerlerbnis zu präsentieren.

Mit barocker Klangfreude gestalteten Albrecht Volz, Vibraphon, und Ulrich Weissert, Klavier, zunächst die Tanzsätze aus Johann Sebastian Bachs „Suite Nr. 2“ h-Moll BWV 1067. In der folgenden „Pavane“ des Renaissance-Komponisten und der tänzerischen Weise eines Unbekannten zeigte das Vibraphon mit kunstvoll ziseliertem Zierat und vibratoähnlichen Finessen seine schillernde Seite. Klare musikalische Charaktere und klanglich eindrucksvolle Strukturen formte Organist Weissert solistisch mit Bachs Präludium und Fuge in G-Dur BWV 541. Um den einer Orgel vergleichbaren Klangreichtum zu erreichen, muss der Schlagzeuger ein ganzes Arsenal an holz-, metall- und fellklingenden Instrumenten, an Bongos, Becken, Vibraphonen, Tempelblocks und Trommeln jeder Art um sich versammeln; eine glänzende Maschinerie, die ihm dazu dient, eine phantastische Welt verschiedener Klangfarben zu schaffen.

In Duo-Werken für Schlagzeug und Orgel der „Neuen“ Musik ist der Orgelpart nicht auf stille, zurückhaltende Klänge beschränkt, sondern wirkt als kongenialer „Mitstreiter“. Beispiel dafür ist der von den Musikern mit Brillanz und Verve vorgetragene, packende „Bolero über ein Thema von Charles Raquet“ aus der Feder des französischen Komponisten Pierre Cochereau. Der Rhythmus der kleinen Trommel bildet hier das Rückgrat des musikalischen Geschehens, das im Gegensatz zum berühmten Orchesterwerk Maurice Ravels nicht im glänzenden Fortissimo, sondern zurückgenommen, gleichsam ersterbend endet. Mit dem Stimmungsbild von Mark Glentworth’ „Blues for Gilbert“, einer „Mischung von Blues und Requiem“ und changierend zwischen verfremdeten Bluesanklängen jazzigen Elementen kam das Vibraphon erneut zu Ton. Ein dröhnender Donnerschlag, gefolgt von dumpf grollendenTönen, grell blitzenden Klangfäden, zischenden und prasselnden Tonkaskaden, die mit fast entmaterialisierten Tönen, Momenten absoluter Stille abwechselten, erfüllten den Kirchenraum.

Meisterlich, eindringlich und äußerst expressiv gestalteten Weissert und Volz den zweiten Satz „Nuages tempètieux“ (Gewitterwolken), aus Eckhard Kopetzkis „Contemplations“ als fesselnd-bedrohliche, atmosphärische Tonmalerei und ergänzten einander prächtig mit sprühendem musikalischem Einfallsreichtum.

Nach der brillanten Klangmischung und dem immensen Getümmel beendete Berthold Hummels „In memoriam“ angenehm voluminös und klar strukturiert den Abend.

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