Was lange währt, wird endlich wahr. Mit diesen Worten fasste Bauplaner Gebhard Gförer das über ein Jahr andauernde Bebauungsplanverfahren „Hinter Gärten II“ in Hart zusammen. Dass in dem sensiblen Obstbaumgürtel, wo Mopsfledermaus und Zauneidechse und andere seltene Vogel- und Insektenarten zuhause sind, gebaut werden soll, empörte vor allem die Naturschutzbehörden und -verbände. Sie äußerten auch bei der vierten Offenlegung des Bebauungsplanes wieder ihre Bedenken.
Dass der Haigerlocher Gemeinderat am Dienstag dennoch den Satzungsbeschluss für „Hinter Gärten II“ fasste konnte, war nur möglich, weil der Arbeitskreis Zollernalb der Landesnaturschutzverbände (LNV) auf Initiative des Nabu Haigerloch/Rangendingen eingelenkt hat (wir berichteten).
Zum Zweiten ebnete ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Haigerloch dem Neubaugebiet vollends den Weg. In dem Vertrag sind die artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen festgehalten. Dazu zählen beispielsweise die Ersatzpflanzungen von Obstbäumen auf verschiedenen Flächen und eine neue Streuobstwiese, die auf einer Fläche von über 13 000 Quadratmetern angelegt wird. Auch die übrigen Maßnahmen, wie das Versetzen alter, wertvoller Obstbäume oder der Schutz von Zauneidechsen, Mopsfledermäusen, Kupfer-Rosenkäfern, Ameisen und weiteren Insekten, sind in dem Vertragswerk detailliert geregelt. Im Klartext bedeuten die Auflagen, dass der Eingriff in die Natur nicht wie sonst üblich 1:1 ausgeglichen wird, sondern in diesem Fall im Verhältnis 1:2, der Aufwand, auch der finanzielle, sich also verdoppelt.
Auch auf die Stellungnahme eines Bürgers, der sich im wesentlichen ebenfalls gegen die Zerstörung des Obstbaumgürtels richtet, ging Planer Gförer ein. Er erwähnte zudem, dass der Landesnaturschutz in seiner Stellungnahme wünscht, dass die Stadt ein verbindliches Konzept erarbeiten lässt für die ökologische Optimierung des gesamten restlichen Streuobstbestandes innerhalb von Haigerloch samt Pflegeverpflichtung für 30 Jahre.
Weiter soll die Stadt ein Konzept für artenschutzrechtliche Erhaltungs- und Verbesserungsmaßnahmen im Bereich der Fledermaus-Fortpflanzungsstätten und -Ruhestätten von einem in solchen Fragen erfahrenen Planungsbüro erarbeiten lassen. Einstimmig stimmte der Gemeinderat auch dieser Auflage zu. Durch die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen hat sich laut Gebhard Gfrörer an dem Bebauungsplan selbst jedoch nichts geändert. Nach wie vor können  in einem ersten Abschnitt rund 15 bis 16 Bauplätze erschlossen werden. Die Erschließungsarbeiten könnten bereits im Herbst dieses Jahres beginnen.
Nach kurzer Aussprache beschloss der Gemeinderat mehrheitlich (eine Gegenstimme, zwei Enthaltungen) nach Abwägung der öffentlichen und privaten Belange den Bebauungsplan „Hinter den Gärten II“zusammen mit den aufgestellten Bauvorschriften als Satzung.

Alte Bäume werden versetzt, 207 Obstbäume neu gepflanzt


Die Vegetationsarbeiten im Neubaugebiet „Hinter den Gärten II“ sind umfangreich. Unter anderem müssen Trockenmauern mit katzendichten Zäunen gebaut werden. Große alte Bäume auf der Streuobstwiese müssen verpflanzt werden. Die ausgewählten Bäume wurden bereits mit einem roten Kreis markiert. Ihre Wurzeln werden abgestochen, um sie  im Herbst versetzen zu können.

207 Obstbäume in verschiedenen Sorten, aber alle mit einem Stammumfang von mindestens zwölf bis 14 Zentimetern werden im Herbst neu gepflanzt.

Die Ausgleichsmaßnahmen wurden laut Haupt- und Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck beschränkt ausgeschrieben. Die Kostenberechnung belief sich auf 116 620 Euro. Von sechs Fachfirmen hatte die Firma Raible & Schmocker aus Owingen mit 105 900 Euro das günstigste Angebot abgegeben. Der Gemeinderat vergab die Arbeiten einstimmig an diese einheimische Firma, da zudem ein pünktlicher Baubeginn zugesichert wurde. se