Haigerloch „Das Malen ist doch mein Leben“

Erstmals gibt es im Altenpflegeheim St. Josef eine Ausstellung mit Gemälden und Fotografien. Unser Foto zeigt die Malerin Maria Dolores Schäfer umgeben von ihren Enkeln und Fotograf Josef Kienzle mit dem Bild „Die Kerze“.
Erstmals gibt es im Altenpflegeheim St. Josef eine Ausstellung mit Gemälden und Fotografien. Unser Foto zeigt die Malerin Maria Dolores Schäfer umgeben von ihren Enkeln und Fotograf Josef Kienzle mit dem Bild „Die Kerze“. © Foto: Wilfried Selinka
Haigerloch / Wilfried Selinka 21.06.2018

Mit der Bewohnerin Maria Dolores Schäfer, vormals wohnhaft in Stetten bei Haigerloch, stellt erstmals eine Bewohnerin des Altenpflegeheims St. Josef ihre Malereien aus. Daneben hängen die Fotos von Josef Kienzle aus Wachendorf, nach dessen Vorlagen die Werke entstanden sind.

Annerose Wiedemann freute sich bei der Vernissage am Sonntag über die begabte und begnadete Künstlerin, die ihre Fähigkeiten mit dieser Doppelausstellung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zur Ausstellungseröffnung waren nicht nur die Bewohner der Senioreneinrichtung, sondern auch die Familie von Maria Dolores Schäfer sowie Freunde und Bekannte des Wachendorfer Fotografen gekommen. Anschließend sorgte der Männergesangverein Trillfingen unter Wolfgang Rapp mit wunderschönen Chören für Unterhaltung.

Josef Kienzle war es vorbehalten, in die Ausstellung einzuführen, da die Künstlerin Ina Simone Petri aus Hechingen, die das wöchentliche Malangebot in St. Josef leitet, verhindert war. Aufgewachsen ist Maria Dolores Schäfer in Reschitz im deutschsprachigen Banat in Rumänien. Mit neun Jahren besuchte sie die ersten Malkurse bei einem alten Lehrer, der zugleich Maler war. Später folgten Kurse an der Volkshochschule und drei Jahre ein Studium an der Kunsthochschule in Reschitz. Mit 30 Jahren ist Maria Dolores Schäfer nach Deutschland gekommen, hat geheiratet und eine malerische Pause eingelegt, bis sie 2013 Bewohnerin des Altenpflegheims St. Josef wurde.

Von Anfang an war sie auch dort wieder künstlerisch tätig und hat Gemälde mit Stickereien in Gobelintechnik hergestellt. Eine Krankheit hat allerdings zur Folge, dass das Sehvermögen der Seniorin seit 2015 immer schlechter und es damit schwieriger für sie wird, gestalterisch tätig zu sein. Inzwischen sieht sie auf einem Auge nichts mehr und das andere hat nur noch ein geringes Sehvermögen. Deshalb muss Dolores Schäfer alles mit der Lupe anschauen und sich einprägen.

Da kommen die Fotografien mit ihrer klaren Strukturen von Josef Kienzle gerade recht. Er hat sich das Fotografieren autodidaktisch angeeignet und vor allem für sich selbst Fotos gemacht. Inzwischen ist er Mitglied bei den Fotofreunden Balingen.

Durch den Aufenthalt der inzwischen verstorbenen Mutter in St. Josef sind Kienzle und dessen Ehefrau Elisabeth mit Maria Dolores Schäfer in Kontakt gekommen und inspirierten sie zu ihren Bildern. Von ihnen ging auch der Impuls aus, die Malereien im Altenpflegeheim öffentlich zu zeigen.

Ausgestellt sind im Eingangsbereich und in zwei Fluren zwölf Bildpaare nebeneinander, zuerst die meist in der Natur entstandene Fotografie und daneben die Umsetzung als Gemälde. Maria Dolores Schäfer malte die Fotos nicht einfach ab, sondern setzte mit ihrem eingeschränkten Sehen ihre eigene Wahrnehmung  um, wozu sie stets eine Lupe braucht. Über diese Arbeitsweise wird das Foto übersetzt, reduziert und strukturiert. Strukturen und Kontraste in den Bildvorlagen sind für die Künstlerin wichtig. Sie sind dann für sie leichter zu sehen. „Es sind eigene Interpretationen der vorgelegten Fotografie“.

Nach eigener Aussage von Maria Dolores Schäfer ist für sie das Malen „eine Arbeit“ und  trotzdem auch „mein Leben“. Ein wichtiger und fester Bestandteil ihres Lebens also, der sie auch am Leben hält.

Ein besonderer Dank ging an Annerose Weidemann und Andrea Braitmaier von der Hausleitung für die Möglichkeit, dass Malerin und Fotograf ihre erste eigene Ausstellung präsentieren können.

Ausstellung ist bis 8. Juli zu sehen

Die Ausstellung der Gemälde und Fotografien sind noch bis einschließlich Sonntag, 8. Juli, im Eingangsbereich des Altenpflegeheims St. Josef zu sehen.

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