Eine ganze Nummer kleiner als die Jubiläumsauflage im vergangenen Jahr, aber in gewohnt würdigem Rahmen wurde in Haigerloch am Kirbemontag der 151. Handwerkerjahrtag begangen.

Die etwa 50 Teilnehmer läuteten den Tag wie immer mit einem Gottesdienst in der St. Anna-Kirche ein. Zum ersten Mal war Pater Franz Pfaff von den Weißen Vätern der Festprediger. Der Afrikamissionar stellte anhand von Beispielen aus Uganda zu Zeiten der Kolonialisierung die Bedeutung des  Handwerks für das Wohlergehen eines Volkes in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Das Bläserensemle der Ehrsamen Handwerkervereinigung Haigerloch umrahmte den Gottesdienst musikalisch und begleitete anschließend auch die Prozession von der Kirche ins Zunftlokal „Krone“. Fahnenträger Jörg-Andreas Reihle und die Träger der Zunftlade führten den Zug an. Die Meister, die Ehrengäste, die Delegation der Handwerkerzunft Mengen, und die Vertreter der Volksbank Hohenzollern-Balingen und der Sparkasse Zollernalb folgten.

In der „Krone“ begrüßte Zunftmeister Dietmar Eger – nach altem Brauch vor der geöffneten Zunftlade – die Anwesenden. Ein Gedenken widmete die Versammlung den Verstorbenen der vergangenen Jahre, so auch dem erst dieses Jahr verstorbenen Klär- und Abwassermeister Kurt Bolanz.

Als nächstes sieht das 1868 von 61 Handwerksmeistern unterzeichnete Protokoll die Einnahme eines „einfachen Mittagessens“ vor. Das sind traditionell hausgemachte Tellerkutteln mit Brot.

Handwerkerzunft Mengen feiert im Mai 2020 ihr 250-jähriges Bestehen

Nach dem Essen gab Zunftmeister Eger den Jahresbericht ab. Wie er mitteilte, hat Zunftschreiber und -kassier Ulrich Burkhardt aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen seine Ämter abgegeben. Als Nachfolger wurde Egidius Kessler einstimmig gewählt. Der Kassenbericht über die vergangenen zwei Jahre fiel positiv aus. Dank vieler Spenden zum Zunftjubiläum ist das Guthaben auf 8000 Euro gewachsen.

„Ohne Handwerk funktioniert unsere Gesellschaft nicht“, betonte Bürgermeister Dr. Heinrich Götz in seinem Grußwort. Privatkunden wie auch Kommunen spürten, wie ausgelastet die Handwerksbetriebe sind. „Man versucht heute, alles zu akademisieren“, kritisierte Götz. Viele junge Leute hätten Spaß am handwerklichen arbeiten. Sie sollten als Botschafter auftreten und Werbung für das Handwerk machen.

69 Prozent der Betriebe sehen sich gut für die Zukunft aufgestellt

Heidi Goller als Vertreterin der Handwerkskammer Reutlingen hob in ihrem Grußwort die Bedeutung der Handwerkervereinigung: „Eine Institution, die Brauchtumspflege und Kontinuität beweist. ist heute gefragter denn je.“ Die gravierenden Änderungen in der Arbeitswelt und im Wirtschaftsleben seien vor allem am Handwerk nicht spurlos vorüber gegangen. Nur durch Flexibilität und Innovationskraft sei der Wandel zu meistern. ein „fundamental wichtigen Beitrag zur Wirtschaftskraft“ leiste das Handwerk auch durch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. „Die Chance auf eine Ausbildung ist das wichtigste, was wir jungen Leuten bieten müssen“, so Goller.

Nach wie vor herrsche im Handwerk Facharbeitermangel. Etwa 14 Prozent der Auszubildenden hätten heute Abitur. Nur etwa vier Prozent waren es in den 70ern. Beunruhigend sei, dass dieses Jahr im Kammerbezirk rund elf Prozent – im Zollernalbkreis 7,2 Prozent – weniger Lehrverträge abgeschlossen wurden als im Vorjahr. Immer häufiger würden auch Verträge frühzeitig aufgelöst oder – in 64 Fällen – eine Lehrstelle erst gar nicht angetreten. erfreulich sei, dass 134 Lehrverträge mit Flüchtlingen abgeschlossen wurden.

Die Stimmung im Handwerk bezeichnete Heidi Goller dennoch als optimistisch. Bei einer Umfrage im Kammerbezirk hätten 69 Prozent der Betriebe einen guten Status Quo, und 63 Prozent auch eine gute Prognose für das vierte Quartal 2019 abgegeben. Auch bei den Beschäftigtenzahlen stünden die Zeichen eher auf Zuwachs. Gollers Fazit: „Es ist also nicht viel Platz für trübe Stimmung.“

Abschließend lud der Zunftmeister der Handwerkerzunft Mengen, Joachim Schwarz, die Haigerlocher nicht nur zum nächsten Handwerkerjahrtag am Rosenmontag ein, sondern vor allem zum 250-jährigen Jubiläum der Mengener Zunft am 23. Mai.

 Am Nachmittag stand wie immer ein Ausflug auf dem Programm. In diesem Jahr war die Textilfirma Trigema in Burladingen dass Ziel.

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