Um es vorweg zu nehmen: Die E-Werk-Verantwortlichen sollten Die Fremden unbedingt für einen Theaterabend engagieren um den "Duft der Paradeiser"" einem breiten Publikum zur normalen Ausgehzeit zugänglich machen.

Der multikulturellen Amateurtheatergruppe gelingt es nämlich, den Zuschauer nicht nur zu unterhalten, sondern auch im Innersten zu berühren. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, als sich Valentina und Soraya zufällig am Müllcontainer begegnen. Die resolute Italienerin versucht gerade voller Wut, einen Teil ihres bisherigen Lebens zu entsorgen, während Soraya in Erinnerungen wühlt. Glück, Verlust der Heimat, verlorene Liebe, kulturelle Beziehungsmixkisten, das Altwerden an sich und insbesondere in der Fremde, Hilflosigkeit, Fremdbestimmung, Sehnsüchte - das Stück enthält alle Themen, die den Menschen bewegen.

Mehr als einmal werden den Gefühlen der Zuschauer Wechselbäder verabreicht. Lachen und Betroffenheit liegen, weil es ja um das wirkliche Leben geht, oft dicht beieinander. Das Schmunzeln über die Vorurteile der Migranten untereinander noch im Gesicht, das Lachen über skurrile Auseinandersetzungen noch im Hals, tun sich vor den Zuschauern plötzlich tiefe Gefühlsabgründe auf und offenbaren die blauen Flecken auf den Seelen der Menschen. Ausdrucksstark, leidenschaftlich und mit genau dem richtigen Maß an Inbrunst gelingt es den Akteuren, Klischees, zwischenmenschliche Beziehungen und Realitäten so darzustellen wie sie - nicht nur durch die Migrantenbrille gesehen - eben nun mal sind. Durch alles zieht sich die Melodie von Lipoma, und die unterschiedlichen Zeit- und Perspektivebenen werden geschickt durch lautloses Pantomimespiel in Zeitlupe vom Hier und Jetzt getrennt.

Einzig zwölf Koffer begleiten den Zeitsprung über 35 Jahre. Immer wieder neu zusammengestellt, lassen sie die jeweilige Kulisse vor dem geistigen Auge der Zuschauer erscheinen. Auch die Licht- und Toneffekte sind hervorragend auf das Geschehen abgestimmt und betätigen genau die richtigen Schalter im Gehirn.